25. Todestag von Aaliyah: Sie bleibt unvergessen
Baggy-Pants, geflüsterte Vocals und futuristischer R&B: Aaliyah wirkt auch 25 Jahre nach ihrem Tod auf der Höhe der Zeit. Ein Rückblick auf ihren Stil, ihren Einfluss und die Geschichte hinter ihrer viel zu kurzen Karriere.
Am 25. August 2001 endete Aaliyahs Leben in den Flammen eines Flugzeugs auf den Bahamas. Sie war 22 Jahre alt. Ein Vierteljahrhundert später ist sie nicht nur als "Princess of R&B" in Erinnerung geblieben.
Kontrolliert, modern, kühl und verletzlich: Aaliyah hat das Pop-Game, auch inspiriert von Janet Jackson, komplett auf links gedreht. Während Pop-Diven wie Mariah Carey oder Whitney Houston zu dieser Zeit auf enge Kleider und Vokal-Drama setzten, trug Aaliyah weite Baggy-Pants und flüsterte ihren Gesang ins Mikrofon. Während ihr halbes Gesicht von Haaren verdeckt wurde, offenbarte sie sich in ihren verletzlichen Texten komplett. Ihre nie eingelösten Möglichkeiten gehören bis heute zu den großen "Was wäre gewesen, wenn?"-Fragen der Popgeschichte.
Karriereanfang mit Fragezeichen
Aaliyah Dana Haughton wurde am 16. Januar 1979 in Brooklyn geboren und wuchs in Detroit auf. Früh stand sie auf der Bühne; als Kind nahm sie an Talentwettbewerben teil und trat unter anderem in der Fernsehsendung "Star Search" auf. Mit gerade einmal 15 Jahren veröffentlichte Aaliyah 1994 ihr Debütalbum, das maßgeblich von R. Kelly geschrieben und produziert wurde.
Im selben Jahr hatten die beiden heimlich geheiratet - später tauchte eine Heiratsurkunde auf, auf der das Mädchen fälschlicherweise als 18-Jährige aufgeführt wird. Im Zusammenhang mit dieser Geschichte hat der Titel einen besonders bitteren Beigeschmack: "Age Ain't Nothing but a Number". Die Ehe wurde annulliert, als die Eltern einige Monate später davon erfuhren. R. Kelly, der damals 27 Jahre alt war, sitzt heute wegen schwerer Sexualstraftaten eine 31-jährige Haftstrafe ab. Aaliyah äußerte sich praktisch nie zu dieser Geschichte, wohl auch um ihre Karriere nicht zu gefährden.
Nach einem kurzen, erfolglosen Studio-Versuch mit Sean Combs entschied sich die Musikerin danach bewusst gegen die etablierten Größen der Branche. Dafür suchte sie sich ein damals unbekanntes Produzentenduo aus: Timbaland und Missy Elliott, die in den nächsten Jahren die Architekten des avantgardistischen R&B-Sounds werden sollten. Sie verpassten Aaliyahs Sound verschobene Rhythmen und elektronische Texturen, die Sängerin setzte lässige, präzise Vocals darüber. Auf ihrem 1996 erschienenen Album "One in a Million" klang R&B futuristisch, ohne seine emotionale Wärme zu verlieren.
Street but sweet
Aaliyahs "Street but sweet"-Ästhetik revolutionierte nicht nur die Musik, sondern auch die Mode. Robuste Oversized-Baggy-Jeans, Bikerjacken und Timberland-Schuhe aus der Hip-Hop-Szene trafen auf sexy Crop-Tops, sichtbare Tommy-Hilfiger-Boxershorts und Bandanas. Wie Kids heute auf TikTok und Streetwear-Fotos mit Baggy-Fits und Tiny-Tops posieren, ist nichts anderes als das ewige Vermächtnis von Aaliyah.
Ihr drittes und letztes Album, schlicht "Aaliyah" genannt, erschien im Juli 2001. Als tatsächliche Executive Producerin übernahm sie hier erstmals die vollständige kreative Kontrolle: Anstatt sich auf ihrem bisherigen Erfolgsrezept auszuruhen, experimentierte sie nun mit Heavy-Metal-Gitarren und lateinamerikanischen Rhythmen. Auf der internationalen Version war zudem ihr größter Hit "Try Again" enthalten, der zuvor bereits als Lead-Single des Soundtracks zu "Romeo Must Die" ein weltweiter Erfolg gewesen war.
In eben jenem Film übernahm Aaliyah auch ihre erste Rolle als Schauspielerin. Sie spielte zudem die Hauptrolle in "Königin der Verdammten" und war für Rollen in "The Matrix Reloaded" sowie "The Matrix Revolutions" vorgesehen. Diese Karriere kam gerade erst ins Rollen.
Der letzte Flug
Was noch aus Aaliyah hätte werden können, bleibt eine Frage im Konjunktiv. Am 25. August 2001 endete Aaliyahs Leben abrupt auf den Bahamas. Nach dem Videodreh zu "Rock the Boat" stürzte ihre überladene Cessna kurz nach dem Start ab - der Pilot hatte Drogen und Alkohol im Blut - keiner der neun Insassen überlebte.
(mia/spot)