Erfundene Zitate: John Malkovich sagt Auftritt in Tel Aviv ab
John Malkovich wird im kommenden Jahr nicht in Tel Aviv auf der Bühne stehen. Der Grund liegt nicht im Stück, sondern in einer Pressemitteilung, die der Schauspieler nie zu Gesicht bekommen hat. Die verantwortliche Agentur hat sich inzwischen öffentlich entschuldigt.
John Malkovich (72) wird im kommenden Jahr nicht in Tel Aviv auftreten. Der US-Schauspieler hat seine Mitwirkung an der geplanten Aufführung des Stücks "The Music Critic" abgesagt, nachdem eine Pressemitteilung zur Ankündigung des Auftritts Zitate enthielt, die von ihm stammen sollten. Malkovich erklärt jedoch, er habe diese Sätze nie gesagt. Darüber berichtet das Branchenmagazin "The Hollywood Reporter".
Verbreitet worden war die Mitteilung in der vergangenen Woche. Darin hieß es, der Schauspieler sei begeistert, nach Israel zurückzukehren, und freue sich darauf, "das israelische Publikum wiederzusehen, dem ich mich eng verbunden fühle und mit dem ich solidarisch bin". Von der Ankündigung erfuhr Malkovich nach eigenen Angaben erst, als er die Presseberichte darüber las. Sein Einverständnis habe niemand eingeholt.
"Ich habe diese Sätze nicht geäußert"
"Eine vom israelischen Veranstalter beauftragte PR-Agentur hat für den Artikel ein Zitat verfasst, das mir zugeschrieben wurde, obwohl ich die zitierten Aussagen nie gemacht habe und vor dem Abdruck auch nicht gefragt wurde", wird Malkovich in seiner Stellungnahme zitiert. Die Sätze seien weder von ihm freigegeben, noch gäben sie seine Haltung wieder. Dass sie als wörtliche Zitate erschienen seien, nennt er inakzeptabel und untragbar. Aus diesem Grund könne er an der Aufführung in Tel Aviv nicht teilnehmen.
Zugleich stellt der Schauspieler klar, wie er Gastspiele grundsätzlich verstanden wissen will. Sein Auftritt in irgendeinem Land, auch im eigenen, bedeute keine Zustimmung zu dessen Politik, zu dessen Handlungen oder zu dessen gewählten wie nicht gewählten Führungsfiguren. Ebenso wenig heiße ein Auftritt, dass er sich in vermeintlicher "Solidarität" mit einer bestimmten politischen Sache befinde, mit der Tötung Unschuldiger, mit Terrorakten oder mit irgendeiner anderen Form von Barbarei.
Agentur räumt Fehler ein
Die israelische PR-Firma hat den Fehler inzwischen eingeräumt und sich entschuldigt. Malkovich habe die Erklärung weder abgegeben noch zur Verfügung gestellt, autorisiert oder genehmigt, heißt es in einer Mitteilung der Agentur. Auch seine Vertreter hätten den Text nicht freigegeben. Man bedaure die falsche Zuschreibung und entschuldige sich ausdrücklich bei dem Schauspieler und seinem Team.
Ob die Aufführung von "The Music Critic" in Tel Aviv nun ohne Malkovich stattfindet oder ganz gestrichen wird, ist bislang offen.
Standing Ovations in Venedig
Für Malkovich fällt die Absage in eine ansonsten gute Phase seiner Karriere. Beim Filmfestival in Venedig wurde sein jüngster Film "Wild Horse Nine" mit einer 14-minütigen Standing Ovation gefeiert. Seither taucht der Titel regelmäßig in den Spekulationen über die kommende Awards Season auf. Malkovich wurde in seiner Karriere bisher zweimal für den Oscar nominiert, ging jedoch immer leer aus.
(des/spot)