David Copperfield wird 70: Zwischen Magie und Schatten
Er ließ die Freiheitsstatue verschwinden und füllte 25 Jahre lang eine Bühne in Las Vegas: David Copperfield wird am heutigen Mittwoch 70 Jahre alt. Doch der gefeierte Illusionist machte in den vergangenen Jahren auch viele negative Schlagzeilen.
Der runde Geburtstag des wohl bekanntesten Illusionisten der Welt fällt in ein Jahr voller Zäsuren: Ende April stand der US-Amerikaner David Copperfield (70) nach 25 Jahren zum letzten Mal in seiner Dauershow im "MGM Grand Hotel & Casino" in Las Vegas auf der Bühne. Wenige Wochen zuvor war sein Name erneut in den freigegebenen Akten zum Fall Jeffrey Epstein (1953-2019) aufgetaucht.
Begonnen hatte alles in Metuchen im US-Bundesstaat New Jersey, wo David Seth Kotkin 1956 als Sohn jüdischer Einwanderer aus Russland zur Welt kam. Die Eltern führten ein Herrenmodegeschäft, die ersten Zaubertricks lernte der Junge in einem Ferienlager für Bauchredner. Zunächst nannte er sich Davino, dann entschied er sich für den eleganteren Klang einer Dickens-Figur: David Copperfield.
Der Mann, der die Freiheitsstatue verschwinden ließ
Den Startschuss für seine große Karriere gab ein Zufall. Der kanadische Zauberer Doug Henning (1947-2000) zog sich überraschend zurück und verkaufte seine Requisiten an den jungen Kollegen, der auch den Sendeplatz des jährlichen Weihnachtsspecials übernahm. Copperfield ließ darin von Jahr zu Jahr größere Objekte verschwinden, erst einen Ferrari, dann einen Lear-Jet.
1983 ließ er die Freiheitsstatue verschwinden - die Live-Sendung sorgte für Rekordquoten. Es folgten weitere spektakuläre Aktionen: etwa der Gang durch die Chinesische Mauer, die Flucht aus Alcatraz, ein schwebender Waggon des Orient-Express und 2001 ein Auftritt in einem rund 2.000 Grad heißen Feuertornado. 21 Emmys hat er für seine Shows gewonnen.
Verlobt mit Claudia Schiffer
Auch abseits der Bühne baute Copperfield ein Imperium auf. Seit den 1990er-Jahren sammelt er historische Requisiten, darunter Harry Houdinis (1874-1926) Zauberkoffer und das Gewehr, mit dem der Magier Chung Ling Soo (1861-1918) auf offener Bühne erschossen wurde. Die Sammlung lagert in einem geheim gehaltenen Warenhaus und ist nur ausgewählten Kollegen zugänglich. Auf den Bahamas gehört ihm die Insel Musha Cay, wo Gäste für rund 37.000 Dollar pro Tag ein Privatresort mieten können. Sein Vermögen wird auf 800 Millionen bis eine Milliarde Dollar geschätzt.
Hierzulande sorgte der Magier auch durch seine Beziehung zu Model Claudia Schiffer (56) für Aufsehen. Von 1993 bis 1999 waren die beiden ein Paar, zwei Jahre davon verlobt. Später bekam Copperfield mit dem tschechischen Model Maria Petličková (41) zwei Kinder, seit 2006 ist die französische Schuhdesignerin Chloe Gosselin (42) seine Lebensgefährtin, 2010 kam Tochter Sky zur Welt.
Vorwürfe von 16 Frauen
Seit Jahren steht der weltweit bewunderte Illusionist allerdings auch wegen schwerer Anschuldigungen in den Schlagzeilen. 2007 beschuldigte ihn erstmals eine Frau des sexuellen Missbrauchs, eine Grand Jury in Seattle stellte die Ermittlungen im Januar 2010 ohne Anklage ein. 2018 folgte der Vorwurf, er habe 1988 einen Teenager unter Drogen gesetzt und missbraucht.
Im Mai 2024 veröffentlichte der "Guardian" eine Recherche, in der 16 Frauen dem Magier sexuelles Fehlverhalten vorwarfen. Die geschilderten Vorfälle sollen sich zwischen den späten 1980er-Jahren und 2014 ereignet haben. Copperfields Anwälte wiesen sämtliche Vorwürfe zurück.
Sein Name in den Epstein-Akten
Copperfields Name steht auch mehrfach in den vom US-Justizministerium freigegebenen Epstein-Akten. Darunter sind demnach Fotos von Epsteins Privatinsel Little Saint James, Nachrichten bis zurück ins Jahr 2005 und FBI-Vernehmungsprotokolle. Ein internes FBI-Memo von 2007 sprach dem Bericht zufolge von einer "klaren Verbindung" zwischen beiden Männern.
Strafrechtliche Vorwürfe gegen den Magier ergeben sich aus den Unterlagen nicht, angeklagt wurde er im Zusammenhang mit Epsteins Straftaten nie. Seine Anwälte betonten früher, er sei "kein Freund" Epsteins gewesen und habe ihn nur wenige Male getroffen. Ein Sprecher erklärte 2024: "Die meisten dieser historischen Anschuldigungen wurden bereits früher erhoben - und sie sind heute genauso falsch wie damals." Zur jüngsten Veröffentlichung hat sich Copperfield bislang nicht geäußert, sein Management verwies auf frühere Stellungnahmen.
Er plant das größte Projekt seiner Karriere
Das Ende seiner Karriere soll der Abschied aus dem "MGM Grand" nach eigenen Angaben nicht bedeuten. Copperfield selbst ließ auf Instagram keinen Zweifel daran, dass er nicht einfach abtritt. "Ich freue mich darauf, bald ankündigen zu können, was als Nächstes kommt. Es ist das größte Projekt, das ich je angegangen bin - und auch das herausforderndste", schrieb er in dem Posting.
(ae/spot)