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„A Quiet Place“: Zu lauter Hype um einen leisen Horrorfilm

Wusstest Du schon...

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Ein Blick auf die US-Kinocharts und die Twitter-Accounts völlig begeisterter Stars wie Chris Pratt (38) oder Ryan Reynolds (41) lässt eigentlich nur eine Schlussfolgerung zu: „A Quiet Place“ muss eine absolute Horrorfilm-Perle sein. Ein Meisterwerk, das sich auch Angsthasen einverleiben wollen, weil der Hype darum eine schlichtweg zu hohe Anziehungskraft besitzt. In der Tat ist es dem Film von John Krasinski (38) gelungen, eine frische Idee mit einer wichtigen Botschaft zu vermengen. Zu oft aber ist er – zum Wohle der Dramatik – seiner eigenen Logik untreu.

Klappe zu, sonst Affe tot

Plötzlich waren sie einfach da. Wieselflinke und schier unbesiegbare Ungetüme, die die Menschheit in Rekordzeit ausgerottet haben. Mit ihrem exzellenten Gehör können sie noch auf mehrere Kilometer Entfernung das leiseste Geräusch wahrnehmen – und binnen Sekunden zuschlagen. Einzig eine fünfköpfige Familie scheint die nötige Disziplin aufgebracht zu haben, ihr Leben seit der Monster-Apokalypse in absoluter Stille zu fristen.

Auf einem abgelegenen Grundstück mitten im US-amerikanischen Nirgendwo haben sich Vater Lee (Krasinski), seine Frau Evelyn (Emily Blunt, 35) und ihre gemeinsamen Kinder ein Heim eingerichtet. Doch die fragile Lage kann mit jedem winzigen Fehltritt auch dort in Tod und Verderben enden. Erst Recht, als Evelyn schwanger wird und die Aussicht auf einen kleinen Schreihals die ganze Familie in Gefahr bringt.

Das beste Grauen aus zwei Welten

Als hätte der Film „Cloverfield“ ein uneheliches Kind mit dem Streifen „Don’t Breathe“ gezeugt – so kann „A Quiet Place“ umrissen werden. Denn die darin sporadisch gezeigten Scheusale hätten genauso gut in Matt Reeves „Found Footage“-Streifen von 2008 auf Menschenjagd gehen können. Und die streckenweise minutenlangen Sequenzen ohne überhaupt einen Ton erinnern an den Überraschungserfolg, in dem sich eine Gruppe Jugendlicher vor einem blinden Killer mit perfektem Gehör verstecken müssen.

In der Tat dürfen sich Kinogänger bei „A Quiet Place“ das Geld am Snack-Schalter sparen, wenn sie nicht den Missmut der anderen auf sich ziehen wollen. Gerade zu Beginn bleibt der Film seiner Prämisse lange treu und verwandelt auch den Kinosaal in einen ruhigen Ort – sofern der Nacho-Mann neben einem nicht trotzdem unverhohlen knuspert. Wer keine Gebärdensprache kann und zudem Untertitel nicht mag, sollte sich den Gang in „A Quiet Place“ doppelt überlegen – die Familie kommuniziert mit wenigen Ausnahmen nur über Zeichensprache.

We Are Family

Stichwort Familie: Krasinski wollte nach eigener Aussage anhand der Monster all jene Sorgen, Probleme und Gefahren symbolisieren, denen sich Eltern in der Realität gegenübersehen. Und das gelingt ihm wahrlich meisterhaft. Sein Kind das erste Mal alleine auf den Schulweg zu schicken, als Teenager abends weggehen zu lassen – für viele junge Eltern muss es sich so anfühlen, als würde man sein Ein und Alles in eine Welt voller monströser Gefahren entlassen.

Hierbei liefert „A Quiet Place“ ohne Zweifel sein Meisterstück ab. Während „Get Out“ den noch immer latenten (und weniger latenten) Rassismus in den USA anprangerte, hält „A Quiet Place“ eine Ode auf familiären Zusammenhalt. Gerade Blunt und Krasinski selbst sind als Eltern, die schlichtweg alles für das Wohl ihrer Kinder tun würden, das schauspielerische Tafelsilber des kleinen Ensembles. Natürlich auch, weil sie die Liebe zueinander nicht spielen müssen – seit acht Jahren sind die beiden im wahren Leben miteinander verheiratet und haben zwei gemeinsame Kinder.

Andere Interpretationen einiger Kritiker lauten, der Regisseur habe mit dem im Film gezeigten Zwang, den Mund zu halten, auf die politische Lage in den USA hinweisen wollen. Dies verneinte Krasinski zwar umgehend, freute sich aber nichtdestotrotz darüber, dass sein Film so viel Spielraum für Interpretation lässt.

Daran krankt es

Bis hierhin lässt sich der Horrorfilm nicht viel vorwerfen. Aber er will nun einmal ganz bewusst ein Horrorfilm sein. Und als solcher verschießt er sein Pulver leider nach der Hälfte der Spielzeit. Schon aufgrund seiner auf Stille basierenden Prämisse setzt er – und verlässt sich – zu sehr auf generische Schockmomente und vorhersehbare „Jump-Scares“. Horror-Novizen, für die „A Quiet Place“ genau der richtige Einstieg ins Genre ist, dürften sich daran nicht stören. Grusel-Aficionados könnten sich aber darüber ärgern.

Auch, weil der Film seiner zu Beginn etablierten Logik nicht treu bleibt. Je nachdem, wie es gerade der Dramaturgie gereicht, scheinen die Wesen mitunter etwas schwerhörig zu sein. Je länger der Film andauert, desto weniger glaubwürdig wirkt das gezeigte Setting und desto repetitiv erscheinen viele Szenen. Gar ein Trinkspiel wäre möglich, bei dem man jedes Mal einen Schluck nehmen muss, wenn sich einer der Darsteller den Zeigefinger vor die Lippen hält.

Ab einer Stunde hat der Film seine ohne Widerrede schön-schaurigen Schauwerte verpulvert, wie eine viel zu lange Folge der dystopischen Serie „Black Mirror“ mutet er an. Die in Form der Folge „Metallkopf“ (Original: „Metalhead“) sogar eine ganz ähnliche Endzeit-Welt zeigte – nur eben in 45 Minuten.

Fazit

Wer nach dem unfassbaren Hype mit den höchstmöglichen Erwartungen in „A Quiet Place“ geht, der wird als Horrorfan unter Umständen enttäuscht wieder herauskommen. Der Film von John Krasinski wartet mit tollen Darbietungen und einer guten Botschaft auf, liefert aber auf dem Horror-Sektor trotz einfallsreicher Ausgangslage nur Einheitskost ab, die noch dazu nach der Hälfte des Films etwas den Geschmack verliert.

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