Hardy Krüger Jr. spricht über den Verlust von Sohn und Vater

Hardy Krüger Jr. steht in dem Stück "Der Sohn" als Vater eines verlorenen Kindes auf der Bühne. Der Schauspieler selbst verlor 2011 seinen acht Monate alten Sohn Paul Luca. In einem Interview erzählt der 58-Jährige, warum er die Rolle zunächst nicht annehmen wollte.

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Schauspieler Hardy Krüger jr. steht für das Theaterstück "Der Sohn" auf der Bühne.
Schauspieler Hardy Krüger jr. steht für das Theaterstück "Der Sohn" auf der Bühne. Foto: imago/Photopress Müller / Ralf Müller

Hardy Krüger Jr. (58) steht derzeit für das Theaterstück "Der Sohn" auf der Bühne und spielt darin einen Vater, dessen Kind ihm entgleitet. In der aktuellen Ausgabe der "Bunte" spricht Krüger Jr. über den Tod seines Sohnes Paul Luca, der 2011 im Alter von acht Monaten am plötzlichen Kindstod starb, und über den Tod seines Vaters, Hollywoodstar Hardy Krüger (1928-2022), im Jahr 2022.

Als er das Manuskript zum ersten Mal in den Händen hielt, legte er es nach eigenen Angaben immer wieder beiseite. Nicht aus Zweifel an dem Text, sondern weil ihm auffiel, wie nah der Stoff an sein eigenes Leben rückt. Ob er bereit sei, diese Gefühle Abend für Abend erneut zuzulassen, habe er sich gefragt. Am Ende sagte er zu. "Vielleicht gerade deshalb."

Acht Monate, die bis heute nachwirken

Paul Luca war acht Monate alt, kurz nach seiner Taufe starb er. Ein Kind, sagt Krüger Jr. dem Magazin, lasse sich nicht in Monaten oder Jahren bemessen, sondern in Liebe. "Es gibt Tage, an denen ich mich frage, wie seine Stimme geklungen hätte, welche Träume er gehabt hätte oder ob wir gemeinsam gelacht hätten", sagt der Schauspieler.

Die Trauer vergleicht er mit einer Narbe, die nicht täglich schmerzt, ihn aber daran erinnert, wie tief Liebe reichen kann. "Ich glaube fest daran, dass Liebe nicht mit dem Tod endet", sagt er. Dass man über den Verlust eines Kindes hinwegkomme, glaubt er nicht. Wohl aber, dass Liebe größer sein kann als Schmerz. Mit den Jahren habe er wieder gelacht und sich wieder erlaubt, glücklich zu sein. Anfangs habe sich das "fast wie Verrat" angefühlt.

Vom Tod des Vaters erfuhr er per E-Mail

Elf Jahre später starb der Vater, mit 93 Jahren in den USA. Von dessen Ehefrau erfuhr Krüger Jr. davon per E-Mail. Woran sein Vater gestorben ist und wo er beerdigt wurde, weiß Hardy Krüger Jr. bis heute nicht. "Eine besondere Form der Trauer" nennt er das im Gespräch mit dem Magazin, eine, die Fragen zurücklässt, die vermutlich "nie ganz verstummen werden".

Antworten hätte er sich gewünscht. Inzwischen habe er begriffen, dass Frieden nicht zwangsläufig daraus entstehe, alles zu wissen, sondern manchmal daraus, das Nichtwissen zu akzeptieren. "Früher habe ich Antworten gesucht. Heute suche ich Frieden", fasst der Schauspieler diese Verschiebung zusammen. Seinen Vater trage er heute weniger in Erinnerungen als "in seiner Haltung zum Leben". Vor wichtigen Entscheidungen und Premieren frage er ihn innerlich noch immer um Rat.

Schreiben als Heilung

Verarbeitet hat Krüger Jr. die Verluste auch am Schreibtisch. Vergebung ziehe sich wie ein roter Faden durch seine Bücher, anderen gegenüber, vor allem aber sich selbst gegenüber. "Schreiben war für mich nie nur ein Beruf. Schreiben war Heilung", sagt er. Im März 2026 ist von ihm der Roman "Das Licht der Erinnerung" (Giger Verlag) erschienen, der um Liebe, Abschied und Hoffnung kreist.

Halt findet er zudem bei seiner Ehefrau Alice, die er als seine "größte Inspiration" bezeichnet. Sie erinnere ihn daran, dass ein Leben trotz aller Verluste neu beginnen könne. Den Schmerz des anderen wegzuräumen, versuche keiner von beiden. Sie trügen ihn gemeinsam.

(ili/spot)