Gloria Steinem hinterlässt letzte Worte in Netflix-Interview
Einen Tag nach ihrem Tod ist Gloria Steinem ein letztes Mal in ihren eigenen Worten zu hören: Netflix veröffentlichte eine "Famous Last Words"-Folge mit der berühmten Frauenrechts-Aktivistin.
Gloria Steinem (1934-2026) ist nach ihrem Tod noch einmal mit ihrer eigenen Stimme zu hören: Netflix hat ein zuvor geheim gehaltenes Interview mit der Feministin veröffentlicht. In der Folge der Dokumentarserie "Famous Last Words" blickt Steinem auf ihr Leben, ihre Arbeit und ihr Vermächtnis zurück - und richtet eine letzte Botschaft an die nächste Generation.
Das Gespräch mit Moderator und Produzent Brad Falchuk wurde bereits im Februar 2025 aufgezeichnet. Steinem wusste dabei, dass die Aufnahmen erst nach ihrem Tod ausgestrahlt werden würden. Am 2. September 2026 starb die Aktivistin im Alter von 92 Jahren. Nun ist die rund 46-minütige Folge bei Netflix zu sehen.
"Ich hoffe, ich war nicht das Gesicht der feministischen Bewegung"
Gleich zu Beginn des Gesprächs widerspricht Steinem einem Bild, das sie über Jahrzehnte begleitet hat. Falchuk bezeichnet sie als das Gesicht der feministischen Bewegung der vergangenen mehr als 50 Jahre. "Ich hoffe, ich war nicht das Gesicht der feministischen Bewegung", entgegnet Steinem.
Für sie sei Feminismus immer eine vielfältige Bewegung gewesen. Ihre eigene Bekanntheit erklärte sie vor allem mit ihrer Ausdauer: Sie sei länger dabei geblieben und habe länger für ihre Überzeugungen gekämpft.
Steinem spricht außerdem über ihre Kindheit und Familie, ihre Karriere als Journalistin und die Gründung des Magazins "Ms.". Auch ihre Beziehung zu anderen prägenden Feministinnen wie Betty Friedan kommt zur Sprache. Dabei geht es nicht nur um politische Erfolge, sondern auch um Spannungen und unterschiedliche Auffassungen innerhalb der Frauenbewegung.
Steinem spricht über ihr eigenes Vermächtnis
Besonders persönlich wird das Gespräch, als Falchuk sie fragt, wie sie damit umgeht, eines Tages nicht mehr da zu sein. Steinem erklärt, dass man die eigene Nichtexistenz wohl kaum vollständig begreifen könne. Sie hoffe aber, Worte, Handlungen oder Geschichten hinterlassen zu haben, die für andere Menschen nützlich und zugleich eine Freude seien.
Auf die Frage, was andere nach ihrem Tod über sie sagen sollen, formuliert Steinem ihren Wunsch entsprechend bescheiden. Sie hoffe, als jemand erinnert zu werden, der versucht habe, die Welt ein wenig gleicher, mitfühlender, fröhlicher und humorvoller zu machen.
Trotz ihres Alters und ihres langen Engagements blickte Steinem nicht ohne Hoffnung in die Zukunft. Es gebe noch immer viele Dinge zu tun, sagte sie - insbesondere, um mehr Mitgefühl füreinander zu entwickeln.
Ihre letzten Worte richten sich an die nächste Generation
Am Ende des Interviews verlässt Falchuk das Studio. Steinem bleibt allein vor der Kamera zurück und spricht direkt zu den Zuschauerinnen und Zuschauern. Ihre letzte Botschaft dreht sich um Geschichten und darum, einander kennenzulernen.
"Bitte erzählt eure eigene Geschichte" lautet ihr zentraler Appell. Menschen könnten einander durch ihre Geschichten kennenlernen, sich gegenseitig beeinflussen und respektieren. Zugleich wünscht sie ihrem Publikum, das zu tun, was es liebt - und dabei die eigene Individualität zu bewahren.
Die Folge mit Gloria Steinem ist die dritte Ausgabe von "Famous Last Words". Das Konzept der Netflix-Serie besteht darin, bedeutende Persönlichkeiten zu Lebzeiten zu interviewen und die Gespräche erst nach ihrem Tod zu veröffentlichen. Zuvor waren bereits Folgen mit der im Oktober 2025 verstorbenen Primatenforscherin Jane Goodall und dem im Februar 2026 gestorbenen Schauspieler Eric Dane erschienen.
(ncz/spot)