© Featureflash Photo Agency / Shutterstock.com

Charlton Heston: Waffennarr, Bürgerrechtler und Leinwand-Held

Wusstest Du schon...

Meghan Markle und Prinz Harry: Foto-Verbot bei der Hochzeit?

Hallt der Name Charlton Heston durch den Raum, so haben die meisten Menschen wohl umgehend zwei Assoziationen im Kopf: Monumentalschinken und die NRA, die „Nationale Gewehr-Vereinigung“ der USA. Kein Wunder, Heston war schließlich Schauspieler und, wie wir alle spätestens seit der Dokumentation „Bowling for Columbine“ wissen, ein Waffen-Verfechter, viele würden sagen ein Waffennarr.

Unvergessen seine Rede vor versammelter Waffenlobby: Nur von seinen „kalten, toten Händen“ könne man ihm sein Gewehr entreißen, auf das er dank des zweiten Zusatzartikels der Verfassung der Vereinigten Staaten ein Anrecht hat. War Heston also nicht mehr als ein fehlgeleiteter Patriot? Ein perfektes Aushängeschild für eine Vereinigung, die mehr politische Macht innehat, als ihr zusteht? Anlässlich seines zehnten Todestages soll aber auch die andere Seite von Heston gezeigt werden. Jene, die ihn einst an der Seite von Martin Luther King (1929-1968) marschieren ließ.

Zwei Nachnamen

Mit dem Namen John Charles Carter können wohl selbst die versiertesten Filmfans wenig anfangen. Unter diesem Namen wurde der Hollywood-Star am 4. Oktober 1923 in der Stadt Evanston im Bundessaat Illinois geboren. Erst die Kombination aus zwei Nachnamen wurde zur Hollywood-Legende: Nach der Scheidung seiner Eltern nahm er den Familiennamen seines Stiefvaters Chester Heston an, vom Geburtsnamen seiner Mutter rührte das Charlton – Charlton Heston.

Erste Rollen ergatterte Heston Anfang der 1940er Jahre und war damals auch im Radio tätig. Während des Zweiten Weltkriegs diente er insgesamt drei Jahre in der Air Force, ehe er sich in New York als Model seine Brötchen verdiente – und die große Liebe kennenlernte. Auch Lydia Clarke modelte und war mit Heston von 1944 bis zu seinem Tod im Jahr 2008 verheiratet – also fast 65 Jahre lang. Clarke ist noch am Leben, feiert am 14. April ihren 95. Geburtstag.

Glück im Schauspiel, Glück in der Liebe

Für familiäres Glück war also schon früh gesorgt, auch wenn Nachwuchs erst 1955 (Sohn Fraser Clarke Heston) und 1961 (Adoptivtochter Holly Ann Heston Rochell) anstand. Und auch die Schauspielkarriere kam gut ins Rollen. Nachdem Heston jahrelang auf der Theaterbühne überzeugte, gab es 1950 die erste Hauptrolle im Film Noir „Stadt im Dunkel“. Regisseur Cecil B. DeMille (1881-1959), mit dem Heston schon zuvor zusammengearbeitet hatte, verhalf ihm 1956 schließlich zum ultimativen Durchbruch – Heston stieg als Moses in „Die Zehn Gebote“ mit Gottes Wort vom Berg Sinai zu seinem Volk hinab.

Von da ab war Heston für viele Jahre als Kinoheld gepachtet. Je größer die Produktion, umso passender der 1,91 Hüne mit dem beeindruckenden Brustumfang. Von Johannes der Täufer in „Die größte Geschichte aller Zeiten“, über Michelangelo in „Inferno und Ekstase“, bis hin zu jener Titelrolle, die ihm einen Oscar als bester Hauptdarsteller einbringen sollte: William Wylers „Ben Hur“ (1959).

Von der Vergangenheit in die Zukunft

Ewig hielt sich die Monumentalfilm-Welle, deren größter Star Heston war, aber nicht. Statt durch biblische oder historische Settings zu wandeln, schritt er ab Ende der 1960er Jahre daher durch Zukunftswelten („Planet der Affen“, „Omega-Mann“) oder mühte sich durch Katastrophen („Erdbeben“, „Zwei Minuten Warnung“).

Als es für ihn in der Traumfabrik zunehmend schwieriger wurde, passende Rollen zu bekommen, wechselte er für „Das Imperium – Die Colbys“, ein Ableger von „Der Denver-Clan“, ins Fernseh- und Serienfach. Seine letzte Filmrolle hatte er 2003 inne, spielte in „Rua Alguem 5555: My Father“ den KZ-Arzt und Monstrum in Menschengestalt, Josef Mengele.

Vom Held zur tragischen Figur

In die öffentliche Wahrnehmung hatte sich Heston aufgrund seiner Leinwand-Rollen als unbezwingbarer Held eingebrannt. In der Realität hatte er es zum Ende seines Lebens hin mit einem Gegner zu tun, dem er nicht mehr die Stirn bieten konnte. 2002 machte Heston publik, an Alzheimer erkrankt zu sein. Auch deshalb erntete Dokumentar-Regisseur Michael Moore (63) Kritik, weil er einen geistig sichtlich nicht mehr unversehrten Heston mit seinem Film „Bowling for Columbine“ (2002) an den Pranger stellte.

Moore sah Heston aufgrund seiner NRA-Zugehörigkeit als einen der Gründe an, warum es in den USA immer wieder zu Amokläufen kommt. Ebenso wie die NRA pickte er sich Heston als das Gesicht der Waffenlobby heraus und attackierte den Schauspieler scharf. Nicht zu Unrecht, schließlich fungierte Heston zweitweise auch als Präsident der Vereinigung. Jedoch auch mit ähnlich polemischen Mitteln, die Moore gerne der republikanischen Gegenseite unterstellt.

Bevor er zum Gesicht der NRA (hochstilisiert) wurde, galt Heston als ausgesprochen liberal. An der Seite von anderen Hollywood-Stars, etwa Marlon Brando (1924-2004), marschierte er 1963 beim Protestmarsch mit Martin Luther King. Setzte sich zu einer Zeit für die Rechte von Afro-Amerikanern ein, in der dieses Engagement durchaus karriereschädlich war.

Ob seine Waffen-Liebe nun als verklärter oder gar gefährlicher Patriotismus bezeichnet wird oder nicht, tatsächlich passte der Gedanke dahinter in Hestons Weltbild – dem Weltbild eines Mannes, der die Freiheit liebt. In allen Farben und Formen und ja, mitunter auf verklärte Art und Weise.

Teile diesen Artikel
 

Das wird Dich auch interessieren

Guido Maria Kretschmer: DB-Designer!

Daniel Küblböck: Er musste die Kabine wechseln

Kim Kardashian macht sich keine Sorgen

Was sagst Du dazu?