Konkurrenz durch virtuelle Influencer: Werden echte Stars bald überflüssig?

Influencer sind Personen, die mit ihrem Content zum Teil Millionen von Menschen über Social Media erreichen. Um Content hochzuladen, sind die Plattformen Instagram, TikTok und YouTube besonders beliebt.

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Konkurrenz durch virtuelle Influencer: Werden echte Stars bald überflüssig?
Foto: Afffect / Unsplash

Sie heißen MontanaBlack, MrBeast oder Pamela Reif. Die Rede ist von Influencern. Influencer sind Personen, die mit ihrem Content zum Teil Millionen von Menschen über Social Media erreichen. Um Content hochzuladen, sind die Plattformen Instagram, TikTok und YouTube besonders beliebt. Ihre treue Community bauen sie sich normalerweise mit bestimmten Themen auf. Beliebte Content-Bereiche sind Gaming, Sport und Reisen. Durch sehr persönliche Inhalte wirkt ihr generierter Content glaubwürdig, echt und nahbar.

So generieren Influencer ihr Einkommen

Einkommensströme sind über viele Wege möglich. Grundvoraussetzung dafür ist eine recht hohe Anzahl an Followern. Je mehr Follower, desto attraktiver werden die Kooperationen. Unternehmen bezahlen die Influencer dafür, dass sie Produkte oder Dienstleistungen präsentieren. Beispielsweise kann ein Reise-Influencer für neue Hotel-Deals werben oder ein Fitness-Influencer für den „besten Fitness-Riegel“. Dies ist schon ab einer knappen fünfstelligen Zahl an Followern möglich. Gleiches gilt für Affiliate-Marketing. Beim Affiliate-Marketing verdienen die Werbenden daran, wenn jemand über den bereitgestellten Link das Produkt kauft. Damit dies attraktiv wird, können Influencer bereitgestellte Rabattcodes erhalten und diese an ihre Follower weitergeben.

Größere Influencer generieren zudem hohe Einnahmen mit „einfachen“ Markennennungen in ihren Videos oder Podcasts. Zudem ist zu beobachten, dass immer mehr Influencer eigene Produkte entwickeln, die mal mehr und mal weniger zu ihrem Content passen. Ein gutes Beispiel ist der Gönrgy-Drink von MontanaBlack. Allein die sehr hohe Reichweite des Influencers mit mehr als 3,8 Millionen Instagram-Followern reicht aus, um die Energydrinks bekannt zu machen. Darüber hinaus können Einnahmen direkt durch Plattformen generiert werden. YouTube zahlt Content-Creators nach Anzahl der Videoaufrufe. 100.000 YouTube-Aufrufe generieren je nach Creator zwischen 100 Euro und 500 Euro.

Das sind Virtuelle Influencer

Virtuelle Influencer sind mithilfe von KI oder speziellen Design-Programme generierte Persönlichkeiten, die sich auf den unterschiedlichsten Plattformen wie menschliche Influencer präsentieren. Die bekanntesten sind Lil Miquela, Imma und Noonoouri. Mit knapp einer halben Million Follower ist Noonoouri auf dem deutschen Markt die beliebteste virtuelle Influencerin. Auch wenn Noonoouri vermenschlicht dargestellt wird, erkennt man direkt auf den ersten Blick, dass es sich um eine mit dem Computer animierte Person handelt. Bei anderen Creatorn wie Imma ist dies schon etwas schwieriger. Diese neue Art von Influencer-Marketing wird nicht nur von menschlichen Influencern kritisch gesehen. Nicht wenige in der Branche fragen sich, ob echte Stars bald überflüssig werden, wenn KI-Influencer immer mehr an Beliebtheit dazugewinnen.

Hinter den Betreibern der virtuellen Influencer steckt in der Regel ein ganzes Social-Media-Team von Marketing-Agenturen. Die Figuren selbst werden mithilfe von KI und Designern kreiert. Das Besondere und gleichzeitig Besorgniserregende daran ist, dass die KI inzwischen sogar Texte, Bilder, Videos und sogar Antworten auf Kommentare erzeugen kann. Des Weiteren werden die Figuren mit fiktionalen Erlebnissen und Geschmäckern gefüttert, denn eine KI kann keine menschlichen Gefühle entwickeln.

Vorteile von virtuellen Influencern

Zu den größten Vorteilen zählt, dass virtuelle Influencer als deutlich neuartiger wahrgenommen werden als menschliche Influencer. Das generiert Aufmerksamkeit. Gleichwohl können Punkte wie Aussehen, Geschichte und der Kommunikationsstil angepasst werden. Das ist insbesondere für Marken interessant, da sie ihre virtuelle Figur so perfekt kontrollieren können. Obendrein kann eine virtuelle Person theoretisch rund um die Uhr und an jedem Tag Content produzieren.

Schon jetzt zeigen unabhängige Studien, dass beim Engagement virtuelle Influencer schon jetzt mit menschlichen Influencern konkurrieren können. Dies liegt vor allem an der generierten Aufmerksamkeit. Bei der Überzeugungskraft sind menschliche Influencer weiterhin vorne. Aber auch das hat nachgelassen, denn sobald Geld fließt, werben einige Influencer eben für das Produkt, wofür sie am besten bezahlt werden, und nicht mehr für Produkte, von denen sie selbst wirklich überzeugt sind. Natürlich gilt dies längst nicht für alle Influencer, aber dieser Trend ist definitiv zu erkennen.

Glaubwürdigkeit ist und bleibt eine Schwachstelle

Studien belegen, dass virtuelle Influencer bei der Glaubwürdigkeit deutlich schlechter abschneiden als menschliche Influencer. Das ist aus unterschiedlichen Gründen relevant. Glaubwürdigkeit hängt unmittelbar mit Aspekten zusammen, wie Einstellung zur Werbung und Marke, Verhaltensabsichten und Kaufabsicht bzw. Bereitschaft, auf die gesendete Botschaft zu reagieren.

Sollte ein echter Influencer sagen oder sogar demonstrieren, dass er das Produkt selbst nutzt, sendet dies eine ganz andere Nachricht als die eines virtuellen Influencers. Eine virtuelle Person kann Produkte nicht selbst testen oder erleben. Dementsprechend haben sie einen deutlichen Nachteil im Punkt Glaubwürdigkeit.

Unterschiede zwischen den virtuellen Influencern

Sobald ein virtueller Influencer ins Leben gerufen wird, stellen sich die Verantwortlichen die Frage, wie menschlich dieser sein soll. Technisch ist es bereits möglich, eine Figur zu erschaffen, die rein optisch einem Menschen sehr nahekommt. Menschliche Bewegungen und Kommunikation können nachgebildet werden. Entscheiden sich die handelnden Personen jedoch dafür, eine offensichtlich künstliche Figur zu erstellen, wird diese meistens cartoonartig oder futuristisch gehalten. Dadurch kommt es zu einer unrealistischen Gestaltung.

Für wen oder was die Influencer werben sollen, entscheidet das Aussehen maßgeblich. Menschlich wirkende virtuelle Influencer werden beispielsweise sehr gerne in den Bereichen Technik, KI und neuen Marken genutzt, während nicht-menschlich gehaltene virtuelle Influencer besonders gerne bei Werbung für Unterhaltung, Lifestyle und Social-Media-Inhalte auftauchen.

Echte Stars und Influencer sind (noch) nicht überflüssig

Reale Influencer haben aus unterschiedlichen Gründen aktuell noch die Nase vorn. Sie haben eine reale Biografie, echte Erfahrungen, persönliche Erfolge, menschliche Fehler und normalerweise auch eine tatsächliche Beziehung zu den Produkten, für die sie werben. Dadurch entsteht der wichtigste Punkt: Glaubwürdigkeit. Natürlich bleiben selbst Influencer nicht vor technischem Vorsprung verschont. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass technische Neuerungen immer wieder bestehende Systeme abgelöst oder sogar ersetzt haben.

Dass sich ein ganzer Wirtschaftszweig grundlegend verändern kann, hat zum Beispiel die Glücksspielindustrie erlebt. Online Casinos haben lokalen Spielhallen seit vielen Jahren den Rang abgelaufen. Möchte man heutzutage ein bisschen zocken, dann öffnet man schnell die App von Tipico oder einem vergleichbaren Anbieter und schon sind Hits wie Book of Ra, Razor Shark oder Legacy of Dead auf dem eigenen Bildschirm spielbar. Was in der Vergangenheit unmöglich schien, wurde Realität. Und genau hier sind wir wieder beim Thema „Virtual Influencer“. Es ist nicht abzusehen, ob und wie sich die Bedürfnisse der Konsumenten in 10, 20 oder 30 Jahren verändern. Daher ist es nicht auszuschließen, dass virtuelle Influencer echte Stars irgendwann ersetzen.