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# Zehn Jahre ohne Manfred Krug: Ein Dickschädel mit Seele und Herz
- URL: https://www.viply.de/news/zehn-jahre-ohne-manfred-krug-ein-dickschadel-mit-seele-und-herz/
- Published: 2026-10-21T04:15:44.000Z
- Updated: 2026-10-21T04:16:04.000Z
- Description: Manfred Krug gehörte zu den prägenden Gesichtern des deutschen Fernsehens. Als Schauspieler und Musiker feierte er in Ost und West große Erfolge. Am 21. Oktober jährt sich sein Tod zum zehnten Mal.
- Author: Redaktion
- Tags: Promi News, #spot

Manfred Krug (1937-2016) gehörte zu den wenigen Künstlern, die sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik große Erfolge feierten. Mit seiner unverwechselbaren Stimme, seinem Humor und seiner direkten Art prägte er über Jahrzehnte die deutsche Unterhaltungslandschaft. Ob als Schauspieler, Sänger oder Autor - Krug war vielseitig und nahm selten ein Blatt vor den Mund. Seine offenen Worte sorgten dabei nicht immer für Zustimmung.

Vor zehn Jahren, am 21\. Oktober 2016, starb Manfred Krug im Alter von 79 Jahren. Sein Leben führte ihn durch die NS-Diktatur, die DDR und das wiedervereinigte Deutschland.

## Vom Stahlschmelzer zum Schauspieler

Geboren wurde Krug 1937 in Duisburg. Sein Vater war Eisenhütteningenieur, dessen berufliche Stationen auch die Wohnorte der Familie bestimmten. Nach mehreren Umzügen und der Trennung seiner Eltern zog Krug 1949 als 12-Jähriger von Duisburg zu seinem Vater in die DDR.

Den Wechsel empfand er rückblickend keineswegs als Nachteil. "Ich habe das damals nicht als unangenehm empfunden", [erzählte er später dem "Spiegel".](https://www.spiegel.de/politik/ein-schuss-vor-den-bug-a-6c29284c-0002-0001-0000-000008761473) Im Westen habe er die sozialen Unterschiede deutlich gespürt: "Fabrikantensöhne fuhren mit dem Tretroller, und ich musste mir aus zwei Paar alten Socken einen Hockeyball zusammendrehen." In der DDR seien die Lebensverhältnisse dagegen ähnlicher gewesen, was ihm damals besser gefallen habe.

Krug besuchte mehrere Schulen, verließ sie jedoch zunächst ohne Abschluss. Als Jugendlicher begann er eine Lehre als Stahlschmelzer und arbeitete anschließend mehrere Jahre im Stahlwerk, wo er sich auch seine markante Narbe an der Stirn zuzog. Nebenbei holte er an der Abendschule sein Abitur nach.

Entgegen den Erwartungen seines Vaters entschied er sich schließlich für die Schauspielerei und ging nach Berlin. Wegen seiner unangepassten Art musste er die Schauspielschule allerdings vorzeitig verlassen. Anschließend erhielt er ein Engagement am renommierten Berliner Ensemble. Danach wandte er sich dem Film zu. Mit "Auf der Sonnenseite" gelang ihm 1962 der Durchbruch. In dieser Zeit lernte er auch den Schriftsteller Jurek Becker (1937-1997) kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband.

## Zwischen Erfolg und Konflikten mit der DDR-Führung

Krug entwickelte sich zu einem der gefragtesten Schauspieler der DDR und wirkte in mehr als 60 Filmen mit. Häufig verkörperte er sozialistische Helden, Parteifunktionäre oder Arbeiter. Die Rollen nahm man ihm auch deshalb ab, weil er selbst lange an die Idee des Sozialismus glaubte. Besonders geschätzt wurde er für seinen Humor und seine unangepasste Art.

Als im August 1961 die Berliner Mauer errichtet wurde, hielt sich Krug gerade zu Besuch in Duisburg auf. Obwohl er im Westen hätte bleiben können, kehrte er in die DDR zurück. Dort genoss er zunächst hohes Ansehen. "Wir brauchen viele Krüge", soll Erich Honecker 1972 gesagt haben.

Doch schon zuvor war Krug mit den DDR-Behörden in Konflikt geraten. 1966 spielte er in Frank Beyers Film "Spur der Steine" den Zimmermann Hannes Balla, der beim Aufbau des Sozialismus mit Parteifunktionären und der Bürokratie aneinandergerät. Die Rolle brachte ihm viel Anerkennung ein, bei der DDR-Führung stieß der Film dagegen auf Ablehnung. Kurz nach seiner Premiere wurde "Spur der Steine" aus den Kinos genommen und durfte erst 1989 wieder öffentlich gezeigt werden.

Für Krugs Karriere hatte das Verbot zunächst keine größeren Folgen. Möglicherweise schützte ihn seine große Popularität. Denn neben der Schauspielerei hatte er sich längst auch als Sänger einen Namen gemacht. Er schrieb eigene Chansons, begeisterte sich für Jazz und stand ab 1970 in George Gershwins Oper "Porgy and Bess" an der Komischen Oper Berlin auf der Bühne.

Bei seinen Konzerten zeigte sich Krug oft kritischer als in seinen Filmrollen und scheute auch vor Anspielungen auf die politische Führung nicht zurück. Der "Spiegel" schrieb später, das Publikum habe dort den "unverstellten, den unzensierten, unbeugsamen Künstler" erlebt.

## Warum Manfred Krug die DDR verließ

Ende 1976 änderte sich seine Situation grundlegend. Gemeinsam mit zahlreichen anderen Künstlern unterzeichnete Krug eine Petition gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann (89). Daraufhin geriet er zunehmend unter Druck. Konzerte wurden abgesagt, neue Rollenangebote blieben aus. Im Frühjahr 1977 stellte er schließlich einen Ausreiseantrag.

Die DDR-Führung versuchte, den populären Künstler zum Bleiben zu bewegen. Kulturminister Hans-Joachim Hoffmann soll ihm sogar weitreichende Reisefreiheiten angeboten haben. Doch Krug hielt an seinem Entschluss fest. Er wollte die DDR verlassen, "ohne Rücksicht auf Verluste", wie er später selbst sagte.

Dabei verfügte er über ein Druckmittel: Ein Treffen zwischen Parteifunktionären und Unterstützern Wolf Biermanns in seiner Villa hatte er heimlich auf Tonband aufgezeichnet. Gegenüber dem Politbüromitglied Werner Lamberz soll Krug angekündigt haben, die Aufnahmen im Westen veröffentlichen zu lassen, falls er verhaftet würde.

Am 20\. Juni 1977 verließ Krug gemeinsam mit seiner Ehefrau Ottilie und den drei Kindern die DDR. Er durfte sein Vermögen, seine Antiquitäten und seine Oldtimer-Sammlung mitnehmen. Auch seine Villa in Berlin-Pankow blieb zunächst im Familienbesitz.

## Neue Erfolge mit "Liebling Kreuzberg" und "Tatort"

Im Westen gelang Krug ein erfolgreicher beruflicher Neuanfang. Auch persönlich fand er sich schnell zurecht. Heimat war für ihn dort, "wo man mir gestattet zu wählen, ob es meine Heimat bleiben soll oder nicht", wie er einmal erklärte.

Als Fernfahrer Franz Meersdonk stand Krug ab 1978 in der Serie "Auf Achse" vor der Kamera. In den 1980er-Jahren war er zudem in der "Sesamstraße" zu sehen. Einen weiteren großen Erfolg feierte er mit "Liebling Kreuzberg". Darin spielte er den eigenwilligen Rechtsanwalt Robert Liebling, der mit Dreitagebart, Schlapphut, Zigarre und seiner Vorliebe für Wackelpudding zum Publikumsliebling wurde. Die Drehbücher schrieb sein enger Freund Jurek Becker, der die DDR kurz nach ihm verlassen hatte.

Ab 1984 war Krug zudem als Hamburger Kommissar Paul Stoever im "Tatort" zu sehen. In insgesamt 41 Folgen ermittelte er bis 2001, ab 1986 gemeinsam mit Charles Brauer (91) als Peter Brockmöller. Das Duo löste zusammen 38 Fälle. Zu ihren Markenzeichen gehörten die gemeinsamen Gesangseinlagen. Auch Krugs eigene Musikkarriere, die nach seinem Wechsel in den Westen zunächst ins Stocken geraten war, gewann wieder an Fahrt.

## Warum er seine Telekom-Werbung später bereute

Seine große Bekanntheit machte Krug auch für die Werbebranche interessant. Besonders bekannt wurde seine Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom. In mehreren Werbespots warb er für die T-Aktie, die 1996 an die Börse ging. Rund 1,9 Millionen Menschen kauften die Aktie, viele von ihnen erlitten nach dem späteren Kurssturz erhebliche Verluste.

Krug bereute seine Beteiligung an der Kampagne und bezeichnete sie später als seinen "größten beruflichen Fehler". Im Jahr 2007 [entschuldigte er sich im "stern"](https://www.stern.de/lifestyle/leute/schauspieler-krug-entschuldigt-sich-bei-t-aktionaeren-3360544.html): "Ich entschuldige mich aus tiefstem Herzen bei allen Mitmenschen, die eine von mir empfohlene Aktie gekauft haben und enttäuscht worden sind."

Seine eigenen T-Aktien habe er nie verkauft. "Ich betrachte es als eine Art Selbstbestrafung", erklärte er. Es seien die einzigen Aktien gewesen, die er jemals gekauft habe.

## Sein Privatleben und die letzten Jahre

Neben der Schauspielerei und Musik widmete sich Krug zunehmend dem Schreiben. Er verfasste Songtexte, Gedichte, Kurzgeschichten und Tagebücher, in denen er auch persönliche Erlebnisse verarbeitete. Nach dem Tod seines engen Freundes Jurek Becker im März 1997 hielt er darin fest: "Ich sitze allein in meiner Bude, mir laufen die Tränen runter. Ich genieße es. Welche wunderbare Eigenschaft an uns Menschen."

2001 zog sich Krug weitgehend aus dem Filmgeschäft zurück. Er wollte mehr Zeit mit seiner Familie verbringen, schreiben, singen und seinen Enkelkindern vorlesen.

Auch sein Privatleben geriet in die Schlagzeilen. Obwohl er seit 1963 mit seiner Frau Ottilie verheiratet war, führte er über rund zehn Jahre eine weitere Beziehung mit der Schauspielerin Petra Duda. Aus dieser Verbindung ging eine Tochter hervor. Seine Ehe mit Ottilie bestand trotz der Affäre fort. In einem gemeinsamen Statement erklärten sie damals: "Wir haben alle Kinder lieb, eheliche wie uneheliche."

Manfred Krug hatte immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Bereits 1997, kurz nach seinem 60\. Geburtstag, erlitt er einen schweren Schlaganfall. 2014 musste er sich einer Herzoperation unterziehen. Im Gespräch mit dem "Spiegel" blickte er selbstkritisch auf seinen Lebensstil zurück. Er habe "nicht sehr ordentlich gelebt, Zigarren geraucht, öfter mal einen gezwitschert". Da könne man "nicht viel erwarten".

Am 21\. Oktober 2016 starb Manfred Krug im Kreis seiner Familie an einer Lungenentzündung. Mit seinen Rollen in "Liebling Kreuzberg", "Auf Achse" und dem "Tatort" sowie seiner Musik hinterließ er ein umfangreiches künstlerisches Werk. In Erinnerung bleibt auch ein Mann, der mit seiner direkten Art immer wieder aneckte und sich nur ungern Vorschriften machen ließ.

(ln/obr/spot)