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„Wind River“: Bemerkenswerter Krimi-Thriller in der Schneehölle

Wusstest Du schon...

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In „Wind River“ trifft ein vielversprechender Cast auf eine schonungslose Handlung aus der Feder eines talentierten Drehbuchautors/Regisseurs. Klingt wie ein absoluter Must-See-Film, für die in Deutschland nicht rar gesäten Krimi-Fans ist es das auch durchaus. Doch wer sich auf die eisige Hölle einlässt, die „Wind River“ den Zuschauern bietet, bekommt nicht nur harte Krimi-Kost vorgesetzt. Nein, zusätzlich wird das Schicksal vieler US-Ureinwohner kritisch thematisiert – und einem ganz nebenbei der hiesige Winter beim Verlassen des Kinos wie die angenehmste Sommernacht vorkommen.

Großwildjagd wird zur Mörderjagd

Auf der Jagd nach Pumas findet Fährtenleser Cory Lambert (Jeremy Renner) in der schroffen Wildnis des vereisten Indianer-Reservats „Wind River“ die Leiche einer jungen Frau. Sofort fühlt er sich an seine eigene Tochter erinnert, die drei Jahre zuvor unter ähnlichen Umständen ums Leben gekommen ist. Zur Ermittlung schickt die Bundespolizei Jane Banner (Elizabeth Olsen) an den Tatort, eine junge, noch unerfahrene FBI-Agentin aus Florida.

Weil sie weder mit der unwirklichen Witterung noch den Regeln des Reservats vertraut ist, engagiert sie Lambert als Führer, um ihr bei den Ermittlungen zu helfen. Je näher die beiden der Auflösung des Falls kommen, desto mehr wird ihnen bewusst, dass sie es mit einem Gegenspieler zu tun haben, der vor nichts zurückschreckt, um seine Haut zu retten.

Lebensfeindliche Landschaft

Mit „Wind River“ feiert Taylor Sheridan sein Regie-Debüt. Bislang machte er sich vor allem und ausgesprochen eindrucksvoll als Drehbuchautor einen Namen. Er schrieb das Skript für den Oscar-nominierten Neo-Western „Hell Or High Water“ und schickte die von Emily Blunt, Josh Brolin und Benicio del Toro gespielten Figuren aus „Sicario“ ins erbarmungslose Grenzgebiet zwischen den USA und Mexiko. Auch bei „Wind River“ gelingt es ihm wieder, dieses Mal direkt hinter der Kamera, dem Ort der Handlung Charakter zu verleihen, die unwegsame Natur förmlich in die dritte Hauptfigur neben Renner und Olsen zu verwandeln.

„Wind River“ sieht sich aber als mehr als bloße Krimi-Spannung. Wie mit „Sicario“ und „Hell Or High Water“ nutzt Sheridan seinen Crime-Thriller erneut, um auf soziale Missstände hinzuweisen. Und wie er das tut: Einen frustrierenden Ort als das Indianer-Reservat „Wind River“ hätte er sich wohl nicht aussuchen können. Laut eines Berichts der „New York Times“ liegt die Arbeitslosenquote unter den knapp 14.000 Einwohnern bei unfassbaren 80 Prozent, Drogen, Alkohol und Verbrechen gehören bei den vielen Menschen ohne Perspektive zur Tagesordnung. Die Lebenserwartung dort liegt bei 49 Jahren – 20 weniger, als im Irak. „Das Glück lebt nicht hier draußen. Das Glück lebt in der Stadt“, stellt eine vom Leben gezeichnete Figur in „Wind River“ fest.

Große Fußstapfen im Schnee

Nicht zuletzt wegen seines eisigen Settings fallen einem als Referenz-Streifen etwa Christopher Nolans „Insomnia“ oder der französische Film „Die purpurnen Flüsse“ mit Jean Reno und Vincent Cassel ein. Auch was die gemächliche Geschwindigkeit angeht, mit der sich die vielen Irrungen und Wirrungen um den Mordfall auflösen, gleicht „Winder River“ diesen beiden Krimi-Perlen. Was aber nicht heißen soll, dass sich Taylor Sheridans Film nervenaufreibende Action-Sequenzen oder schwer zu ertragende Gewaltexzesse sparen würde. Beides wird durch die pointierte, unvermittelte Darstellung in „Wind River“ umso realistischer, qualvoller, „gut-wrenching“, würde der Amerikaner sagen. Also mitunter nur etwas für einen starken Magen.

Ein gebrochener Mann mit einer Aufgabe

Vor allem Jeremy Renner als gebrochener Mann, als Vater einer auf tragische Weise ums Leben gekommener Tochter, darf sein Talent auf die Leinwand bringen. Etwas ins Hintertreffen gerät hier Elizabeth Olsen, die als naive Agentin frisch aus der wohlig warmen FBI-Schule stark an Jodie Foster alias Clarice Starling aus „Das Schweigen der Lämmer“ erinnert – wenn auch bei Weitem nicht derart Award-würdig. Unbedingt erwähnt werden muss Gil Birmingham, ein Nachfahre des Comanchen-Stammes, der als Vater des zu Beginn des Films gefundenen Opfers herzzerreißend gut spielt.

Fazit:

In seiner US-Heimat ist „Wind River“ bereit im vergangenen Jahr gestartet – und das leider nicht sonderlich erfolgreich. Auch hierzulande hat der Crime-Thriller trotz spannender Handlung und tollem Cast einen schweren Stand, wagt sich quasi als einziger ernstzunehmender Spielfilm in die Wahlen mit „Fifty Shades of Grey – Befreite Lust“ – und damit unweigerlich in die Kino-Opposition. Doch Deutschland ist Krimi-Land, und wer in diesem Genre von der „Tatort“-Fülle noch nicht übersättigt ist und einen Mordfall in ungewohntem Setting nachgehen will, der sollte „Wind River“ unbedingt eine Chance geben.

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