Verleiher gefunden: "You Can See Everything" kommt nach Deutschland

"You Can See Everything" über Elizabeth Holmes hat in den USA einen historischen Kinostart hingelegt. Nun hat Sony die Rechte für Deutschland und Österreich erworben.

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Die Doku "You Can See Everything" hat einen deutschen Verleih gefunden.
Die Doku "You Can See Everything" hat einen deutschen Verleih gefunden. Foto: A24

"You Can See Everything" kommt nach Deutschland: Die gehypte Dokumentation über die verurteilte Unternehmerin Elizabeth Holmes (42) hat einen internationalen Verleih gefunden. Sony Pictures hat sich laut "Deadline" die Rechte für Deutschland und Österreich sowie zahlreiche weitere Märkte gesichert.

In den USA läuft der Film seit dem 16. Oktober und hat sich innerhalb weniger Tage zu einem der meistdiskutierten Kinostarts des Jahres entwickelt. Die Dokumentation von Nathan Fielder (43) und Lance Oppenheim (30) verbindet einen ungewöhnlich direkten Zugang zu Holmes mit einer Erzählweise, die klassische Grenzen zwischen Dokumentation, Inszenierung und Manipulation verschwimmen lässt. Das Ergebnis begeistert Kritikerinnen und Kritiker - und könnte auch bei den kommenden Oscars eine Rolle spielen.

Darum geht es in "You Can See Everything"

Im Mittelpunkt steht Elizabeth Holmes, die Gründerin des einst hochgehandelten Bluttest-Unternehmens Theranos. Sie versprach, mit wenigen Tropfen Blut zahlreiche medizinische Untersuchungen durchführen zu können. Das Unternehmen sammelte dafür Milliarden an Investitionen ein, bevor sich herausstellte, dass die Technologie nicht wie behauptet funktionierte. 2023 wurde Holmes wegen Betrugs verurteilt und zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt.

Die Filmemacher begleiteten Holmes über einen Zeitraum von drei Jahren. Ausgangspunkt sind die 34 Tage vor ihrem Haftantritt im Mai 2023. Holmes gewährte dem Team ungewöhnlich umfassende Einblicke in ihr Privatleben mit ihrem Partner Billy Evans und ihren beiden Kindern. Der Film zeigt dabei nicht nur die Unternehmerin in ihrem familiären Umfeld, sondern wirft auch Fragen nach ihrer Selbstwahrnehmung und ihrem Umgang mit der Wahrheit auf.

Die knapp drei Stunden lange Dokumentation setzt dabei auf eine ungewöhnliche Mischung aus Beobachtung, psychologischem Porträt und filmischer Selbstreflexion. Der Film stellt auch die Frage, wie viel Vertrauen ein Publikum einer Person entgegenbringen kann, die wegen Betrugs verurteilt wurde - und wie sich Wahrheit und Inszenierung in einer solchen Geschichte voneinander trennen lassen.

Hervorragende Kritiken und historische Zahlen

Schon bei seiner Premiere beim Telluride Film Festival im September sorgte "You Can See Everything" für Aufsehen. Der Film war zunächst als geheime Vorführung angekündigt worden. Anschließend ging der Trailer mit mehr als 18 Millionen Aufrufen viral. Nach dem Kinostart in Nordamerika folgte ein außergewöhnliches Ergebnis: Am ersten Wochenende spielte die Dokumentation rund 15 Millionen US-Dollar ein - und das auf lediglich 855 Leinwänden.

Damit gelang ihr der erfolgreichste Start einer nicht-musikalischen Dokumentation in Nordamerika seit mehr als 20 Jahren. Zuletzt hatte Michael Moores "Fahrenheit 9/11" im Jahr 2004 ein höheres Eröffnungswochenende erreicht. Zudem verzeichnete "You Can See Everything" laut Produktionsstudio A24 mehr als 2.000 ausverkaufte Vorstellungen. Über 70 Prozent des Publikums waren jünger als 35 Jahre.

Auch die Kritiken fallen außergewöhnlich positiv aus. Auf der Bewertungsplattform Rotten Tomatoes liegt der Film bei rund 98 Prozent positiven Kritiken. Bei Metacritic erreichte er zwischenzeitlich einen Wert von 99 von 100 Punkten - ein außergewöhnlich hoher Wert, der auch in der Filmgeschichte Seltenheitswert hat. Auf Letterboxd wird die Dokumentation ebenfalls mit einer Spitzenwertung von rund 4,7 von fünf Punkten bewertet.

Wird die Doku zum Oscar-Favoriten?

Angesichts der Kritiken und des Publikumserfolgs wird bereits über die Chancen bei den kommenden Academy Awards spekuliert. Die "Los Angeles Times" sieht den Film als ernstzunehmenden Kandidaten, der die Oscar-Jury nicht ignorieren könne. Das Produktionsstudio A24 bewirbt "You Can See Everything" in seiner Oscar-Kampagne unter anderem für den besten Film und den besten Dokumentarfilm sowie in mehreren weiteren Kategorien.

Ob daraus tatsächlich Nominierungen werden, ist noch offen. Die Oscar-Saison hat gerade erst begonnen, und eine starke Kritikerresonanz ist keine Garantie für einen Preis. Der außergewöhnliche Kinostart, die Aufmerksamkeit in sozialen Medien und die Diskussionen über die Grenzen des Dokumentarfilms verschaffen der Produktion jedoch eine Ausgangslage, die für eine Dokumentation ungewöhnlich stark ist.

Für das deutsche Publikum heißt es vorerst warten. Mit Sony steht nun ein Rechteinhaber für den hiesigen Markt fest. Wann "You Can See Everything" hierzulande ins Kino kommt, ist bislang nicht bekannt.

(ncz/spot)