Von Erlangen nach Hollywood: Das Leben der Pfarrerstochter Elke Sommer

1958 wurde Elke Schletz in Italien zur Schönheitskönigin gekürt. Wenige Jahre später hielt sie als Elke Sommer einen Golden Globe in den Händen. Ein Blick auf das Leben einer Frau, die eigentlich Dolmetscherin werden wollte.

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Elke Sommer drehte 1967 in Hollywood.
Elke Sommer drehte 1967 in Hollywood. Foto: imago/Cinema Publishers Collection

Elke Sommer ist am 28. Oktober im Alter von 85 Jahren in ihrem Zuhause in Bel Air gestorben. Sie gehörte zu den wenigen deutschen Schauspielerinnen, die es in den 1960er-Jahren zum Hollywood-Star schafften. Rund 100 Film- und Fernsehrollen hat sie gespielt. Daneben stand sie auf Theaterbühnen und veröffentlichte Schallplatten, außerdem malte sie.

Geboren wurde sie am 5. November 1940 in Berlin als Elke Schletz. Sie war das einzige Kind des evangelischen Pfarrers Peter Schletz und seiner Frau Renate Topp. 1942 wurde die Familie ins fränkische Niederndorf evakuiert, aufgewachsen ist sie in Erlangen. Mit 14 Jahren verlor sie ihren Vater.

Eine Pfarrerstochter mit Sprachtalent

Nach Hollywood strebte die junge Frau zunächst gar nicht. Sie wollte Dolmetscherin werden und ließ sich während eines Au-pair-Aufenthalts in London in Fremdsprachen ausbilden. Sechs Sprachen beherrschte sie am Ende. Autoren wie Oswalt Kolle (1928-2010) bezeichneten sie als "Erlanger Pfarrerstochter". 1989 erschien ihre Autobiografie unter dem Titel "Unter uns Pfarrerstöchtern".

Den Grundstein für die Karriere legte ein Urlaub in Italien. 1958 wurde sie in einem Café in Viareggio zur "Miss Viareggio" gewählt, damals noch unter ihrem Geburtsnamen. Wegen der Fotos, die daraufhin erschienen, holte sie Regisseur Vittorio De Sica (1901-1974) nach Rom. Noch im selben Jahr spielte sie in ihrem ersten italienischen Film und nahm den Künstlernamen Sommer an.

Golden Globe mit 23 Jahren

1959 bekam sie vom Berliner Produzenten Artur Brauner (1918-2019) einen Dreijahresvertrag. In ihrem ersten deutschen Film "Das Totenschiff" spielte sie an der Seite von Horst Buchholz (1933-2003) eine Bahnwärterstochter. Schon im nächsten Projekt, "Am Tag, als der Regen kam", gab sie die Gangsterbraut Ellen. Damit war ein Rollentyp geboren, der ihr Image als Sexsymbol jahrelang prägte.

1962 folgte der Wechsel nach Hollywood. Für "Der Preis" mit Paul Newman (1925-2008) erhielt sie 1964 den Golden Globe als beste Nachwuchsdarstellerin. Im selben Jahr drehte sie mit Peter Sellers (1925-1980) die Blake-Edwards-Komödie "Ein Schuß im Dunkeln" aus der "Pink Panther"-Reihe. Auch mit Bob Hope (1903-2003) stand sie vor der Kamera. Für "The Wicked Dreams of Paula Schultz" sollte sie als DDR-Stabhochspringerin über die Berliner Mauer springen. Dafür trainierte sie 1967 wochenlang mehrere Stunden täglich an der UCLA.

Privat war sie in dieser Zeit mit dem Journalisten und Schriftsteller Joe Hyams (1923-2008) verheiratet, 1964 zog sie nach Beverly Hills. Hyams fotografierte sie 1970 für den "Playboy". 1981 wurde die Ehe geschieden.

Muppets, Malerei und Theater

Das US-Fernsehpublikum kannte sie aus zahlreichen Shows. Mehrfach war sie Gast bei Dean Martin (1917-1995), 1979 trat sie in der "Muppet Show" auf. Ab 1970 spielte sie Theater, auf US-Bühnen ebenso wie bei Tourneen durch Deutschland oder am Hamburger St. Pauli Theater. Als Sängerin blieb der große Durchbruch aus, auf einer Folk-Platte sang sie immerhin in acht Sprachen.

Seit 1966 malte Elke Sommer und zeigte ihre Bilder in Ausstellungen in mehreren Ländern. Signiert hat sie mit "E. Schwartz". Vor der Kamera war sie ab den 1980er-Jahren vor allem in deutschen Fernsehproduktionen zu sehen. Ihren letzten Kinofilm drehte sie 2010 mit "Das Leben ist zu lang" von Dani Levy (68). Zu ihren Auszeichnungen zählen zwei Bambis und der Bayerische Verdienstorden, den sie 2019 erhielt.

Das große Glück mit Wolf Walther

Ihren zweiten Ehemann, Wolf Walther, lernte sie in New York kennen. Er leitete dort ein Luxushotel, sie stand auf einer Theaterbühne der Stadt.

1993 heirateten die beiden. Jahrzehntelang lebten sie abwechselnd in Los Angeles und im fränkischen Marloffstein. 2025 zogen sie ganz in die USA, weil Walthers Ärzte dort waren und die Reisen zu beschwerlich wurden, wie die "Bild" später berichtete. Walther war an Prostatakrebs erkrankt.

Die letzten Monate

Zu ihrem 85. Geburtstag sprach Sommer in der Zeitschrift "Bunte" offen über die schweren Jahre. Sie selbst musste wegen eines Infekts in Erlangen ins Krankenhaus. "Ich war immer lebenslustig. Aber ich habe zuletzt zu viel Schlechtes erlebt durch diese Krankheiten", sagte sie. Ihr Wunsch für die Zukunft: "Der liebe Gott soll mich nehmen, wenn mein Mann mich nicht mehr braucht."

Am 22. Juli 2026 starb Wolf Walther mit 77 Jahren. Laut seinem Sohn Sebastian schlief er friedlich im Kreis der Familie ein. Sommer sagte der "Bild": "Mein Herz ist gebrochen." Gut drei Monate später folgte sie ihm. Nach Angaben der Zeitung starb sie an Herzinsuffizienz. Beigesetzt werden wolle sie im Familiengrab in Marloffstein, wo bereits ihre Eltern ruhen.

(ili/spot)