Stefan Raab wird 60: Die Höhen und Tiefen seines TV-Comebacks
Stefan Raab feiert seinen 60. Geburtstag. Zwei Jahre nach seinem großen TV-Comeback fällt die Bilanz durchwachsen aus: Auf ein Millionenpublikum beim Boxkampf folgten schwache Quoten und Kritik. Ein Rückblick auf eine turbulente TV-Rückkehr.
Mit "TV total" und seinen legendären Entertainment- und Sportshows schrieb Stefan Raab Fernsehgeschichte. Doch sein mit Spannung erwartetes Comeback im Herbst 2024 verlief anders als erhofft. Die Fernsehlandschaft hat sich seit seinen großen Erfolgen verändert, und nicht alles, was früher beim Publikum gut ankam, funktioniert heute noch genauso. Auch sein Humor sorgt inzwischen immer wieder für Kritik.
Entsprechend durchwachsen fällt die Bilanz seiner Rückkehr aus. Eines hat Raab allerdings nicht verloren: seine ungebrochene Lust, Fernsehen zu machen und immer neue Formate auszuprobieren. An diesem Dienstag, 20. Oktober, feiert der Entertainer seinen 60. Geburtstag.
Großes Comeback im Boxring
Nach seinem Abschied von "TV total" im Jahr 2015 hatte sich der langjährige ProSieben-Moderator fast ein Jahrzehnt lang aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und vor allem hinter den Kulissen als Produzent gearbeitet. Umso größer war die Überraschung, als er 2024 mit "Der Clark Final Fight - Stefan Raab vs. Regina Halmich" seine Rückkehr ins Rampenlicht ankündigte. Am 14. September stieg er zum dritten Mal gegen die ehemalige Boxweltmeisterin in den Ring.
Dass Raab wie schon 2001 und 2007 als Verlierer aus dem Ring stieg, war dabei fast Nebensache. Durchschnittlich 5,9 Millionen Menschen verfolgten den Kampf bei RTL. Viele dürften vor allem neugierig gewesen sein, ob sich der Entertainer tatsächlich so sehr in Form gebracht hatte, wie er es zuvor in mehreren Instagram-Clips angedeutet hatte.
Seine Million-Show floppte
An den Quotenerfolg seines Comebacks konnte Raab allerdings nicht anknüpfen. Am 18. September 2024 startete seine neue Show "Du gewinnst hier nicht die Million bei Stefan Raab" zunächst bei RTL+, im Februar 2025 folgte die Premiere im linearen Fernsehen. Zum Auftakt schalteten noch 1,59 Millionen Menschen ein, zuletzt waren es nur noch 820.000. Auch die Kritiken fielen ernüchternd aus: Viele sahen in der Sendung lediglich einen wenig originellen Mix aus "TV total" und "Schlag den Raab". Bereits im Mai 2025 kündigte RTL das Aus an, am 11. Juni lief die letzte Folge.
Auch beim ESC blieb der Erfolg aus
Auch mit seinem erneuten Engagement beim Eurovision Song Contest blieb Raab der erhoffte Erfolg verwehrt. Gemeinsam mit ARD und RTL hatte der ESC-erfahrene Musiker den Vorentscheid "Chefsache ESC 2025 - Wer singt für Deutschland?" auf die Beine gestellt. Doch das Siegerduo Abor & Tynna kam beim Wettbewerb in Basel nicht über Platz 15 hinaus. Beim deutschen Vorentscheid 2026 war Raab bereits nicht mehr an Bord.
RTL setzt auf "Gesprächsstoff"
Trotz der Rückschläge setzte RTL weiter auf Raab, mit dem der Sender einen Fünfjahresvertrag geschlossen hatte. Im September 2025 startete mit "Die Stefan Raab Show" das nächste Format. Während die Premiere noch 1,08 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme lockte, waren es Anfang Dezember nur noch 590.000. Auch andere Formate blieben hinter den Erwartungen zurück: Die vierte Ausgabe von "Stefan und Bully gegen irgendson Schnulli" mit Michael Bully Herbig (58) erreichte Ende November 830.000 Menschen, die Quizshow "Die Unzerquizbaren" mit Elton (55) blieb in beiden Ausgaben unter der Millionenmarke. Raabs langjähriger Kontrahent Oliver Pocher kommentierte die Entwicklung auf Instagram spöttisch: "Wieder ein Flop..."
Bei RTL hielt man dennoch an dem Entertainer fest. Man brauche "Menschen wie ihn, die für Gesprächsstoff sorgen", erklärte RTL-Managerin Inga Leschek im November 2025 im Interview mit dem "Spiegel".
Jetski-Erfolg und eine wichtige Auszeichnung
Zuletzt lief es für Raab wieder etwas besser. Mit der ersten "Jetski Star WM" am 29. August knüpfte er an seine früheren Sportshows mit prominenten Teilnehmern an und ging selbst an der Seite von Ralf Schumacher ins Rennen. Durchschnittlich rund 1,16 Millionen Menschen schalteten ein, bei den 14- bis 49-Jährigen erreichte RTL einen Marktanteil von 18,9 Prozent.
Auch eine Auszeichnung konnte Raab zuletzt verbuchen. Am 9. September erhielt der Moderator gemeinsam mit Barbara Schöneberger (52) für das neue Format "Wer weiß wie wann was war?" den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie "Beste Unterhaltung Show". Bei der Verleihung in Köln bezeichnete Raab seine Kollegin als "Sonnenschein hinter den Kulissen". Schöneberger revanchierte sich mit einem augenzwinkernden Kompliment: "Ganz egal, was die anderen sagen, ich mag dich."
Den Humor hat Raab trotz des Auf und Abs offenbar nicht verloren. In der Oktoberfest-Spezialausgabe seiner Show entschuldigte er sich als selbst ernannter "RTL-Chef" für Heidi Klums (53) zuvor ausgestrahltes "HeidiFest". Es solle "noch mal einer behaupten, sturzbesoffen könnte man kein Qualitätsfernsehen machen", spottete er.
An den schwachen Einschaltquoten seiner Show hat sich unterdessen wenig geändert. Nach der Sommerpause kehrte "Die Stefan Raab Show" Mitte September auf die Bildschirme zurück: dienstags bei RTL+ und donnerstags um 23:15 Uhr bei RTL. Die jüngste Ausgabe brachte einen neuen Tiefpunkt: Am 15. Oktober schalteten nur noch 290.000 Menschen ein - so wenige wie nie zuvor.
Raabs zweites TV-Kapitel bleibt damit von Höhen und Tiefen geprägt. An neuen Ideen mangelt es dem Entertainer, der seine Karriere einst bei Viva begann, auch mit 60 Jahren nicht. Ob er damit noch einmal an seine großen Erfolge von früher anknüpfen kann, bleibt abzuwarten.
(ae/obr/spot)