Neu im Franken-"Tatort": Ein Brief versüßte Rosalie Thomass den Start
Fabian Hinrichs bekommt im Franken-"Tatort" eine neue Kollegin. Rosalie Thomass erzählt im Interview mit spot on news, warum sie sich vom ersten Tag an willkommen fühlte und welche Geste ihr in der Nacht vor dem Drehstart die Aufregung nahm.
Mit "Tatort: Gottesgarten" (24.10, 20:15 Uhr, das Erste) bekommt das fränkische Ermittlerteam um Felix Voss (Fabian Hinrichs, 51) Verstärkung: Rosalie Thomass (39) übernimmt die Rolle der Emilia Rathgeber. Für die Münchner Schauspielerin ist es ein doppelter Neustart - schließlich kommt nicht nur ihre Figur neu ins Team, auch Thomass selbst musste sich in eine etablierte "Tatort"-Familie einfinden. Im Gespräch mit spot on news erzählt sie von einem ungewöhnlich herzlichen Empfang mit einem persönlichen Brief zum Drehstart.
Mit Emilia Rathgeber stoßen Sie neu zum Franken-"Tatort"-Team. Wie würden Sie Ihre Figur beschreiben?
Rosalie Thomass: Ich würde sagen: Sie ist neugierig, offen, patent, humorvoll und empathisch. Es ist eine lebendige, geerdete, sinnliche Figur, die ganz im Hier und Jetzt stattfindet.
Ihre Figur kommt in ein bestehendes Team - und Sie selbst ebenfalls. Wie fühlt sich dieser doppelte Neustart an?
Thomass: Für mich hat es sich eigentlich gar nicht wie ein Neustart angefühlt. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, als würden wir das schon immer zusammen machen. Durch meinen Beruf bin ich es gewohnt, in neue Gruppen zu kommen, in denen sich manche untereinander bereits kennen. Ich hatte überhaupt keine Außenseitergefühle. Ich wurde sehr warm empfangen und mit großer Selbstverständlichkeit aufgenommen. Und ich finde, dass Emilia das auch mitbringt. Sie tritt mit einer ganz natürlichen Selbstverständlichkeit in diesen Arbeitsplatz ein.
Auch zwischen Ihnen und Fabian Hinrichs (Kommissar Voss) scheint es beim ersten Kennenlernen sofort gut funktioniert zu haben. Warum harmoniert das so gut?
Thomass: Ich habe eine große Offenheit und Neugier mir gegenüber gespürt. Und das passt, finde ich, auch sehr gut zu den Figuren. Beide sind forschende Charaktere. Es ist nicht selbstverständlich, dass man immer auf Augenhöhe wahrgenommen wird. Hier war das der Fall - und das ist schön.
Sie hatten also wirklich das Gefühl, willkommen zu sein?
Thomass: Das muss auch so sein. Du kannst dich nicht für einen so festen Job verpflichten, wenn du das Gefühl hast, dass du hier nicht gewollt bist. Das könnte ich gar nicht machen.
Gab es eigentlich auch Reaktionen von anderen "Tatort"-Teams?
Thomass: Ja. Unter den Ermittlerkolleginnen und -kollegen wurde ich regionsübergreifend herzlich begrüßt. Ich habe viele freundliche Nachrichten bekommen wie: "Willkommen in der Familie!"
Haben Sie ein besonderes Souvenir von Ihrem ersten Franken-"Tatort"-Dreh?
Thomass: Ich bin gar nicht so der Gegenstandsmensch. Aber etwas werde ich auf jeden Fall aufbewahren: Unser Regisseur Dustin Loose hat mir einen Brief geschrieben. Ich kam in der Nacht vor dem ersten Drehtag sehr spät in meiner Pension an, weil ich vorher noch woanders gearbeitet hatte. Und dann lag dieser Brief auf meinem Zimmer. Darin war eine so wertschätzende, freundliche und zugewandte Botschaft. Diesen Brief werde ich sicherlich noch lange immer mal wieder hervorholen. Ich finde es wahnsinnig schön, so miteinander umzugehen.
Das nimmt wahrscheinlich auch ein bisschen die Nervosität vor dem ersten Drehtag?
Thomass: Total. Die Aufregung ist groß und in der ersten Nacht schläft man als Schauspielerin sowieso schlecht. Dieser Brief hat mir ein bisschen den Schrecken vor dem ersten Tag genommen.
Sie haben in Oberfranken gedreht. War die Region für Sie vorher ein weißer Fleck auf der Landkarte?
Thomass: Ja, schon. Von München aus fährt man meistens eher nur durch. Deshalb fand ich es sehr schön, eine neue Gegend zu entdecken. Die Landschaft dort ist wahnsinnig vielfältig und besonders. Diese Felsen, die man auch im Film sieht - das ist schon beeindruckend. Die Gastfreundschaft und das Essen waren ebenfalls fabelhaft.
"Gottesgarten", "Lügen über meine Mutter", "Bibi Blocksberg" etc. Man könnte es fast schon "Rosalie-Thomass-Herbst" nennen...
Thomass: Ja, das habe ich zwar nicht in der Hand, weil ich nicht entscheide, wann die Sachen veröffentlicht werden. Aber natürlich bin ich stolz darauf, wie vielfältig meine Arbeit sein darf und wie unterschiedlich die Aufgaben sind. Ich freue mich auch, dass ich mir immer mehr Gestaltungsspielraum erarbeite - gerade durch das eigene Schreiben und Mitentwickeln.
Der Franken-"Tatort" kommt nur einmal im Jahr. Ist das vielleicht sogar ein Vorteil?
Thomass: Ich finde schon. Dadurch gibt es genügend Zeit für die Entwicklung der Stoffe. Man merkt, dass sehr viel Akribie und Sorgfalt seitens der Redaktion darinsteckt. Das tut den Filmen natürlich gut.
Und wie schauen Sie sich Ihren ersten Franken-"Tatort" an, ganz klassisch am Sonntagabend im TV mit Familie und Freunden?
Thomass: Ich schaue ihn auf jeden Fall mit Freundinnen. Wir machen eine kleine Watchparty. Ich bin da ziemlich old-fashioned, weil ich aus einer Generation bin, in der es feste Fernsehzeiten gab und daran bin ich einfach gewöhnt. Ich habe unseren ersten Fall zwar sogar schon auf einer Kinoleinwand bei einem Festival gesehen. Trotzdem möchte ich auf diesen Live-Moment bei der Fernsehausstrahlung nicht verzichten.
(ili/spot)