"Die letzten Menschen von Köln": So wird der neue "Tatort"

Max Ballauf und Freddy Schenk ermitteln in ihrem neuesten Fall zwischen Weltkriegsbombe, Preppern und einem geheimen Bunker. "Die letzten Menschen von Köln" bringt eigentlich alle Zutaten für einen außergewöhnlichen "Tatort" mit. Ganz ausschöpfen kann der Krimi sein Potenzial jedoch nicht.

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Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, li.) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) übernehmen die Ermittlungen. Das Opfer i…
Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, li.) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) übernehmen die Ermittlungen. Das Opfer ist Linus Makris (Bastian von Bömches). Foto: WDR/BAVARIA FICTION/Martin Valentin Menke

Gerade erst ist der "Tatort" aus seiner ungewöhnlich langen Sommerpause zurückgekehrt, da dürfen auch Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, 66) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, 65) wieder ran. Im inzwischen 96. Kölner Fall "Die letzten Menschen von Köln" (Sonntag, 20. September, ab 20:25 Uhr im Ersten) verschlägt es das Ermittler-Duo in ein ungewöhnliches Milieu: Eine Gruppe von Preppern probt in einem alten Zivilschutzbunker den Weltuntergang. Gleichzeitig herrscht auch oberhalb Ausnahmezustand, weil in Köln eine Weltkriegsbombe entschärft werden muss.

Das klingt nach reichlich Stoff für einen spektakulären Krimi. Am Ende verlässt sich der Film allerdings ein wenig zu sehr auf sein ungewöhnliches Setting - und natürlich auf die seit Jahrzehnten bestens funktionierende Chemie zwischen Ballauf und Schenk.

Darum geht es im "Tatort: Die letzten Menschen von Köln"

Am Rand eines Kölner Parks wird der junge Berufsschullehrer Linus Makris mit einem Jagdmesser getötet. Die Ermittlungen führen Ballauf und Schenk schnell zu seiner Schwester Elara Schmidtke (Katharina Schüttler, 46). Doch die ist verschwunden.

Elara nimmt an einem Überlebenstraining teil, das von Moritz Zechmann (Florian Stetter, 49) geleitet wird. Gemeinsam mit mehreren anderen Teilnehmern hat sie sich in einen geheim gehaltenen ehemaligen Zivilschutzbunker zurückgezogen. Das Szenario der Übung: Nach einer Katastrophe ist Köln praktisch zerstört, draußen lauert der Tod und die kleine Gruppe muss unter der Erde ums Überleben kämpfen.

Aus dem vermeintlichen Planspiel wird allerdings zunehmend Ernst. Innerhalb der Gruppe wachsen Misstrauen und Angst, alte Konflikte brechen auf und Zechmanns Methoden werden immer fragwürdiger. Währenddessen versuchen Ballauf und Schenk herauszufinden, wo sich Elara befindet und was ihr Verschwinden mit dem Mord an ihrem Bruder zu tun hat.

Zusätzlichen Druck erzeugt die reale Bombenentschärfung in Köln. Straßen werden gesperrt, Menschen evakuiert und die Ermittler müssen sich durch eine Stadt im Ausnahmezustand kämpfen.

Lohnt sich das Einschalten?

Ja, allerdings hätte dieser "Tatort" durchaus eine Spur spektakulärer ausfallen dürfen. Die Voraussetzungen dafür sind schließlich nahezu perfekt: ein Mord, eine abgeriegelte Stadt, ein unterirdischer Bunker und eine Gruppe von Menschen, die sich freiwillig in eine Weltuntergangssimulation begibt. Daraus hätte sich ein klaustrophobischer Thriller entwickeln können, bei dem das Publikum irgendwann selbst kaum noch Luft bekommt.

Ganz so intensiv wird es leider nicht. Gerade im Mittelteil tritt die Geschichte immer wieder auf der Stelle. Die beklemmende Bunker-Atmosphäre ist zwar teilweise vorhanden und die Optik sorgt für einige starke Momente, doch der Film schöpft die Möglichkeiten seines Schauplatzes nicht konsequent aus. Auch einige Wendungen wirken etwas konstruiert, während das Finale für die zuvor aufgebaute Bedrohung erstaunlich wortreich und zurückhaltend daherkommt.

Dass der Krimi trotzdem durch seine 90 Minuten trägt, liegt vor allem an den Darstellerinnen und Darstellern. Katharina Schüttler und Florian Stetter geben ihren Figuren genügend Rätselhaftigkeit, um die Geschichte interessant zu halten. Und natürlich funktionieren Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär als Ballauf und Schenk auch nach all den Jahren beinahe blind miteinander.

Genau darauf verlässt sich der Kölner "Tatort" diesmal vielleicht ein bisschen zu sehr. Das eingespielte Duo kann viel auffangen, aber eben nicht jede dramaturgische Länge. Unter dem Strich bleibt dennoch ein atmosphärischer, solider Sonntagabendkrimi mit einer starken Grundidee und einem ungewöhnlichen Schauplatz. Nur der ganz große Wurf, den dieses Szenario eigentlich verspricht, ist "Die letzten Menschen von Köln" nicht.

(dr/spot)