"Die Falle" auf Netflix: Wie gut ist der "Liebes Kind"-Nachfolger?
"Liebes Kind" war auf Netflix ein gigantischer Erfolg. Kann auch der Nachfolger "Die Falle" überzeugen?
Mit der klaustrophobischen Thriller-Serie "Liebes Kind" sorgte der Streamingdienst Netflix im Jahr 2023 für einen echten Serienkracher aus Deutschland. Nicht nur einen International Emmy gab es für das von Isabel Kleefeld (60) inszenierte Programm. Auch hielt sich die so wunderbar kurzweilige, da nur sechsteilige Miniserie über längere Zeit in den "ewigen Top 10" des Streamingdienstes für die meistgeschauten nicht-englischsprachigen Serien.
Jetzt steht mit "Die Falle" der Serien-Nachfolger auf Netflix zum Abruf bereit. In wiederum lediglich sechs Episoden, die einmal mehr an Spannung kaum zu überbieten sind, erzählen Isabel Kleefeld und ihr "Liebes Kind"-Team von einem grausamen Mord, den Auswirkungen des Geschehens auf Schriftstellerin Lisa Konrad (Friederike Becht, 39) sowie von der Jagd auf den Täter, die sich zu einem großen Teil innerhalb einer einzigen Villa und im Kopf der Autorin abspielt.
Unweigerlich stellt sich bei "Die Falle" die Frage: Ist die neue Netflix-Serie jetzt genauso gut - oder sogar besser - als der grandiose Vorgänger "Liebes Kind"?
Darum geht es in "Die Falle"
Schriftstellerin Lisa Konrad lebt seit zehn Jahren von der Welt isoliert in einer luxuriösen Villa. Seit dem grausamen Mord an ihrer Schwester - Konrad fand die Sterbende damals selbst - hat sie das Haus nicht mehr verlassen. Der Täter wurde nie ermittelt. Jetzt glaubt sie im Journalisten Robert Lenzen (Hans Löw, 50) den Mörder zu erkennen. Konrad setzt einen aufwändigen, raffinierten Plan in die Tat um. Sie möchte Lenzen zu sich locken, ihm eine Falle stellen. Dabei setzt sich Konrad erheblichen Risiken aus und riskiert in einem haarsträubenden Katz-und-Maus-Spiel alles - auch ihr eigenes Leben.
Deswegen ist "Die Falle" sehenswert
Regisseurin und Serienmacherin Isabel Kleefeld und das restliche "Liebes Kind"-Team setzen mit "Die Falle" einmal mehr einen packenden Crime-Thriller um. Doch gibt es hier auch viele Unterschiede zum umjubelten Netflix-Vorgänger.
Lisa Konrad ist eine traumatisierte Frau mit Angststörungen, wie es ihre von Ursula Strauss (52) gespielte Therapeutin bei einem Hausbesuch formuliert. Konrad verlässt seit beinahe zehn Jahren ihr Haus nicht mehr, lebt in einer Art ewigem Corona-Lockdown. Aber was für ein Haus hat sie sich als Lebensmittelpunkt ausgesucht! Eine traumhaft schöne, geräumige, geschmackvoll eingerichtete Villa, in der Konrad mit allem Lebensnotwendigen versorgt wird.
Doch geht es in "Die Falle" eindeutig um die Jagd nach dem Mörder von Konrads Schwester. Sie beginnt, ein Buch über die damaligen Ereignisse zu schreiben. Zuschauerinnen und Zuschauer der Netflix-Serie sehen so Stück für Stück, was vor zehn Jahren passiert ist - alle Unsicherheiten und Fallstricke subjektiver Erinnerung eingeschlossen. Zwischendrin besuchen Figuren wie etwa ihr Verleger Rudow die schwer arbeitende Autorin. Verkörpert wird er vom einmal mehr ganz wunderbaren Ex-"Polizeiruf 110"-Star Matthias Brandt (65).
Am Ende nicht ganz so gut wie "Liebes Kind"
Schnell wird klar, dass hier alles auf eine große Konfrontation als Höhepunkt der sechsteiligen Miniserie hinausläuft. Die kommt schließlich auch relativ rasch daher - und bildet den fulminanten Höhepunkt der Netflix-Serie. Mit der Auflösung des Kriminalfalls werden dann mit Sicherheit einige unter den Zuschauerinnen und Zuschauern zufriedener sein als andere, was wohl in der Natur eines Krimis liegt.
Abgeschlossen wird die Geschichte jedoch erfreulicherweise. Da es sich um eine Miniserie handelt, wird hier nichts auf eine eventuelle zweite Staffel verschoben. Zuvor bietet "Die Falle" in sechs Episoden atemlose Spannung und ein psychologisch faszinierendes Duell, bei dem früher oder später fast jede der Figuren in Verdacht gerät, für den Tod von Lisa Konrads Schwester verantwortlich zu sein.
Nur an das ganz hohe Niveau von "Liebes Kind" kommt die neue Netflix-Serie nicht immer heran. Das Mysteriöse kommt etwas zu kurz. Zu eindeutig ist hier im Vergleich von Beginn an die Konstellation der Figuren. Und immer ist (zu) klar, dass es zu einem Duell kommen wird.
(lau/spot)