Torsten Sträter: Der Krebs kommt nicht mit auf die Bühne
Torsten Sträter hat seine Krebstherapie hinter sich, im September startet er eine neue Tour. Jetzt stellt der Comedian klar, dass die Erkrankung auf der Bühne vorerst kein Thema wird.
Torsten Sträter (59) wird seine überstandene Tumorerkrankung vorerst nicht auf die Bühne bringen. "Ich will keine Tumorgeschichte erzählen", sagte der Comedian dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (RND). Seine Begründung: Jeder Dritte kenne solche Fälle aus dem eigenen Umfeld und erfahre dann nur, dass er dieselben Ängste und Schmerzen habe wie alle anderen: "Das will ich nicht."
Für alle Zeit ausgeschlossen ist das Thema aber nicht. Sobald er den "lustigen Kern" daran entdecke, greife er es auf, sagte Sträter. Für die Mischung aus schwerer Erkrankung und Unterhaltung fehle ihm bislang aber die Idee. Sein neues Programm "Die Zyklopen von Saint-Tropez", mit dem er ab September auf Tour geht, dreht sich stattdessen ums Reisen und um Dinge, die ihn "auf die Palme bringen und glücklich machen".
Statt in Jahren plant er in Vier-Wochen-Schritten
Mitte April hatte Sträter auf seiner Homepage öffentlich gemacht, dass er an einem Tumor erkrankt ist. Die Therapie ist inzwischen beendet, während der Behandlung stellten Ärzte bei ihm zusätzlich Diabetes fest. Im 1LIVE-Comedy-Talk "Sträter & Lobrecht" hatte er den Verlauf im Juli bereits in seinen gewohntem Duktus knapp zusammengefasst: "Tumor gehabt, in Behandlung gegangen, Glück gehabt, weil geile Ärzte."
Er plane inzwischen in Vier-Wochen-Schritten statt in mehreren Jahren, sagte er zudem. Praktisch heiße das: "Wenn ich was gern machen möchte, was nicht moralisch komplett verwerflich oder illegal ist, mache ich es möglichst sofort." Ein bisschen Stille, geliebte Menschen um sich herum, ein guter Film im Kino, Autofahren: Mehr braucht er nach eigenen Angaben nicht. Früher sei er zudem von einem Hotel ins nächste gerannt und habe sich unterwegs eine Tüte Gummibärchen in den Mund gestopft. "Das mache ich nicht mehr und das ist gut."
Der 60. Geburtstag, den sein Bruder nicht erlebte
Anfang September wird Sträter 60, kurz vor dem Tourstart. Das Datum wiegt für ihn schwer: "Mein großer Bruder hat das nicht geschafft. Den musste ich an seinem 60. Geburtstag beerdigen", sagte er. Für ihn selbst sei der Tag "ein kleiner Meilenstein". Groß gefeiert wird trotzdem nicht. Er ziehe sich eine Hose an, und falls ihm jemand einen Kuchen backe, esse er als Diabetiker ein Stück und kontrolliere seinen Blutzucker.
Wie stark sich sein Maßstab verschoben hat, hatte der Comedian wenige Tage zuvor im Interview mit "Silvia am Sonntag" beschrieben. Rund 25 Kilo hat er seit der Erkrankung verloren, inzwischen will er wieder zunehmen. Früher habe er sich beschwert, wenn er ein teures Jackett zwar bezahlen, aber nicht zubekommen konnte. "Luxusprobleme", sagte er dazu. Und: "Heute bin ich froh, am Leben zu sein."
(dr/spot)