Neues Album von Farin Urlaub: Ihm vergeht das Lachen nicht

Zwölf Jahre hat sich Farin Urlaub für sein neues Soloalbum Zeit gelassen. Entstanden ist "Ein Lächeln im Gesicht" auf Reisen und praktisch im Alleingang. Dafür ging der "Die Ärzte"-Musiker auch Kompromisse ein.

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Farin Urlaub hat sich für sein Soloalbum zwölf Jahre Zeit gelassen.
Farin Urlaub hat sich für sein Soloalbum zwölf Jahre Zeit gelassen. Foto: Dennis Dirksen

"Lass mich dein Leben ruinieren" bietet Farin Urlaub im Eröffnungssong seines neuen Soloalbums an und wer 2026 immer noch dabei ist, wird das Angebot freudig annehmen. Das letzte Album ist zwölf Jahre her, dass überhaupt ein neues entstanden ist, war für Farin selbst offenbar eine Überraschung.

"Ein Lächeln im Gesicht" wurde auf Reisen aufgenommen, an drei unterschiedlichen Orten und praktisch im Alleingang. Eine neue Art zu arbeiten für Urlaub. Sonst verbrachte er zwei, drei Monate im Studio, um ein Album aufzunehmen. Diesmal ließ er die Songs zu sich kommen und ihnen dafür auch mal zwei, drei Monate Zeit.

Dabei bleibt er seinem Erfolgsrezept treu: Zweistimmige Harmonien, kleine Gitarrenmelodien im Hintergrund, das diabolische Grinsen irgendwie immer zwischen den Zeilen. Und natürlich die dem Urlaub-Sound so typischen Experimente und Weltmusik-Ausflüge: Chöre, Synthies, NDW, Cumbia.

Auch die Texte behandeln bekannte Themen: "Happy 2bD" ist eine sarkastische Abrechnung mit dem deutschen Patriotismus, in "Sonnenschein im Februar" gibt's Urlaubs optimistischen Nihilismus, Punk der ersten Stunde hören wir in "So sehr", im lateinamerikanischen "999" wird mal wieder die emotionale Nicht-Verfügbarkeit seiner Kunstpersona verhandelt und ein Rätsel gibt es auch noch: Einen der punkigeren Songs hatte Urlaub ursprünglich für das Abschiedsalbum der Toten Hosen geschrieben - nur welchen?

Ein Album im Alleingang

"Ein Lächeln im Gesicht" ist sein fünftes Soloalbum - zählt man die mit dem Farin Urlaub Racing Team dazu -, aber das erste, das er praktisch im Alleingang aufgenommen hat. "Es war einfach niemand da, mit dem ich die Sachen hätte einspielen können", erklärte er der "FAZ". Klar, der hauptberufliche "Die Ärzte"-Gitarrist und Sänger war ja auch unterwegs in der Weltgeschichte. Da mussten Charango-Gitarren mit Akustik-Gitarren improvisiert werden, Schlagzeug und Bläser programmiert und der Gesang in einem Wohnzimmer aufgenommen werden, in dem Urlaub den Sex-Text zu "Totalschaden" verschämt leise einsang. Hätte er alles hinterher noch einspielen, nachbessern, austauschen und perfektionieren können? Hätte er. Wollte er aber nicht. Huch, doch noch Punk.

Der Witz ist, dass es sowieso nichts am Farin-Urlaub-Vibe ändert. Es ist alles da, wo es in einem Farin-Urlaub-Album hingehört. Man macht ja nicht umsonst mehr als vier Jahrzehnte Musik. Urlaubs Mischtonmeister sagte dazu wohl mal: "Ich sehe bei dir nicht so die künstlerische Weiterentwicklung", wie Urlaub dem RND sagte. Fans werden sagen: Farin sei Dank.

(mia/spot)