So wurde Jörg Pilawa zum Quiz-Onkel der Nation
Jörg Pilawa bekommt in Sat.1 eine weitere Quizshow. In "Wer ist Deutschlands Superhirn?" spielen sich 50 Kandidaten durch sechs immer engere Kreise. Für den Moderator ist das Genre längst Heimat, auch wenn er sich selbst einmal etwas anderes gewünscht hatte.
Jörg Pilawa (60) tut es schon wieder: Am 27. August moderiert er in Sat.1 die erste von zunächst sechs Folgen seiner neuen Quizshow "Wer ist Deutschlands Superhirn?". Darin müssen sich 50 Kandidatinnen und Kandidaten durch sechs immer kleiner werdende Kreise spielen. Wer die wenigsten Fragen aus den sechs Teilgebieten Logik, Merken, räumliches Denken, visuelle Wahrnehmung, Rechnen und Sprache richtig beantwortet, fliegt raus. Im innersten Kreis stehen sich am Ende die beiden Besten gegenüber, für den Sieger sind bis zu 50.000 Euro drin.
Für den Moderator dürfte das neue Format wenig Aufregung bedeuten. Kaum jemand im deutschen Fernsehen hat so viele Varianten des Frage-Antwort-Spiels durchgespielt wie Jörg Pilawa. Sogar eine Sendung namens "Deutschlands Superhirn" hat er von 2011 bis 2013 im ZDF schon einmal moderiert.
Deutschlands Dauerquizzer
Seinen Einstieg ins Genre machte er schon Mitte der Neunziger. 1995 übernahm Pilawa "2 gegen 2" bei ProSieben und "Das goldene Ei" bei Sat.1, danach folgte dort bis 1999 "Hast du Worte?". 2000 kam "Die Quiz Show", ein Jahr später wechselte er zur ARD und startete "Das Quiz mit Jörg Pilawa", das bis 2010 lief und Ableger wie das "Star Quiz" und das "Junior Quiz" hervorbrachte. Parallel kamen "PISA - Der Ländertest", "Frag doch mal die Maus" und "Pilawas großes Geschichts-Quiz" dazu.
2010 ging Pilawa zum ZDF und ließ dort mit "Rette die Million!" oder "Die Quizshow mit Jörg Pilawa" einfach weiter rätseln. Zurück im Ersten übernahm er 2014 das "Quizduell", dazu die "NDR Quizshow", ab 2015 "Spiel für dein Land", danach "Ich weiß alles!" oder "Quiz ohne Grenzen".
Anfang 2022 folgte die Rückkehr zu seinem alten Haussender. Sat.1 kündigte eine auf mehrere Jahre angelegte exklusive Zusammenarbeit an, den Auftakt machte "Quiz für Dich". Es folgten "Die Pyramide", seit 2023 "Das 1% Quiz" und seit 2024 "Das große Allgemeinwissensquiz".
"Besser ein Stempel, als wenn man für gar nichts steht"
Mit dieser Menge an Ratesendungen kam natürlich auch das Etikett. Dabei wollte Pilawa das lange gar nicht: 2010 verließ er die ARD sogar extra, um mal etwas anderes als Quizshows zu präsentieren. "Mache ich das noch einmal drei Jahre weiter und anschließend noch mal drei Jahre, dann wäre ich 50 und würde in die Annalen der deutschen Fernsehgeschichte endgültig als der Quiz-Onkel eingehen", betonte er damals gegenüber der "Süddeutschen Zeitung". Beim ZDF böte man ihm eine neue Herausforderung - am Ende landete er aber doch wieder bei Ratesendungen in allen möglichen Variationen.
Quizshows hätten sich heute verändert, begründete er seinen Umschwung drei Jahre später in der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung", und lieferten heute mehr persönliche Geschichten mit. Zudem glaube er, "wenn das Fernseh-Zeitalter zu Ende ist, wird ein Quiz die letzte Unterhaltungssendung sein. Und mir geht es darum, immer neue Ideen dabei einzubringen."
2014 machte er sich den Spott dann sogar zur Marke. Unter dem Titel "Quizonkel.TV" testete die ARD an drei Abenden neue Show-Ideen. Den Namen hatte Pilawa selbst erfunden, um mit seinem Image zu spielen. Spätestens dann hatte er damit endgültig Frieden gefunden. "Besser ein Stempel, als wenn man für gar nichts steht", stellte er im Interview mit der "B.Z." klar. "Seit gefühlt 100 Jahren praktiziere ich ja nun den 'A-B-C-D-Terror' im Fernsehen und habe weit über 2000 Quiz-Sendungen gemacht, ich kann mich also getrost den Quiz-Onkel nennen."
"Ich habe mich entschieden"
Inzwischen hat Jörg Pilawa also eingesehen, dass das Quizzen sein Gebiet ist. 2018 ging er im "RedaktionsNetzwerk Deutschland" noch einmal auf seine ursprüngliche "Quiz-Onkel"-Aussage ein. "Ich weiß, ich habe dieses Zitat selber geprägt, und heute wird es mir oft vorgehalten", so der Moderator. Inzwischen müsse er aber niemandem mehr etwas beweisen: "Irgendwann musste ich mich entscheiden, denn in Deutschland wird man in eine Schublade gesteckt: Entweder du machst Information, oder du machst Unterhaltung und bist der Clown - und ich habe mich entschieden."
(eyn/spot)