"Clayface": Der neue Film von DC setzt auf Horror und überzeugt
Kein Superman, kein Batman: Mit "Clayface" schickt DC einen wenig bekannten Schurken ins Kino und erzählt eine düstere Rachegeschichte. Der Film punktet mit einer guten Besetzung und einer Vielzahl von Body-Horror-Elementen.
Am 22. Oktober läuft "Clayface" in den deutschen Kinos an. Nach dem Auftakt des neuen DC-Universums mit "Superman" und "Supergirl" setzt DC-Chef James Gunn (60) diesmal nicht auf Ikonen wie Batman oder Wonder Woman, sondern auf einen vergleichsweise unbekannten Gegenspieler des Dunklen Ritters. Clayface ist seit 1940 ein fester Bestandteil der DC Comics und wurde im Laufe der Jahrzehnte mehrfach neu interpretiert.
Im Mittelpunkt des Films steht Matt Hagen, der vor allem für seine Fähigkeit bekannt ist, seine Gestalt zu verändern und die Identität anderer Menschen anzunehmen. DC wagt sich mit "Clayface" auf ungewohntes Terrain: Statt auf aufwendige CGI-Schlachten setzt der Streifen vor allem auf Horror. Der Streifen überzeugt weitgehend, ist jedoch nicht ganz frei von Schwächen.
Darum geht's in "Clayface"
Aus dem Straßenjungen Matt Hagen (Tom Rhys Harries, 34) ist ein erfolgreicher Schauspieler geworden. Als er für einen wichtigen Preis nominiert wird, geht er mit seinem besten Freund in einen angesagten Club, um dies ausgiebig zu feiern. Dort lernt er eine mysteriöse Frau kennen: die Freundin eines lokalen Gangsterbosses, Markos Szabo. Hagen lässt sich dennoch auf sie ein - ein fataler Fehler.
Szabo kommt ihm auf die Schliche und zerstört sein Leben, indem er Hagen auf brutale Weise entstellt. Ohne Unterstützung und mittellos, testet er mithilfe einer Wissenschaftlerin eine neuartige Therapie, die sein altes Aussehen scheinbar wiederherstellt. Doch die Behandlung verändert mehr als nur seinen Körper. Hagen beginnt einen Kreuzzug gegen diejenigen, die ihm Unrecht angetan haben.
Die Horror-Elemente überzeugen
"Clayface" beweist, dass Superheldenfilme deutlich mehr bieten können als einfallslose Ursprungsgeschichten und oberflächliche Actionsequenzen mit mäßigen Spezialeffekten. Der Film erzählt stattdessen eine menschliche Geschichte und stellt einen vielschichtigen Protagonisten ins Zentrum. Matt Hagen hat sich aus bescheidenen Verhältnissen als Schauspieler hochgearbeitet. Er ist ein Charakter, mit dem das Publikum schnell mitfiebert, zumal nach seiner Entstellung auch sein Ruf leidet. Doch je weiter die Handlung fortschreitet, desto mehr stellt sich die Frage, wer Hagen wirklich ist und wie weit er für seine Ziele zu gehen bereit ist.
Allerdings braucht der Film für seine Exposition verhältnismäßig lange, ehe die Handlung Fahrt aufnimmt. Der letzte Akt bietet zwar viel Unterhaltung, wirkt jedoch stellenweise überhastet, insbesondere das Finale. Regisseur James Watkins hätte im ersten Akt durchaus einige Szenen kürzen können, ohne dass das der Geschichte schade. Positiv hervorzuheben sind indes die gelungenen Body-Horror-Einlagen, die Watkins auch bei den Actionszenen geschickt nutzt. Diese sind aber teilweise extrem ausgefallen und daher nichts für schwache Nerven.
Starkes Duo
Der Brite Tom Rhys Harries ist zwar seit Jahren als Schauspieler tätig, doch seinen internationalen Durchbruch hat er bislang noch nicht geschafft. Mit der Rolle des Matt Hagen könnte sich das ändern: Er verkörpert den Schauspieler, der neu anfangen muss, überzeugend und mit großer emotionaler Bandbreite - ob in ruhigen, gefühlvollen Momenten oder in den Actionszenen.
Besonders stark ist sein Zusammenspiel mit Naomi Ackie (35), die als Wissenschaftlerin Caitlyn Corr zu sehen ist. Harries steht zwar im Mittelpunkt, doch Ackie überzeugt mit spürbarem Mitgefühl und reißt nahezu jede ihrer Szenen an sich. Auch Eddie Marsan (58) und Max Minghella (41) passen gut in ihre Rollen. Die gesamte Besetzung punktet mit guten Leistungen.
Fazit
"Clayface" ist ein unterhaltsamer Film, aufgrund der expliziten Horror-Elemente aber nichts für schwache Nerven. Darüber hinaus liefert Tom Rhys Harries eine glaubwürdige Performance als Antiheld ab.
(des/spot)