Christoph Waltz wird 70: Tarantino machte ihn unsterblich
Er verkörpert Schurken wie kein zweiter und gehört zu den größten deutschsprachigen Stars des Weltkinos. Heute wird Christoph Waltz 70 Jahre alt.
Die große Filmkarriere von Christoph Waltz (70), das lässt sich wohl mit Fug und Recht behaupten, ist eine besondere. Denn schauspielerisch gesehen ist er ein Spätzünder - und dann wieder doch nicht. Erst im Alter von recht fortgeschrittenen 52 Jahren feierte er seinen internationalen Durchbruch. Aber was für einen.
In Quentin Tarantinos (63) atemberaubender Weltkriegs-Fantasie "Inglourious Basterds" verkörperte er SS-Standartenführer Hans Landa. Doch Tarantino befürchtete, mit Landa eine Figur geschrieben zu haben, "die nicht zu besetzen ist", gab der große US-amerikanische Regisseur einmal selbst gegenüber dem Branchenmagazin "Variety" zu Protokoll.
"Ich sagte: 'Ich will diesen Film nicht drehen, wenn ich nicht den perfekten Landa finde", und wollte keinen Film drehen, "in dem diese Figur weniger ist, als sie auf dem Papier war", so der "Pulp Fiction"-Regisseur wörtlich.
Das Casting verlief zunächst frustrierend. Tarantino soll fünf Tage davon entfernt gewesen sein, das Projekt einzustampfen. Doch dann wendete sich das Blatt. "Als Christoph am nächsten Tag hereinkam und die Rolle las, gab er mir meinen Film zurück."
Der kultivierte Böse
Landa spielte der so charmante Waltz mit der von ihm perfektionierten Mischung aus Kultiviertheit und darunter lauernder, unterschwelliger Bedrohung. Es ist diese Mischung, die ihm im Hollywoodkino in den Folgejahren etliche Schurkenrollen einbrachte - bis hin zu Bond-Superschurken Ernst Stavro Blofeld in "James Bond 007: Spectre" aus dem Jahr 2015.
"Inglourious Basterds" begründete derweil Christoph Waltz' späte, große Hollywoodkarriere. Für so profilierte Filmemacher wie Wes Anderson (57), Guillermo Del Toro (61) und Tim Burton (61) stand er seitdem vor der Kamera, war etwa im angespannten Kammerspiel "Der Gott des Gemetzels", Serien wie "The Consultant" und "Only Murders in the Building" oder dem Historienfilm "Tulpenfieber" zu sehen.
Für "Inglourious Basterds" gewann er zudem einen Oscar als Bester Nebendarsteller - neben so ziemlich jedem anderen Filmpreis, den es gibt. Bei der Awards-Zeremonie des Filmfestivals von Cannes 2009, wo "Basterds" Weltpremiere feierte und Waltz als "Bester Darsteller" ausgezeichnet wurde, sagte er an seinen Regisseur gewandt auf der Bühne: "Du hast mir meine Berufung zurückgegeben."
Filme, für die er sich schämte
Zuvor hatte Waltz über Jahrzehnte als Schauspieler im deutschsprachigen Raum und in Europa Beschäftigung gefunden, war in Krimi-Serien wie "Kommissar Rex", "Derrick" oder "Polizeiruf 110" zu sehen.
Über diese Zeit verriet er einmal der "New York Times": "Man muss seinen Lebensunterhalt verdienen, eine Familie ernähren. Aber irgendwie strebt man trotzdem nach Exzellenz, und die Frustration wächst nur noch mehr." Die Arbeit sei oft routiniert und wenig erfüllend gewesen. "Die Rolle des Bösewichts war in den letzten Jahren gewissermaßen angesagt. Davor waren es vor allem Komödien. Es gibt ein paar Filme, für die ich mich nicht schäme."
Zweiter Oscar für "Django Unchained"
Ein zweiter, ganz großer Karrierehöhepunkt in Waltz' Schaffen hing dann einmal mehr mit Quentin Tarantino zusammen. Die Rolle des ziemlich skrupellosen, doch mit einem guten Herzen ausgestatteten Kopfgeldjägers Dr. King Schultz in "Django Unchained" schrieb ihm Tarantino diesmal auf den Leib.
"Quentin hat eine Rolle geschrieben, bei der er an die Person Christoph gedacht hat. Dadurch kam sie mir so viel näher und wirkte so viel unmittelbarer. So sieht Quentin auch die Person Christoph. In dieser Hinsicht ist seine Sichtweise einzigartiger und eröffnet Möglichkeiten, die mir vielleicht gar nicht bewusst waren", sagte Waltz einmal selbst gegenüber der "L.A. Times" über "Django Unchained" und seinen Sidekick zu Jamie Foxx' Django Freeman.
Auch hierfür gab es im Jahr 2013 den Oscar als Bester Nebendarsteller, womit Waltz bei zwei Nominierungen auf zwei Siege bei den Academy Awards kommt.
Deutscher, Österreicher oder Weltbürger?
Privat hat er sein Glück mit Ehefrau Judith Holste, einer deutschen Kostümbildnerin, gefunden. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor. Drei Kinder hatte er zuvor mit seiner Ex-Frau Jacqueline. Das Paar war 17 Jahre lang verheiratet.
Einige fragen sich angesichts von Christoph Waltz' Herkunft, Leben und Schaffen, ob er eigentlich Österreicher oder Deutscher ist. "Ich bin in Wien geboren, ich bin in Wien aufgewachsen, ich bin in Wien zur Schule gegangen, ich habe in Wien Matura gemacht, ich habe in Wien studiert, ich habe in Wien mein Berufsleben begonnen, ich habe in Wien zum ersten Mal Theater gespielt, ich habe in Wien zum ersten Mal gedreht. Es gibt noch ein paar Wiener Details. Wie österreichisch wollen Sie es denn noch haben?", sagte er dazu einmal auf einer Filmpressekonferenz. Nichtsdestotrotz besitzt er beide Staatsbürgerschaften und seit 2020 auch die US-amerikanische.
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(lau/spot)