Vor Coming-out: Thomas Hitzlsperger über verletzende Kabinenmomente

Thomas Hitzlsperger hat schon oft über seinen schwierigen Weg zum Coming-out gesprochen. In einem neuen Podcast erzählt der frühere Fußball-Nationalspieler nun von konkreten Erlebnissen in der Kabine, die seine damaligen Ängste zusätzlich verstärkten.

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Thomas Hitzlsperger äußerte sich 2014 erstmals über seine Homosexualität.
Thomas Hitzlsperger äußerte sich 2014 erstmals über seine Homosexualität. Foto: imago images/Sven Simon

Wenn unter seinen Mannschaftskollegen über Homosexualität gesprochen wurde, hörte Thomas Hitzlsperger (44) offenbar besonders genau hin. Im NDR-Podcast "Wie geht's? mit Robin Gosens" erinnert sich der ehemalige Nationalspieler an zwei Situationen, die ihn rückblickend "fast schon schockiert" hätten. Seine Mitspieler wussten damals noch nichts von seiner Homosexualität.

In einer Kabine sei damals die Frage aufgekommen, ob es schwule Fußballprofis gebe und wie die Mannschaft reagieren würde, wenn einer von ihnen homosexuell wäre. Vor allem die Wortführer im Team hätten dabei großen Einfluss gehabt. Einer von ihnen habe etwas gesagt, das ihn "echt verletzt" habe, erzählt der heutige TV-Experte und Funktionär, ohne näher ins Detail zu gehen. Für Hitzlsperger sei danach jedenfalls klar gewesen: "Ich würde den Teufel tun und hier was sagen."

Namen nennt Hitzlsperger nicht. Zugleich betont er, dass sich seine Erfahrungen nicht auf den gesamten Profifußball übertragen ließen. Heute erlebe er viele Menschen im deutschen Fußball als tolerant. Dennoch sieht er gerade innerhalb einer Mannschaft besondere Hürden: Spieler ziehen sich gemeinsam um, duschen zusammen und teilen damit einen vergleichsweise intimen Raum. Vorurteile und mangelnde Aufklärung könnten in diesem Umfeld zusätzliche Unsicherheiten schaffen.

Bei Lazio Rom wurde die Belastung körperlich

Über seinen jahrelangen inneren Konflikt und die schwierige Zeit bei Lazio Rom hat Hitzlsperger bereits mehrfach gesprochen. Im Gespräch mit Gosens schildert er nun jedoch besonders anschaulich, wie sehr ihn die Situation damals auch körperlich belastete.

Nach seinem Wechsel vom VfB Stuttgart nach Rom Anfang 2010 hätten ihn Mannschaftskollegen etwa nach Frau und Kindern gefragt. Bei einer anderen Gelegenheit seien Frauen eingeladen worden. Hitzlsperger habe sich in solchen Momenten immer wieder gefragt: "Wie kommst du aus der Nummer raus?"

Die innere Anspannung sei schließlich so groß geworden, dass er plötzlich stark zu schwitzen begonnen habe - teilweise sogar beim gemeinsamen Mittagessen. Daraus habe sich eine regelrechte Angst entwickelt, die Reaktion seines Körpers nicht mehr kontrollieren zu können. Gleichzeitig habe er das Gefühl gehabt, Rom verlassen zu müssen. Seinem Trainer zu erklären, dass er unter "massiven Ängsten" leide und zudem schwul sei, sei für ihn damals jedoch keine realistische Option gewesen. Das halbe Jahr bei Lazio sei deshalb "echt die Hölle" gewesen.

Coming-out erst nach dem Karriereende

In Rom sei ihm schließlich klar geworden, dass er seine Homosexualität nicht länger verdrängen könne. Erste Gespräche mit Freunden und Familienmitgliedern verliefen positiv. Ein öffentliches Coming-out während seiner aktiven Karriere konnte sich Hitzlsperger dennoch nicht vorstellen. Zu groß sei seine Angst gewesen, anschließend auf dem Platz unter dem zusätzlichen Druck zu scheitern.

Über seine Zeit bei Lazio und den inneren Konflikt vor seinem Coming-out hat Hitzlsperger in den vergangenen Jahren mehrfach gesprochen, unter anderem im Zusammenhang mit seinem 2024 erschienenen Buch "Mutproben". Auch dass die Monate in Rom für ihn einen Wendepunkt darstellten, hatte er bereits erzählt. 2013 beendete Hitzlsperger seine aktive Karriere. Im Januar 2014 machte er seine Homosexualität in einem Interview mit der "Zeit" öffentlich.

(dr/spot)