Sylvie Meis: "Ich wusste nicht, dass das in mir steckt"
In der neuen ARD-Serie "Die Friesenjunkies" zeigt sich Sylvie Meis von einer ungewohnten Seite. Ihre erste Serienhauptrolle in Deutschland verlangte ihr einiges ab und brachte sie auch emotional an ihre Grenzen.
In der bitterbösen, mit zahlreichen Stars besetzten Impro-Dramedy-Serie "Die Friesenjunkies" (Das Erste) von den Zwillingsbrüdern Emil und Oskar Belton (27) ist auch Sylvie Meis (48) zu sehen. Die niederländische Moderatorin spielt Madison, die bereits zum wiederholten Mal Hilfe in der Promi-Entzugsklinik "Isebek" sucht.
Für die als besonders diszipliniert bekannte Wahl-Hamburgerin war die Rolle nicht nur emotional eine Herausforderung. Auch die ungewohnte Arbeit ohne festes Drehbuch verlangte ihr einiges ab. Zum Streaming-Start spricht Meis mit spot on news über ihre erste Hauptrolle in einer deutschen Serie, ihre Erfahrungen mit der Improvisation und einen leidenschaftlichen Filmkuss mit ihrem Kollegen Stephan Luca (52).
In "Die Friesenjunkies" zeigen Sie sich von einer ungewohnten Seite und übernehmen erstmals eine große Schauspielrolle in Deutschland.
Sylvie Meis: Ja, es ist meine erste Hauptrolle in einer deutschen Serie. Mit der Schauspielerei habe ich in Holland angefangen. Zu Beginn meiner Karriere war ich vor allem in Jugendserien zu sehen, bevor ich als Moderatorin durchgestartet bin. Das war eigentlich immer mein Wunsch. Schauspielunterricht habe ich aber weiterhin genommen und zwischendurch auch immer mal wieder kleinere Rollen angenommen. Doch "Die Friesenjunkies" und die Rolle der Madison sind etwas ganz Besonderes für mich. Es ist eine tolle Möglichkeit, auch als Schauspielerin in Deutschland durchzustarten. Ich kann wirklich sagen, dass das einer der schönsten Momente meiner beruflichen Karriere ist.
Waren Sie selbst überrascht, dass die Macher ausgerechnet Sie für diese Rolle im Blick hatten?
Meis: Die Brüder Oskar und Emil Belton haben mich bei einer Veranstaltung in Hamburg angesprochen. Sie hatten schon lange nach der richtigen Besetzung für Madison gesucht und sagten zu mir: "Ich glaube, du bist unsere Madison." Ich bin Widder und habe ganz selbstbewusst geantwortet: "Ja, ich bin Madison, ja, ich kann das!" (lacht) Natürlich musste ich anschließend noch zum Casting, weil auch die ARD zustimmen musste. Ich war unglaublich glücklich, als schließlich von allen Seiten das Ja kam. Und schon wenige Wochen später ging es mit den Dreharbeiten los.
Madison ist eine erfolgreiche Frau, die wegen ihrer Medikamentenabhängigkeit zum wiederholten Mal in der Entzugsklinik landet. Haben Sie dafür noch einmal Schauspielunterricht genommen?
Meis: Nein, ich habe keinen zusätzlichen Schauspielunterricht genommen. Das steckt in mir. Natürlich ist die Rolle eine Herausforderung, weil sie emotional sehr viel von mir verlangt. Ich fand das Projekt von Anfang an unglaublich spannend, gerade weil es nicht unbedingt das ist, was die Menschen von mir erwarten.
Sie werden häufig als elegante, glamouröse und disziplinierte Geschäftsfrau und TV-Moderatorin wahrgenommen. Hat Sie gerade dieser Kontrast an Madison gereizt?
Meis: Auf jeden Fall. Es freut mich natürlich, wenn Sie sagen, dass Sie meine Rolle überrascht hat. Das bestätigt das Gefühl, das ich schon während der Dreharbeiten hatte. Wir sind als Cast unglaublich zusammengewachsen und waren wirklich ein richtiges Ensemble. Das Thema ist natürlich sehr ernst, aber Oskar und Emil Belton haben es geschafft, die Geschichte mit viel Humor und einem tollen Schnitt so auf den Punkt zu bringen, dass es richtig Spaß macht, zuzuschauen.
"Die Friesenjunkies" ist eine Impro-Serie. Wie viel Freiheit hatten Sie, Madison selbst zu gestalten?
Meis: Durch die Improvisation ist man freier und kann im Moment reagieren. Ich finde das toll, aber ich weiß auch, dass diese Arbeitsweise nicht jedem liegt. Manche Schauspielerinnen und Schauspieler haben lieber einen festen Text und halten sich ganz genau daran. Für mich war es aber wichtig, mich auf diese Reise zu begeben und nicht alles kontrollieren zu wollen.
Gerade wenn nicht alles Wort für Wort vorgegeben ist, muss man sich als Schauspielerin ziemlich auf den Moment verlassen können. Wie war das für Sie?
Meis: Es war auf jeden Fall intensiv. Während der Dreharbeiten habe ich Dinge gesehen, die ich vorher noch nie erlebt hatte: verschiedene Drogen auf einem Tisch und eine Umgebung, die überhaupt nicht meine Welt ist. Das musste ich abends manchmal erst einmal abschütteln. Ich musste mir dann ganz bewusst sagen: Du bist Sylvie, du bist nicht Madison. Das ist nicht deine Welt. Ich habe noch nie Drogen genommen und stehe dem Thema sehr ablehnend gegenüber. Umso größer war der Eindruck, den diese Umgebung auf mich gemacht hat. Das Thema ist unglaublich intensiv. Wir haben zwar auch sehr witzige Szenen gedreht, aber es gibt eben auch richtig heftige, ernsthafte Momente.
Was passiert, wenn einem beim Improvisieren plötzlich nichts einfällt?
Meis: Das hat mich selbst überrascht: Mir ist es tatsächlich noch nie passiert, dass mir nichts eingefallen ist. Wenn man sich auf diese Reise einlässt, mit so einem Cast, einem solchen Thema und dieser unglaublichen Kreativität, muss man loslassen können. Dass die Therapiesitzung von Madison eine besonders intensive Szene werden würde, war mir vorher klar. Aber was ich daraus mache, entsteht im Moment. Diese Szene war wirklich heftig, und ich muss sagen, dass ich selbst nicht wusste, dass so etwas in mir steckt.
Auch eine andere Szene dürfte dem TV-Publikum in Erinnerung bleiben: der leidenschaftliche Filmkuss mit Stephan Luca. War das Ihr erster Filmkuss?
Meis: Nein, das war nicht mein erster Filmkuss. Der Kuss findet am Ende dieser Therapiesitzung statt. Madison ist in diesem Moment emotional so aufgewühlt, dass sie Roland, der von Stephan Luca gespielt wird, plötzlich als ihren möglichen Traummann sieht. Als den Mann, auf den sie immer gewartet hat und der sie aus dieser unglaublich chaotischen und schrecklichen Situation retten könnte, zu der ihr Leben geworden ist. Ich glaube, Madison spürt dabei zum ersten Mal, dass es mit ihm tatsächlich etwas Echtes sein könnte.
Auch wenn man als Schauspielerin weiß, dass es nur eine Szene ist, muss man diese Nähe trotzdem erst einmal zulassen. Ist ein Filmkuss für Sie Routine oder doch immer noch etwas Besonderes?
Meis: Es ist natürlich etwas Besonderes, zumal ich in dieser Serie nicht nur mit einem Kollegen einen Filmkuss habe. Das passiert mir auch nicht jeden Tag, weil ich nicht so häufig schauspielere. Deshalb musste ich mich schon darauf vorbereiten. Aber solche Szenen werden professionell begleitet. Es gibt Coaches, die darauf achten, dass sich alle Beteiligten wohlfühlen. Das gilt auch für die anderen intimeren Szenen.
Wenn Sie auf die Dreharbeiten zu "Die Friesenjunkies" zurückblicken: Was nehmen Sie aus dieser Erfahrung für sich mit?
Meis: Die Rolle hat riesige Emotionen und bietet mir die Möglichkeit, mich als Schauspielerin auszuprobieren. Ich habe mit großartigen Kollegen wie Martin Brambach gearbeitet, und wir sind als Cast sehr zusammengewachsen. Außerdem habe ich Szenen gespielt, bei denen ich selbst überrascht war, was in mir steckt. Ich fand das Projekt von Anfang an unglaublich spannend und bin sehr glücklich, dass ich diese Chance bekommen habe.
Alle acht Folgen sind ab 6. November in der ARD Mediathek abrufbar, am 13. ab 23:50 Uhr (Folgen 1-4) und am 14. November ab 23:40 Uhr (Folgen 5-8) läuft die Serie außerdem im Ersten.
(ili/spot)