Streit um Auftritt: Alphaville von "Glücksgefühle"-Festival ausgeladen
Zwei Tage vor dem Auftritt kam die Absage: Alphaville dürfen beim "Glücksgefühle"-Festival am Hockenheimring nicht spielen. Sänger Marian Gold wirft dem Veranstalter einen "Maulkorberlass" vor, Festivalmacher Markus Krampe nennt das Verhalten der Band inakzeptabel.
Alphaville werden am Freitag nicht beim "Glücksgefühle"-Festival am Hockenheimring spielen. Der Veranstalter hat den für den 4. September geplanten Auftritt der Band kurzfristig gestrichen. Sänger Marian Gold (72) machte die Absage über die Kanäle der Band öffentlich, der Festivalmacher Markus Krampe (55) reagierte darauf im Gespräch mit "Bild".
Ausschlaggebend war laut Gold ein Schreiben des Veranstalters, aus dem er in seinem Statement wörtlich zitiert. Darin heißt es demnach, man dulde "keine politischen Themen oder Äußerungen jeglicher Art" auf der Bühne und wolle deshalb "von einem Auftritt von Alphaville beim Glücksgefühle-Festival Abstand nehmen".
"Ein Maulkorberlass"
Gold schreibt, die Band habe sich auf den Termin gefreut und sei von der Begründung fassungslos gewesen. Er vergleicht sie mit einem "Maulkorberlass", wie man ihn aus Diktaturen kenne.
"Dass eine derartige Einschränkung der Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit nun auf einem der größten Popfestivals Deutschlands angekommen zu sein scheint, empfinden wir als absolut untragbar und erschütternd", heißt es in dem Beitrag weiter. Meinungsfreiheit, Toleranz und Demokratie seien hohe Güter, die mit allen legalen Mitteln verteidigt werden müssten, gerade auch von Künstlerinnen und Künstlern.
Die Ausladung nennt Gold einen "feindseligen und vollkommen unnötigen Akt", der tief blicken lasse, was das Demokratieverständnis der Verantwortlichen angehe. Die Band werde sich weiter für Freiheit und Demokratie einsetzen.
Krampe: "Komplett unpolitisch"
Markus Krampe, der das Festival gemeinsam mit Fußball-Weltmeister Lukas Podolski (41) veranstaltet, hält dagegen. "Das Verhalten von Alphaville und Marian Gold ist inakzeptabel. Wir lassen uns nicht in irgendeine politische Ecke drängen und werden uns hier mit allen Mitteln wehren", sagte er "Bild". Sein Festival sei "komplett unpolitisch", und zwar unabhängig davon, um welche politische Richtung es gehe.
Krampe verweist zudem auf eine Vorgeschichte. Alphaville seien in diesem Jahr bereits bei zwei anderen Veranstaltungen seines Unternehmens aufgetreten. Nach politischen Äußerungen der Band beim ersten dieser Termine habe man vor dem nächsten Auftritt darauf hingewiesen, dass solche Aussagen auf den eigenen Bühnen nicht erwünscht seien. Vor dem Hockenheim-Termin sei diese Position erneut klargemacht worden.
Veranstalter will Politik von der Bühne halten
Um Golds politische Ansichten gehe es dabei ausdrücklich nicht, betont der Veranstalter. Entscheidend sei der Rahmen, den er für seine Festivals setze. Die Besucher sollten ein Wochenende erleben, an dem sie "einfach eine gute Zeit haben können".
"Unsere Haltung ist klar: Das 'Glücksgefühle'-Festival ist und bleibt ein Ort, an welchem ausdrücklich jeder seine Sorgen des Alltags vergessen kann und soll", sagte Krampe. Dazu gehöre, das Thema Politik außen vor zu lassen, weil es die Menschen in Deutschland derzeit am stärksten spalte. Weil es darüber keine Einigung gegeben habe, sei der Auftritt am Ende nicht zustande gekommen.
Das "Glücksgefühle"-Festival läuft vom 3. bis 6. September auf dem Hockenheimring.
(jom/spot)