Travestit, Teufel, Clown: Diese Rollen machten Tim Curry unsterblich
Tim Curry ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Unter Schminke und Latex verschwand der Brite nie, im Gegenteil: Je extremer die Figur, desto mehr Charme und Präsenz gab er ihr. Das machte ihn als Frank N. Furter, als Teufel Darkness und als Clown Pennywise zur Kultfigur.
Tim Curry ist tot. Der britische Schauspieler starb am Dienstag im Alter von 80 Jahren in seinem Haus in Los Angeles, wie sein Manager mitteilte. Zurück bleibt eine Filmografie, in der Normalität so gut wie nicht vorkommt. Es gibt Schauspieler, die verbringen ihre gesamte Karriere damit, Variationen ihrer selbst zu spielen. Curry gehörte nicht dazu. Er hatte keine Angst vor Entstellung, Absurdität oder Provokation.
Egal wie dick die Schminke und wie schwer das Latex war: Curry verlieh jeder seiner Kreaturen einen diabolischen Charme, dem man sich nicht entziehen konnte. Drei Rollen haben sich dabei besonders in das Gedächtnis der Popkultur eingebrannt.
Die sexuelle Sensation: Dr. Frank-N-Furter
Als Curry in den Siebzigern in "The Rocky Horror Picture Show" im Mieder, mit Netzstrümpfen und voll geschminkt erst die Bühne und später die Leinwand betrat, war das Publikum elektrisiert. Als "sweet transvestite from Transexual, Transylvania" spielte er nicht einfach eine Drag-Königin, er erschuf ein sexuell befreites Rock'n'Roll-Monster.
Mit einem einzigen Blick (und etwas Zeit) verwandelte er die Low-Budget-Produktion in ein globales Kultphänomen. Dass die Figur des Dr. Frank-N-Furter nie lächerlich oder wie eine platte Parodie wirkte, lag an Currys Eleganz und Bühnenpräsenz. Er machte den exzentrischen Wissenschaftler mit allem, was er hatte - Körperhaltung, Mimik, Stimme - zu einer Mischung aus Rock-Diva und gefährlichem Verführer.
Der Teufel unter Prothesen und Latex
Zehn Jahre später bewies Curry, dass er nicht nur in Strapsen glänzen, sondern auch komplett unter Prothesen verschwinden konnte. In Ridley Scotts Fantasy-Epos "Legende" (1985) verkörperte er den "Herr der Finsternis" (Darkness im Original), und bekam das wohl spektakulärste Teufels-Design der Filmgeschichte.
Die Rolle war eine physische Tortur. Täglich saß Curry mindestens fünfeinhalb Stunden in der Maske, über seinem Kopf thronten riesige Hörner, sein Körper steckte unter rotem Latex. Während der Ausdruck anderer Darsteller unter einer solchen Schicht erstickt wäre, erweckte Curry den Teufel zum Leben. Rein über die Augenpartie, über Gestik und Stimme schuf er einen Bösewicht mit majestätischer Präsenz und verlockender Anziehungskraft.
Das Ur-Trauma einer Generation: Pennywise
1990 bewies Curry schließlich, dass wahrer Horror keine CGI-Effekte braucht. In der Fernsehadaption von Stephen Kings "Es" schlüpfte er in das Kostüm des Dämonen-Clowns Pennywise und verließ sich ganz auf seine Fratze und seine Stimme, um zwischen kichernder Freundlichkeit und eiskaltem Bösen umzuschlagen.
Mit den blitzenden Zähnen und seiner diabolischen Spielfreude traumatisierte er eine ganze Generation von Zuschauern und brannte die Angst vor roten Luftballons ins Kollektivbewusstsein ein. Wer den TV-Mehrteiler als Kind gesehen hat, vergisst dieses Gesicht nicht mehr.
Kultstatus erreichte Curry auch abseits der drei Extrem-Verwandlungen, etwa mit der Krimikomödie "Clue". Doch Frank-N-Furter, Darkness und Pennywise blieben seine Signatur, obwohl sie optisch und inhaltlich kaum weiter voneinander entfernt sein könnten. Und doch zeigen alle drei, was Tim Curry einzigartig machte: die Fähigkeit, selbst hinter Maske, Prothesen und Schminke eine unverwechselbare Persönlichkeit zum Vorschein zu bringen.
(mia/spot)