ARD-Serie "House of Yang": Mystery zwischen Trauma und Rassismus
Mit "House of Yang" bringt die ARD eine neue Mysteryserie an den Start. Die atmosphärische Inszenierung in einer Gruselvilla im Schwarzwald wagt sich auch an interkulturelle Themen heran. Das erwartet die Zuschauerinnen und Zuschauer.
Pünktlich zum Herbst setzt die ARD vermehrt auf Mystery. Am 9. Oktober startet die Miniserie "House of Yang" in der Mediathek. Die TV-Ausstrahlung folgt noch am selben Tag, ab 23:55 Uhr im Ersten. Dreh- und Angelpunkt der sechsteiligen Mysteryserie ist ein leerstehendes Haus im Schwarzwald, in dem zwei Mädchen in unterschiedlichen Jahrzehnten spurlos verschwunden sind.
Darum geht es in "House of Yang"
Jessie (Elisa Hofmann, 40) kehrt mit ihrer Tochter Mila (Purnima Grätz, 19) in ihr Elternhaus zurück, um es schnellstmöglich zu verkaufen. In dem alten Herrenhaus ist 1999 ihre Schwester Isabel (Xue Lili Pautze) verschwunden - und mit ihr ein ganzer Raum.
Doch das ist nicht zum ersten Mal geschehen. Schon 50 Jahre zuvor, kurz nach Kriegsende, hatte das Haus ein Mädchen verschlungen. Jessie versucht nun, herauszufinden, was passiert ist, und deckt dabei einige Geheimnisse ihrer deutsch-chinesischen Familie auf.
Stimmungsvoller Mix aus Mystery und Horror
"House of Yang" verbindet Mystery mit Elementen des Horrorfilms und nähert sich dabei Themen wie Rassismus und generationenübergreifenden Traumata. Fans der beiden Genres dürfte einiges bekannt vorkommen und dennoch mit einem neuen Kniff daherkommen. Das macht den besonderen Reiz der Miniserie aus. Kinder leiden unter den Fehlern und Geheimnissen der Eltern, diese wiederum unter dem nie geheilten Trauma ihrer Zeit.
Die Handlung spielt abwechselnd auf drei Zeitebenen: in der Nachkriegszeit, als Elsa (Emma Bading, 28) und ihr Bruder Wolfgang (Vladimir Burlakov, 39) die junge Chinesin Daiyu (Andrea Guo, 26) und ihre Kinder bei sich aufnehmen; Ende der 1990er Jahre, als Isabel verschwindet; und in der Gegenwart, in der Jessie gemeinsam mit Mila versucht, die Rätsel ihrer Familie zu lösen.
Serienmacherinnen mit sehr persönlichem Bezug
Auch der Krieg spielt eine Rolle in der sechsteiligen Mysteryserie. "Kaum bekannt ist, dass die Nazis auch gegen Chines:innen in Deutschland vorgingen", erklärt Showrunnerin Stefanie Ren (39) in einem Statement für die ARD. Sie nennt die sogenannte "Chinesenaktion" von 1944, "bei der rund 130 Chines:innen grundlos verhaftet, in KZs verschleppt und ermordet wurden". Ren selbst wurde in Taiwan geboren und wuchs im Schwarzwald als Tochter einer Deutschen und eines Chinesen auf. Viel von dem in "House of Yang" thematisierten Rassismus habe sie persönlich erlebt.
Auch Hauptdarstellerin Elisa Hofmann habe sich vor allem von dem Umgang mit Alltagsrassismus angesprochen gefühlt. Sie selbst ist zwischen der deutschen und der koreanischen Kultur aufgewachsen.
Nicht zuletzt dank dem atmosphärischen Schauplatz - einer alten Villa - ist "House of Yang" perfekt für einen verregneten Herbstsonntag. Die Mysteryserie dürfte dabei vor allem Zuschauerinnen und Zuschauer für sich gewinnen, die sich an düsterer Atmosphäre erfreuen, ohne ständig einen Jump-Scare fürchten zu müssen.
(sv/spot)