Sarah Thonig: "Kult entsteht durch Wiederholung und Zeit"
Sarah Thonig ist als Kommissarin Nicole Schwattke in "Kommissar Jennerwein - Hochsaison" zu sehen und tritt zugleich in der 26. Staffel der "Rosenheim-Cops" als neue Polizeisekretärin an. Im Interview spricht sie über ihre Liebe zum Krimi, ihre neue Rolle und den Abschied von Marisa Burger.
Am 5. November läuft "Kommissar Jennerwein - Hochsaison" in den deutschen Kinos an. Der Film beruht auf Jörg Maurers (geb. 1953) 2010 erschienenem Roman "Hochsaison", dem zweiten Band seiner Jennerwein-Reihe. Bereits 2011 hatte das Fernsehen mit "Föhnlage. Ein Alpenkrimi" den ersten Teil der erfolgreichen Buchreihe verfilmt.
Damals verkörperte Martin Feifel (62) den Kommissar Jennerwein. Im Kino übernimmt nun Florian Brückner die Rolle des peniblen Ermittlers. Sarah Thonig (34) spielt die Kommissarin Nicole Schwattke.
Die 34-Jährige kennt sich mit Krimis bestens aus: Im Laufe ihrer Karriere war sie bereits in zahlreichen Produktionen in dem Genre zu sehen. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur spot on news erklärt sie, was sie an Krimis reizt. Darüber hinaus spricht Thonig über ihre Rolle in dem Film und ihre neue Aufgabe bei den "Rosenheim-Cops".
"Die Rosenheim-Cops", "Watzmann ermittelt" und nun "Kommissar Jennerwein": Was fasziniert Sie am Krimigenre?
Sarah Thonig: Die deutsche Film- und Fernsehlandschaft ist stark durch Krimis geprägt, von "Tatort" über "Polizeiruf 110" und "Der Alte" bis zu Formaten wie den "SOKOs" oder "Die Rosenheim-Cops". Ich habe Krimis schon immer gemocht, vermutlich gerade deshalb, weil sie für mich Teil dieser vertrauten Fernsehwelt sind. Beim Lesen bin ich erst in den letzten Jahren stärker ins Krimigenre eingetaucht. Mich überzeugt daran vor allem die klare Dramaturgie und der Spannungsbogen, etwa beim klassischen Whodunit, bei dem man am Ende erfährt, wer etwas getan hat und wie. Gleichzeitig bietet das Genre Raum für viel mehr als nur die Aufklärung eines Falls: In einem Krimi lassen sich Konflikte und gesellschaftliche Themen auf besondere Weise erzählen, sogar Komik lässt sich darin unterbringen. Genau diese Vielseitigkeit finde ich so reizvoll.
Sie beschäftigen sich am Set intensiv mit dem Thema Verbrechen. Gab es in Ihrem echten Leben mal einen Moment, in dem Sie mit echter Kriminalität konfrontiert wurden?
Thonig: Ich persönlich habe in meinem Leben noch nie etwas gestohlen, nicht einmal einen Schokoriegel. Ich kann mir das auch kaum vorstellen, denn selbst der Gedanke an einen möglichen Alarm verursacht bei mir schon Nervenkitzel: Wenn im Kaufhaus jemand neben einer Sicherheitsvorrichtung steht, befürchte ich, es könnte sofort piepen.
Im Film spielen Sie Nicole Schwattke. Welche persönlichen Eigenschaften konnten Sie in die Rolle einbringen?
Thonig: Nicole Schwattke ist eine außerordentlich neugierige Kommissarin: optimistisch, fast immer gut gelaunt und mit Sinn für Humor. Regisseur Hannu Salonen hat einmal gesagt, so etwas lasse sich nicht herstellen. Aus meiner Sicht durchläuft Schwattke im Film zudem eine leichte Entwicklung. Am Anfang ist sie neugierig, will von Kommissar Jennerwein lernen und sich etwas bei ihm abschauen. Das Schöne daran ist, dass der Film diese Entwicklung nicht ausdrücklich herausstellt, sondern sie ganz beiläufig geschehen lässt. Man merkt es etwa daran, dass Schwattke später versucht, Strichmännchen zu zeichnen wie Jennerwein und inzwischen ebenfalls einen Block hat.
Sie haben vorhin "Die Rosenheim-Cops" erwähnt. Als neue Polizeisekretärin in der 26. Staffel treten Sie in große Fußstapfen. Hat Marisa Burger Ihnen vor Ihrem Start ein paar persönliche Tipps mitgegeben?
Thonig: Für uns war es ein großer Vorteil, dass wir viel Zeit hatten, uns auf die Veränderung einzustellen. Marisa hatte bereits im März 2025 ihren Ausstieg angekündigt, und ihr letzter Drehtag war zugleich der letzte des vergangenen Jahres. Dadurch hatte ich genug Zeit, das alles zu verarbeiten. Anfangs habe ich lange darüber nachgedacht, was dieser Abschied für das Publikum, das Team und mich selbst bedeutet. Ich glaube aber nicht, dass Marisa mir einen bestimmten Tipp mitgegeben hat, sondern es geht um eine Haltung, die ich nicht nur von ihr, sondern von allen mitbekommen habe: Man muss das Rad nicht auf Teufel komm raus neu erfinden. Es geht darum, die Serie authentisch weiterzuführen. Marisas Figur lässt sich schwer ersetzen oder kopieren. Mein großes Geschenk war deshalb, dass ich seit zehn Jahren in dieser Umgebung wachsen und meine eigene Rolle finden konnte. Dazu kommt, dass ein Teil des Teams seit 25 Jahren mit dabei ist. Das schafft einen sehr familiären Zusammenhalt.
Die Zuschauer haben positiv auf die Nachricht reagiert. Hat Sie das gefreut?
Thonig: Ja, sehr. Ehrlich gesagt bin ich davon ausgegangen, dass die Reaktion nicht durchweg positiv ausfallen würde. "Die Rosenheim-Cops" erreichen einfach sehr viele Menschen und da lässt es sich kaum vermeiden, dass einige mit der Entscheidung nicht zufrieden sind. Das ist ein Thema, das viele Kolleginnen und Kollegen immer wieder ansprechen: Gerade weil Formate im Netz stark diskutiert werden, ist Kritik fast unvermeidlich. Umso mehr hat mich gefreut, dass die Nachricht über den Wechsel so überwiegend positiv aufgenommen wurde. Ich kann die Enttäuschung von Zuschauerinnen und Zuschauern sehr gut nachvollziehen, wenn eine Lieblingsfigur eine Serie verlässt, das würde mir persönlich genauso gehen. Deshalb bin ich dankbar, dass es in diesem Fall anders war.
Gibt es Ihrerseits schon Überlegungen für einen ähnlich kultigen Satz wie "Es gabat a Leich!"?
Thonig: Um ehrlich zu sein: Gerade weil Sie von einem Kultsatz sprechen, fällt mir die Antwort schwer. Kult entsteht meiner Meinung nach durch Wiederholung und Zeit. Ein Kultstatus ist immer auch an eine Person und einen Wiedererkennungswert gebunden. Deshalb wäre es fast unmöglich zu sagen: Diesen Satz habe ich mir jetzt ausgedacht, und er wird Kult. Ich hoffe eher, dass mich irgendwann - bestenfalls in ein paar Jahren - jemand anspricht und sagt, dieser oder jener Moment sei inzwischen kultig geworden.
(des/spot)