Freddie Mercury: Der Mann, den kaum jemand kannte

Freddie Mercury wäre am 5. September 80 Jahre alt geworden. Der Queen-Frontmann gilt als einer der größten und schillerndsten Rockstars. Doch hinter dem Showman steckte ein anderer Freddie, den kaum jemand kennenlernte.

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Der private Freddie Mercury wird von seinem Umfeld als schüchtern beschrieben.
Der private Freddie Mercury wird von seinem Umfeld als schüchtern beschrieben. Foto: imago/Newscom / GDA / Agencia el Universal

Am 13. Juli 1985 haben sich mehr als 70.000 Menschen im Londoner Wembley-Stadion versammelt, mehr als eine Milliarde sitzt vor den Fernsehern. Sie erleben ein Stück Musikgeschichte: den Live-Aid-Auftritt von Queen. Freddie Mercury (1946-1991) betritt hüpfend die Bühne und heizt dem Publikum ein. Jede Bewegung sitzt, jede Geste scheint genau kalkuliert. Genau darin liegt seine Stärke: Mercury ist ein Meister der Selbstinszenierung, theatralisch, provokant und charismatisch. Er weiß, wie man ein Publikum beherrscht.

Die Fans jubeln ihm zu und feiern ihn als Rockgott - die Persona, die er nach außen hin verkörperte. Der Mann hinter der Bühnenfigur war ein anderer. Das bestätigte Queen-Schlagzeuger Roger Taylor (77) einst: "Im wirklichen Leben kannte niemand Freddie. Er war schüchtern, sanft und freundlich. Er war nie derjenige, der er auf der Bühne war."

Nur wenigen zeigte er sein privates Ich

Nur seine engsten Vertrauten lernten den privaten Freddie kennen, der am 5. September 1946 als Farrokh Bulsara geboren wurde. Auf der Bühne sei er der Entertainer gewesen, bekräftigte auch sein langjähriger Assistent Peter Freestone (71) im Interview mit dem "Deutschlandfunk". Richtig wohl habe er sich im kleinen Freundeskreis gefühlt. Unter Fremden zu sein, sei ihm schwergefallen. "Er konnte zum Beispiel kaum einen Raum mit 20 fremden Menschen betreten", erzählte Freestone.

Doch auch unter Freunden und in seinem eigenen Haus, der Garden Lodge im Londoner Stadtteil Kensington, habe er den Entertainer gegeben. "Er konnte wirklich nur dann ganz er selbst sein, wenn nur die vier oder fünf Menschen, die ihm am nächsten standen, in der Garden Lodge waren", sagte Freestone im Gespräch mit "Radio Prague".

Zu diesen Menschen zählte neben seinen Bandkollegen Brian May (79), John Deacon (75) und Roger Taylor vor allem Mary Austin (geb. 1951), seine langjährige Lebensgefährtin und wohl engste Vertraute. 1976 trennten sie sich nach sechs Jahren Beziehung und lösten ihre Verlobung auf.

An dem Band zwischen ihnen änderte das nichts. Mercury bezeichnete sie zu Lebzeiten als die Liebe seines Lebens. Wie sehr er ihr vertraute, zeigte sich nach seinem Tod am 24. November 1991. Sie erbte sein Haus und einen Großteil seines Vermögens. Zudem übergab der Queen-Frontmann ihr die Aufgabe, seine Asche an einem geheimen Ort zu verstreuen, sodass Fans nicht zu seiner letzten Ruhestätte pilgern würden.

Er schätzte die Ruhe, aber auch eine gute Feier

Seine Ruhe war Mercury heilig. 1980 kaufte er die Garden Lodge, seinen Rückzugsort, für 500.000 Pfund. Dort genoss er die Ruhe mit seinen Katzen, Mitte der 1980er zog sein Partner Jim Hutton (1949-2010) bei ihm ein. Zusammen lebten sie dort bis zu Mercurys Tod.

Eine reine Ruhe-Oase war das Haus aber nicht. Mercury liebte es, dort zu feiern. Und das gerne groß. An seinem 40. Geburtstag veranstaltete er eine "Silly Hat Party", bei der mehr als 200 Menschen den Sänger feierten. Jeder trug einen anderen ausgefallenen Hut, wie der Name verrät.

Ausgefallen war auch die Einrichtung von Mercurys Garden Lodge. Diese verriet viel über ihren Besitzer. Mercury liebte das Sammeln und begeisterte sich für japanische Kunst und Ästhetik. Seinen "Japanese Room" dekorierte er mit Antiquitäten, die er oft selbst bei Auktionen erstand oder bei Händlern kaufte und nach London bringen ließ. Nur wenige Menschen bekamen den Raum zu sehen. "Es war eine große Ehre, in diesen Raum eingeladen zu werden", sagte David Macdonald, Berater bei Sotheby's. Er beschrieb ihn in einem Beitrag des Auktionshauses als einen Ort, der "weit, weit entfernt von seiner Bühnenwelt" gewesen sei. Denn diese Welten trennte Freddie Mercury genauestens.

(paf/spot)