Peter Maffay und Johannes Oerding: "Bei uns gibt's kein Ego-Problem"
Als "MAFFAY + OERDING" machen Peter Maffay und Johannes Oerding gemeinsame Sache: Am 2. Oktober erscheint ihr Album "Nashville". Die elf Songs nahmen die Musiker in nur fünf Tagen im legendären Blackbird Studio auf. Wie das lief und warum sie so gut harmonieren, verraten sie im Interview.
Von Konkurrenz keine Spur: Peter Maffay (77) und Johannes Oerding (44) sind richtig gute Freunde - trotz oder vielleicht auch gerade wegen ihres großen Altersunterschieds. Es gebe zwischen ihnen keine "Ego-Probleme", schwärmt Maffay im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news zu ihrem neuen Album "Nashville". Mit Oerding kehrt er nach seiner Abschiedstournee 2024 sogar noch einmal auf die Live-Bühne zurück. Die gemeinsame Arena-Tour startet am 15. April 2027 in Oberhausen und endet am 2. Mai 2027 in Stuttgart.
Ist mit der Albumaufnahme in Nashville ein Traum von Ihnen in Erfüllung gegangen?
Johannes Oerding: Ein Traum, von dem ich noch nicht wusste, dass ich ihn hatte (lacht). Als ich in meinem Auszeitjahr in den USA unterwegs war, habe ich aber eine Affinität zu dieser Musik bekommen. Und Peter und ich haben sehr schnell gemerkt, dass wir das beide mögen.
Nashville ist legendär als Music City. Haben Sie das dort dann auch so empfunden?
Peter Maffay: Nashville war lange ein beschauliches Städtchen mit viel Landschaft und, abgesehen vom Broadway, auch einer gewissen Ruhe. Aber in den letzten Jahren hat sich Nashville zu einer Großstadt entwickelt. Trotzdem ist es das geblieben, was es immer war: eine Musikstadt und voll mit Anzeichen für diese Musik. Überall wird live gespielt, es gibt Exponate und so weiter, die daran erinnern, wer da alles eine Rolle gespielt hat und spielt.
Wie lief die Zusammenarbeit mit den dortigen Studiomusikern?
Oerding: Wir haben ganz bewusst den Amerikanern, unseren Instrumentalisten vor Ort, mit auf den Weg gegeben, worum es in unseren deutschen Songs geht. Das war uns ganz wichtig, dass sie wissen, worüber sie spielen und wozu sie spielen. Und das hat erstaunlich gut geklappt.

Sie haben die elf Songs in nur fünf Tagen aufgenommen. War das sehr stressig?
Maffay: Nein, gar nicht. Wir haben die Zeit aber gut genutzt, haben von morgens bis spät in die Nacht im Studio gesessen. Ich habe die Bereitschaft der Musiker dort für das Miteinanderarbeiten bewundert. Sie haben wirklich das Motto: Geht nicht, gibt's nicht. Wir haben viel zusammen ausprobiert, und es war ein ähnlicher Vorgang wie bei Kindern, die im Sandkasten einen Kuchen formen. Absolut spannend.
Oerding: Was natürlich dazugehört ist, dass, jeder sein Handwerk beherrschen muss. Man kommt nicht unvorbereitet in so ein Studio. In Peters und meinem Kopf gab es schon so eine Art Fahrplan, und wir hatten zumindest jeder unsere drei Akkorde drauf (lacht).
Wie schnell wurden Sie sich einig, wer welche Zeile singen darf?
Oerding: Manchmal muss man Peter förmlich zwingen, dass er den Aussage-Part singt. Denn Peter lässt einem gerne auch den Platz und sagt, mach du mal. Sehr generös würde ich das nennen, im besten Sinne. Meistens war ausschlaggebend, wer die Grundidee vom Song hatte. Derjenige darf dann gerne die treibende Kraft auch beim Singen sein.
Maffay: Die Marschroute war, dass wir alles gemeinsam machen und entscheiden. Und es fühlt sich auch bislang alles genauso an.
Oerding: Es ist ein 50/50-Album geworden. Wir wollten uns beide damit wohlfühlen. Natürlich spielte auch eine Rolle, in unserer jeweiligen Range zu singen. Wir ergänzen uns ja gut: Peter hat eine sehr tiefe, sonore Stimme, ich bin eher in den höheren Lagen unterwegs.
Haben Sie auch einen gemeinsamen Lieblingssong auf dem Album?
Oerding: Da haben wir uns noch nie drüber unterhalten. Aber ich glaube, die Single "Ein Leben lang ist nicht lang" mögen wir beide sehr gerne. Deshalb spielen wir sie auch, wenn der andere nicht dabei ist, schon auf der Bühne. Im Song "Schön, dass es dich gibt" harmonieren wir in der Zweistimmigkeit besonders gut. Vom Inhalt her würde ich "Nach Hause" nennen, der uns beiden einfach aus dem Herzen spricht. Ich hoffe, Peter sieht das auch so.
Maffay: Absolut. Und schön finde ich, dass es eine Einrahmung gibt. Das Album beginnt mit dem sehr malerischen Song "Weiter", in dem es darum geht: Wenn du an einer Kreuzung stehst, liegt's an dir, wohin die Reise geht. Und am Ende in "An einer Kreuzung" kommt diese Klammer dann wieder. Ich habe Alben gemacht, wo es immer mal auch einen Song gab, den man verstecken wollte. Das Gefühl habe ich bei diesem Album überhaupt nicht. Es hat auch keine Überlänge. Johannes hat dafür gesorgt, dass wir nicht zu elegisch wurden und die Zeiten eingehalten haben.
Sie beide wirken sehr harmonisch. Haben Sie denn auch mal Meinungsverschiedenheiten?
Maffay: Bis jetzt nicht (lacht).
Oerding: Also keine großen Meinungsverschiedenheiten. Natürlich diskutieren wir auch mal im musikalischen Prozess, und es gibt unterschiedliche Sichtweisen. Aber grundsätzlich ist uns wichtig, dass wir beide einverstanden sind. Und klar, jeder hat auch mal einen schlechten Tag und braucht Zeit für sich. Das kommt überall vor, aber das Fundament ist bei uns beiden sehr, sehr ähnlich.
Was können Sie bei aller Ähnlichkeit noch voneinander lernen?
Oerding: Es hat ja einen Grund, warum Peter seit über fünf Jahrzehnten da oben auf der Bühne steht und eine so große Gefolgschaft hat. Das ist etwas, was man sich abgucken kann. Und mich beeindruckt immer wieder auch seine Arbeit abseits der Bühne, abseits des Studios, nämlich der soziale Einschlag, den ich auch von meiner Familie mitbekommen habe. Mein Vater hat immer den Satz gesagt: Wer viel hat, muss viel geben. Und so lebt Peter, das lebt Peter vor.
Maffay: Mich motiviert eine Sache bei uns sehr: Zwischen Johannes und mir gibt es keine Ego-Probleme. Wir möchten mit Dingen, die uns selbst Spaß machen, anderen Leuten Freude bereiten. Und da ergänzen wir uns sehr schön und unangestrengt.
Das ist ab April wohl auch bei Ihrer Tour zu erleben. Worauf darf sich das Publikum freuen?
Oerding: Erstmal muss ich sagen, dass Peter wirklich ganz leicht entflammbar war für die Tour. Irgendwie war es auch von Anfang an klar. Das Album ist live eingespielt, das muss man halt dementsprechend auch live auf die Bühne bringen. Der nächste Schritt war dann zu überlegen, wie diese aussehen soll. Im Studio haben wir uns aus Hanuta, Duplo, Bonbons und Taschentüchern eine Bühne gebaut. Das hat so einen Spaß gemacht. Und dann stand schnell fest: Wir müssen unsere Familien und Crews alle mitnehmen. Es wird also einfach eine große Party.
Maffay: Es werden viele Meister ihres Faches auf der Bühne stehen und miteinander Musik machen! Hoffentlich ohne großes Ego, sodass einfach alle eine gute Zeit haben und glücklich nach Hause gehen können.
(ae/spot)