Rassismus-Thriller "By Any Means": Der zu kurze Arm des Gesetzes
Mit "By Any Means" läuft ein Film in den deutschen Kinos an, der Fiktion mit der harten Realität der afroamerikanischen Bevölkerung in den Südstaaten der USA vermischt.
Am 29. Oktober kommt der lose auf historischen Geschehnissen basierende Crime-Thriller "By Any Means" mit Yahya Abdul-Mateen II (40) und Mark Wahlberg (55) in die deutschen Kinos. Der Film versetzt das Publikum in den US-Bundesstaat Mississippi der 60er-Jahre. Eine Kombination aus Zeit und Ort, in der der Arm des Gesetzes mitunter Hand in Hand mit dem Ku-Klux-Klan ging. Doch wie lassen sich die Mörder eines Bürgerrechtlers finden, wenn die örtliche Polizei selbst von Rassisten durchsetzt ist und die afroamerikanische Bevölkerung deshalb jede Zusammenarbeit verweigert? Die Antwort liefert bereits der Titel des Films: "mit allen Mitteln".
Ein FBI-Agent und ein Mafia-Scherge als Ermittlerteam: Darum geht es
Der Unternehmer und Menschenrechtler Vernon Dahmer (Giancarlo Esposito) wird 1966 bei Hattiesburg im US-Südstaat Mississippi durch einen Brandanschlag, verübt von Mitgliedern des Ku-Klux-Klans, ermordet. Mit den weißen Beamten der Polizei und des FBI will niemand aus der afroamerikanischen Bevölkerung kooperieren, um mögliche Hinweise zu dem Verbrechen zu liefern - sonst, so die Befürchtung, steht als Nächstes vor ihrem Haus ein brennendes Kreuz.
Für den afroamerikanischen Special Agent Wayne Strider (Abdul-Mateen II) ergibt sich durch diese Sachlage unverhofft die Chance, aus den Tiefen des FBI-Archivs aufzusteigen. Kann er vielleicht potenzielle Zeugen dazu überreden, eine Aussage zu machen? Da jedoch die hiesigen Polizisten auch ihm mit Hass und Argwohn begegnen, bekommt er einen ungewöhnlichen "Partner" an die Seite gestellt: einen skrupellosen Vollstrecker der Brooklyn-Mafia namens Greg Scarpa (Wahlberg), der für gewöhnlich per Folter an die gewünschten Informationen gelangt.
Realität trifft Fiktion
Was überwiegt am Ende? Das Pflichtbewusstsein, sich an die Regeln zu halten, verbunden mit der Gefahr, auf der Stelle zu treten? Oder die Bereitschaft, die eigenen Prinzipien zu verraten, damit die Täter ihre gerechte Strafe erhalten? Hauptdarsteller Yahya Abdul-Mateen II verkörpert als Agent Strider diesen inneren Konflikt exzellent. Jeder Dorf-Sheriff hält seine FBI-Marke für einen schlechten Witz. Mehr noch, ihm wird vorgeworfen, sich als Beamter der US-Bundespolizei auszugeben. Die Autorität, die ihm angesichts seines Amtes eigentlich von allein zustehen sollte, erkämpft er sich zunehmend mit den verachtenswerten Methoden von Mafia-Scherge Greg Scarpa - auch als der "Grim Reaper" gefürchtet.
Bei Agent Strider handelt es sich um eine fiktive Figur, den ermordeten Vernon Dahmer sowie Greg Scarpa gab es wirklich. Jahrzehntelang mordete letztgenannter Mann als Enforcer für die mafiöse Colombo-Familie, insgeheim arbeitete er jedoch auch lange als FBI-Informant. Mit hehren Absichten hatte das aber nichts zu tun - Scarpa wurde vor die Wahl gestellt, als Spitzel zu arbeiten oder im Gefängnis zu verrotten.
Explizit in Bild und Ton
"By Any Means" begeht dabei nicht den Fehler, der etwa "Green Book" mit Mahershala Ali und Viggo Mortensen vorgeworfen wird. Mortensens Figur wandelt sich darin in Rekordzeit vom glühenden Rassisten zum besten Kumpel von Alis Charakter. Eine sehr sympathische und daher hochgradig problematische Darstellung, wie unter anderem Filmemacher Spike Lee scharf kritisierte.
Wahlberg bleibt als Scarpa derweil durchgehend ein Scheusal, das ohne zu zögern einen angebundenen Hund abknallt und immer wieder betont, dass es ihm herzlich egal ist, ob und wie viele Unschuldige auf dem Weg zum Ziel draufgehen.
Aus alledem ergibt sich ein Film, der sowohl in seiner Gewaltdarstellung als auch durch die mit Hassrede übersättigten Dialoge extrem ausfällt. In seiner ersten Szene etabliert "By Any Means" Wahlbergs Figur als gnadenlosen Folterknecht, der so lange auf seine Opfer eindrischt, bis er die gewünschten Antworten erhält. Dass es sich um nicht minder verachtenswerte Rassisten und Mörder handelt, denen er im Auftrag des FBI die Kniescheiben zertrümmert, ist reiner Zufall. Wenig überraschend ploppt am Ende von Elegance Brattons Film die Texttafel auf, das Federal Bureau of Investigation habe nie offiziell bestätigt, sich der Dienste von Greg "Grim Reaper" Scarpa bedient zu haben.
Fazit
Wer bei "By Any Means" mit einem reinen Action-Film rechnet, nur weil Mark Wahlberg auf der Besetzungsliste steht, wird schnell eines Besseren gelehrt. Regisseur Elegance Bratton erschuf einen durch und durch schonungslosen Rassismus-Crime-Thriller, der sich mit der oft gestellten Frage befasst, ob der Zweck wirklich alle Mittel heiligen darf. Ein sehenswerter Film, gerade weil man an manchen Stellen lieber wegschauen würde.
(stk/spot)