David Schwimmer: Der normalste der "Friends" wird 60

Als Ross Geller wurde er unsterblich und Teil der TV-Geschichte. Doch einen zweiten riesengroßen Erfolg konnte David Schwimmer in seiner Schauspielkarriere nicht mehr landen. Heute wird der normalste der "Friends" 60 Jahre alt.

Teilen
David Schwimmer auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2024.
David Schwimmer auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2024. Foto: imago/Cover-Images/Jennifer Graylock/INSTARimages

Zehn Jahre lang lieh er der ikonischen Sitcom-Figur Ross sein Gesicht. Danach fiel es ihm schwer, seiner Jahrhundertrolle zu entkommen - ein Schicksal, das er mit einigen seiner Co-Stars aus "Friends" teilt. Er führte Regie, spielte Theater, trat im Lauf der Jahrzehnte immer wieder in Comedyserien auf - und schwamm in der zweiten Hälfte seines Lebens im Geld. Heute wird "Friends"-Star David Schwimmer 60 Jahre alt.

Der "liebenswerte Loser" eroberte die Herzen der Fans

Alles begann im Jahr 1994. Nach einigen Jahren als erfolgloser Schauspieler in Hollywood hatte Schwimmer eine Rolle in der NBC-Sitcom "Friends". Es war - wie heute der halbe Erdball weiß - eine Ensemble-Serie über sechs New Yorker Freunde, die gefühlt die meiste Zeit des Tages im Central Perk auf der Couch saßen und redeten.

"Friends" hätte eine kurzlebige Serie wie so viele andere in der US-Fernsehgeschichte werden können. Doch es wurde eine der erfolgreichsten und beliebtesten Sitcoms aller Zeiten - wenn nicht sogar die allererfolgreichste von allen.

Auch heute noch scheint "Friends" einen Nerv zu treffen. Die Sitcom gehört im Streaming nach wie vor zu den beliebtesten Programmen überhaupt, spricht erstaunlicherweise auch ein jüngeres Publikum an.

Für die fünf überlebenden "Friends"-Darsteller Schwimmer, seine große Onscreen-Liebe Jennifer Aniston (57), Matt LeBlanc (59), Lisa Kudrow (63), Courteney Cox (62) und die Erben von Matthew Perry (1969-2023) bedeutet das Jahr für Jahr einen immensen Geldsegen.

Sagenhafte 20 Millionen US-Dollar soll jeder der "Friends" noch jährlich aus der andauernden Verwertung der Serie erhalten, wie erst 2026 Lisa Kudrow gegenüber "The Times" zu bestätigen schien. Das wären 20 Millionen Dollar jährlich im Jahr 2026, 22 Jahre nach dem Ende der Sitcom.

Finanziell führt David Schwimmer also zweifellos ein sorgenfreies Leben.

Auf die Rolle des Ross festgelegt

In "Friends" hatte er die auf den ersten Blick unscheinbarste männliche Rolle inne. Spielte einen Paläontologen und "liebenswerten Loser", wie er es selbst gegenüber NBC News einmal formulierte, der besonders in Liebesdingen eine schwere Jugend hinter sich hatte und neurotisch war.

Schon als Teenager war dieser Ross, das machen rührende Rückblicke in "Friends" klar, in die von Jennifer Aniston gespielte Rachel verliebt. Als junge Erwachsene in New York kommen sie sich schließlich wirklich näher - um in den folgenden Seasons der Serie sämtliche Höhen und Tiefen als Paar und getrennte ehemalige Lover zu durchleben.

Besonders denkwürdig war Ross' One-Night-Stand mit Chloe, nachdem Rachel eine Beziehungspause vorgeschlagen hatte. Am nächsten Morgen versöhnten sich die beiden zunächst, doch Rachel wusste zu diesem Zeitpunkt nichts von dem Seitensprung. Als sie davon erfuhr, kam es zur endgültigen Trennung - und zum legendären Streit darüber, ob die beiden nun eine Beziehungspause eingelegt hatten oder tatsächlich getrennt waren.

Filmflops und Theaterproduktionen

Die Herzen des "Friends"-Publikums eroberten diese Geschichten im Sturm - doch David Schwimmer hatte in den Jahren nach dem Ende der Show damit zu kämpfen, dass alle Welt in ihm nur Ross sah. Er war schließlich ein ernstzunehmender Schauspieler, hatte gleich nach dem College eine Theatergruppe gegründet.

"Als ich mit der Schauspielerei anfing, bestand die Herausforderung und der Reiz darin: In wen kann ich mich als Nächstes hineinversetzen? Was kann ich als Nächstes lernen?", verriet er einmal der "New York Times" über sein professionelles Selbstverständnis. Er habe einen ganzen "Werkzeuggürtel" an Ausdrucksmöglichkeiten zur Verfügung gehabt, doch bei "Friends" sei von ihm verlangt worden, "immer und immer wieder" nur mit einem Hammer zuzuschlagen.

Die ganzen großen, bedeutenden Erfolge wollten sich nach dem Ende von "Friends" bei Schwimmer nicht einstellen. Er führte auch Regie - und verlor dabei wohl bei einigen Filmproduktionsfirmen und Studios viel Geld. So kam das Trinker-Drama "Duane Hopwood", in dem Schwimmer die Hauptrolle spielte, nur auf ein katastrophales Einspielergebnis von 13.510 US-Dollar. Seine Regie-Arbeit "Trust", immerhin mit Catherine Keener (67) und Clive Owen (62) prominent besetzt, spielte knapp 600.000 Dollar ein.

Daneben war Schwimmer im Lauf der Jahre immer wieder in Comedyserien zu sehen, etwa "Curb Your Enthusiasm", "Episodes" und der britischen Produktion "Intelligence". Doch seine Filmografie weist auch größere Lücken von teilweise mehreren Jahren auf, in denen er gar nicht vor einer Film- oder TV-Kamera stand.

"Ich habe beschlossen, dass es zehn Jahre dauern würde, bis Ross nicht mehr mein Gesicht überschattet", sagte er einmal rund um die Produktion von "Trust" gegenüber der "New York Times". Möglich, dass seine größte Schauspielzeit jetzt, über 20 Jahre nach dem Ende von "Friends", noch bevorsteht.

(lau/spot)