GZSZ-Star Anne Menden: "Ich habe an dem Tag so viel geweint"

Eine erfundene Meldung über den Verlust ihres Kindes, Drohungen, der Gang zur Polizei: Mit Serienkollegin Josefin Bressel spricht die Emily-Darstellerin über digitale Gewalt im Netz und darüber, warum die RTL-Serie jetzt mit HateAid zusammenarbeitet.

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GZSZ-Schauspielerin Anne Menden in roter Jacke vor grünem Hintergrund
Foto: RTL / Anna Riedel

Ein Foto, das sie im Krankenhaus zeigen sollte, dazu die Behauptung, sie habe ihr Kind verloren: Anne Menden hat erlebt, wie weit digitale Gewalt gehen kann. „Bei mir wurde ein Foto genommen und ich wurde damit im Krankenhaus dargestellt. Dazu hieß es, wir hätten unser Kind verloren“, erzählt die Schauspielerin, die seit über 20 Jahren Emily in „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ spielt und immer wieder mit Anfeindungen konfrontiert ist.

Anlass ist eine Geschichte in der Serie: Bei GZSZ erlebt Alicia, gespielt von Josefin Bressel, digitale Gewalt. Auch Josefin Bressel selbst und ihre Kollegin kennen das Thema aus eigener Erfahrung. Gemeinsam mit HateAid möchte GZSZ daher für digitale Gewalt sensibilisieren und Betroffene ermutigen, sich Hilfe zu holen. Die Serie läuft montags bis freitags um 19:40 Uhr bei RTL und jederzeit eine Woche vorab auf RTL+.

Die Falschmeldung über Anne Menden erreichte auch ihre Familie. „Der Papa von Gustav wurde am Arbeitsplatz angesprochen, wie schlimm das wäre.“ Die Schauspielerin sagt: „Viele können gar nicht auseinanderhalten: Ist das jetzt ein Deepfake oder nicht? Und was löst du da für Ängste in Menschen aus?“ Die Situation habe sie stark belastet: „Ich habe an dem Tag so viel geweint und habe nächtelang nicht schlafen können, weil mich das richtig verfolgt hat.“

"Jetzt ist eine Grenze überschritten"

Josefin Bressel
Foto: RTL / Anna Riedel

Auch Josefin Bressel wurde Ziel einer erfundenen Meldung. Auf Facebook stieß die Berlinerin auf die Falschmeldung, sie sei nach langer Krankheit verstorben. Ihre Reaktion: „Jetzt ist eine Grenze überschritten. Das betrifft das wahre Leben, damit macht man einfach keine Witze.“ Josefin Bressel findet: „Das haben viele noch nicht begriffen.“

Polizei, Kameras und Alarmsysteme

Anne Menden
Foto: RTL / Anna Riedel

Bei Anne Menden hatten auch persönliche Bedrohungen konkrete Folgen. „Es gab kürzlich bei Gustav und mir einen Fall, wo wir tatsächlich auch zur Polizei gehen mussten“, erzählt sie. Danach installierten die beiden Kameras und Alarmsysteme. Rund drei Wochen lang fuhr Anne Menden nicht allein zur Arbeit, der Live-Standort war eingeschaltet, mit dem Hund ging es morgens erst raus, wenn es hell war. „Das hat unseren Alltag in der freien Bewegung eingeschränkt.“

Für beide Schauspielerinnen ist klar: Wer in der Öffentlichkeit steht, muss Beleidigungen nicht hinnehmen. Anne Menden sagt: „Ich habe nirgendwo einen Vertrag unterschrieben, dass man mich beleidigen darf.“ Josefin Bressel kritisiert, wie kompliziert das Melden problematischer Inhalte sein kann: „Wie kann das sein, dass eine Meldung so kompliziert ist?“

Betroffene können sich an HateAid wenden. Die Organisation bietet eine kostenlose und unverbindliche Betroffenenberatung, Informationen und Kontaktmöglichkeiten gibt es unter hateaid.org/betroffenenberatung. Josefin Bressel verbindet die Zusammenarbeit mit einer klaren Botschaft: „Es gibt digitale Gewalt im Netz, man kann dagegen vorgehen, man muss sich nicht schämen.“ Anne Menden sagt: „Ihr seid nicht allein und habt jedes Recht, euch zu wehren.“

Das Doppelinterview

Josefin Bressel
Foto: RTL / Anna Riedel

Im Interview sprechen Anne Menden und Josefin Bressel über Morddrohungen, gefälschte Bilder, den Umgang mit Hasskommentaren und darüber, was soziale Netzwerke ändern sollten.

Welche Formen digitaler Gewalt habt ihr selbst erlebt?

Anne Menden: Ich glaube, ich hatte schon die ganze Bandbreite: von sexuellen Übergriffen im Netz bis hin zu Morddrohungen. Dazu kommen manipulierte Bilder und erfundene Geschichten über uns.

Josefin Bressel: Wir werden ziemlich häufig mit unterschiedlichen Formen digitaler Gewalt konfrontiert. Vieles davon begegnet mir auf Facebook. Da tauchen auch gefälschte Bilder und Deepfakes auf.

Über euch wurden auch falsche Todes- und Unglücksmeldungen verbreitet. Was ist passiert?

Anne Menden: Bei mir wurde ein Foto genommen und ich wurde damit im Krankenhaus dargestellt. Dazu hieß es, wir hätten unser Kind verloren. Auf einmal kamen Nachrichten von Bekannten und Followern, die uns ihr Beileid aussprachen. Der Papa von Gustav wurde am Arbeitsplatz angesprochen, wie schlimm das wäre. Viele können gar nicht auseinanderhalten: Ist das jetzt ein Deepfake oder nicht? Und was löst du da für Ängste in Menschen aus? Ich habe an dem Tag so viel geweint und habe nächtelang nicht schlafen können, weil mich das richtig verfolgt hat.

Josefin Bressel: Das Krasseste, was ich gelesen habe, war die Meldung, ich sei nach langer Krankheit verstorben. Da habe ich gedacht: Jetzt ist eine Grenze überschritten. Das betrifft das wahre Leben, damit macht man einfach keine Witze. Das haben viele noch nicht begriffen. Und schämen muss man sich für sowas überhaupt nicht.

Wie wirken sich solche Angriffe auf euren Alltag aus?

Anne Menden: Es gab kürzlich bei Gustav und mir einen Fall, wo wir tatsächlich auch zur Polizei gehen mussten. Wir haben dann Kameras und Alarmsysteme installiert. Gustav hat Fahrten abgesagt, damit ich nicht allein bin. Ich bin nicht allein zur Arbeit gefahren, wir hatten den Live-Standort eingeschaltet und sind morgens mit dem Hund erst rausgegangen, wenn es hell war. Das ging ungefähr drei Wochen so. Man kann den Leuten nicht in den Kopf gucken und muss einschätzen, wie ernst eine Drohung ist. Das hat unseren Alltag in der freien Bewegung eingeschränkt.

Wie geht ihr mit beleidigenden Kommentaren um?

Josefin Bressel: Ich versuche, vieles zu ignorieren oder zu blockieren. Manchmal antworte ich auf direkte Nachrichten. Dann rudern manche zurück und sagen, es sei nicht so gemeint gewesen. Wenn ich einen Kommentar in einem Reel aufgreife, solidarisieren sich viele mit mir. Ich versuche, solche Kommentare wie mit einem Tischtennisschläger wegzuschlagen.

Anne Menden: Ich mache manchmal Videos aus solchen Kommentaren. Das hilft mir, aber es geht nicht immer. Und nur, weil ich in der Öffentlichkeit stehe, darf mich niemand als Punchingball für den eigenen Frust benutzen. Ich habe nirgendwo einen Vertrag unterschrieben, dass man mich beleidigen darf.

Was sollten soziale Netzwerke ändern?

Anne Menden: Das System muss vereinfacht werden. Es muss leichter sein, Menschen zu melden, die Grenzen überschreiten. Gerade bei persönlichen Bedrohungen und manipulierten Inhalten darf es nicht so schwer sein, Hilfe zu bekommen.

Josefin Bressel: Melden muss einfacher werden. Wenn man mittlerweile bei Instagram auch jemanden melden möchte, du musst 20 Fragen beantworten und es reicht immer noch nicht, den zu melden. Da dachte ich irgendwann: Wie kann das sein, dass eine Meldung so kompliziert ist?

Warum ist euch die Zusammenarbeit von GZSZ und HateAid wichtig?

Josefin Bressel: Ich hoffe, dass dadurch mehr Menschen für das Thema sensibilisiert werden. Es gibt digitale Gewalt im Netz, man kann dagegen vorgehen, man muss sich nicht schämen. Es gibt Organisationen, an die man sich wenden kann. Man ist nicht allein.

Anne Menden: Ich schließe mich dem ganz einfach an, weil das exakt der Kern dessen ist. Es ist wichtig, dass man dieses Thema auch öffentlich bespricht, damit wirklich jeder das mitbekommt.

Was möchtet ihr Betroffenen mitgeben?

Anne Menden: Viele der Dinge, die Betroffenen im Netz begegnen, können Straftaten sein. Man hat das Recht, so etwas anzuzeigen und sich Hilfe zu holen. Ihr seid nicht allein und habt jedes Recht, euch zu wehren.

Josefin Bressel: Lasst euch nicht unterkriegen und nicht kleinmachen. Ihr seid richtig, so wie ihr seid. Ihr müsst euch für nichts und niemanden verbiegen.

Mit der Kooperation wollen GZSZ und HateAid zeigen, wie und wo Betroffene Unterstützung finden. Die Geschichte um Alicia führt vor Augen, wie aus Hasskommentaren gezielte Angriffe und manipulierte Inhalte werden können – und wie sehr das Leben der Betroffenen dadurch beeinträchtigt wird.


Montags bis freitags um 19:40 Uhr bei RTL, eine Woche vorab auf RTL+

„Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ läuft montags bis freitags um 19:40 Uhr bei RTL und jederzeit eine Woche vorab auf RTL+. Die Serie startete am 11. Mai 1992 als Deutschlands erste tägliche Serie und ist seitdem die erfolgreichste; produziert wird sie von UFA Serial Drama, in UHD, ausgestrahlt auch auf RTL UHD. Der RTL-Klassiker hat Schauspieler wie Wolfgang Bahro und Ulrike Frank zu TV-Legenden gemacht.