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# "Die Toten am Meer": Der tote Pastor und die Sage von Rungholt
- URL: https://www.viply.de/show/die-toten-am-meer-tod-eines-pastors/
- Published: 2026-09-09T10:58:46.000Z
- Updated: 2026-09-09T10:58:46.000Z
- Description: Ein Schwein im Talar, eine Eliteschule mit Geheimnissen: Der vierte Fall der ARD-Degeto-Reihe läuft am 26. September um 20.15 Uhr.
- Author: Redaktion
- Tags: TV & Show

Bei Ebbe wird im Watt eine Leiche gefunden: Pastor Christian Oltmann (Patrick Kunkel), um dessen Lebensweise Gerüchte kursieren. Gewaltspuren lassen auf ein Verbrechen schließen. Für die Polizeibeamtin Ria Larsen (Marlene Tanczik) und ihren Kollegen Michael Brandt (Anton Spieker) ist es der vierte Fall.

Kurz darauf meldet der Bauer Rickert (Uwe Rohde) den Tod eines Schweins, das jemand demonstrativ mit einem Talar kostümiert hat. Ex-Ermittlerin Elisabeth Haller (Charlotte Schwab) sieht darin Parallelen zur Rungholt-Sage: Musste der Geistliche büßen wie einst die Bewohner der untergegangenen Stadt? Eine Spur führt in die Eliteschule Liliencron, wo Oltmann Religion unterrichtete. Schulleiter Haien (Beat Marti) bescheinigt ihm tadelloses Verhalten, dann kommen schwere Vorwürfe ans Licht: Der Lehrer soll eine Affäre mit einer damals minderjährigen Schülerin (Gamze Senol) gehabt haben. Es ist nicht das einzige Geheimnis der Schule, an der Kinder aus reichem Hause andere ungestraft mobben.

## Was hinter der Rungholt-Sage steckt

Rungholt war eine Siedlung in der nordfriesischen Küstenlandschaft Strand, ab dem 13\. Jahrhundert auch ein Kirchspiel. Die Sturmflut von 1362 zerstörte sie. Über die Jahrhunderte spülte das Wattenmeer immer wieder Reste frei; im Mai 2023 wurden mehrere zusammengehörige Siedlungsareale entdeckt, darunter die Fundamentreste der lange gesuchten Großen Kirche. Die Ballade „Trutz, blanke Hans“ von Detlev von Liliencron aus den Jahren 1882/83 verarbeitet die Sage von der reichen, aber gottlosen Stadt, die eine Sturmflut vernichtet; der „blanke Hans“ ist die friesische Bezeichnung für die Nordsee, der die Bewohner in ihrer Hybris zu trotzen glauben. Die Eliteschule im Film trägt den Namen Liliencron.

Im Interview sprechen **Marlene Tanczik** und **Anton Spieker** über die Sage, den Respekt vor der Nordsee und die Glocken von Rungholt:

***Kannten Sie die Rungholt-Sage schon vor Beginn der Dreharbeiten? Erinnern Sie sich an Ihre ersten Eindrücke von der Geschichte über das „Atlantis des Nordens“?***

**Marlene Tanczik:** Ich habe Rungholt tatsächlich erst beim Lesen unseres Drehbuchs kennengelernt. Die Sage ist schon faszinierend — sie lag für mich wie eine düstere Prophezeiung über dem gesamten Fall. Dabei habe ich die Geschichte natürlich stark aus der Perspektive von meiner Rolle Ria Larsen gelesen, versucht, darin Parallelen zu unserem Fall zu finden und mich gefragt, wie sie auf solche Mythen reagiert.

**Anton Spieker:** Nein, tatsächlich war mir die Rungholt-Sage vor dem Projekt nicht wirklich bekannt. Ich bin erst durch die Dreharbeiten damit in Berührung gekommen. Mein erster Gedanke war vor allem: krasse Geschichte — eine Stadt, die untergegangen ist und die bis heute von so vielen Mythen und Bildern begleitet wird. Gerade dieser Übergang zwischen historisch belegbaren Ereignissen und der Legende macht Rungholt interessant.

***In der Sage werden die reichen Bewohner Rungholts für ihre moralischen Verfehlungen gegen Gott und die Natur bestraft. Welche Themen aus der Erzählung sind in Ihren Augen noch heute für uns relevant?***

**Marlene Tanczik:** Wir müssen auch heute noch mit der Hybris mancher Menschen umgehen, die denken, über anderen und der Natur zu stehen. Wir tragen gemeinschaftlich Verantwortung für unseren Planeten. Ressourcen einfach immer weiter auszubeuten, ohne uns um die Folgen zu kümmern, hat noch nie funktioniert. Das hat natürlich nichts mit göttlichem Zorn zu tun. Aber auch hier spielen Maßlosigkeit und eine scheinbare Erhabenheit über die Natur eine Rolle.

**Anton Spieker:** Ich finde vor allem die Frage interessant, wie Menschen mit ihrer Umwelt und mit ihrem eigenen Wohlstand umgehen. Gleichzeitig würde ich die Sage nicht als einfache moralische Lehre verstehen. Mich interessiert eher, warum Menschen solche Geschichten erzählen und warum sich bestimmte Motive über Jahrhunderte halten. Darin steckt für mich etwas sehr Menschliches.

***Sturmfluten wie in der Rungholt-Sage zeigen, mit welchen verheerenden Naturgewalten die Menschen an der Nordsee seit Jahrhunderten leben. Verspürt man mit diesem Bewusstsein einen ganz anderen Respekt für die Drehorte an der Küste?***

**Marlene Tanczik:** Respekt vor der Natur und ihrer Kraft sollte man immer haben. Und natürlich auch vor den Menschen, die seit langer Zeit mit der Natur leben, sich ihren Herausforderungen stellen und es schaffen, mit ihr im Einklang zu existieren. Besonders mystisch fand ich unseren Drehort bei Nordstrandischmoor. Weit und breit nichts außer der kleinen Halligbahn, die sich aus dem Nebel schält und die Hallig mit der Außenwelt verbindet. Ich habe die Nordseeküste bisher recht ruhig erlebt — bis jetzt haben wir den Zorn des Meeres mit unseren Dreharbeiten also noch nicht geweckt.

**Anton Spieker:** Auf jeden Fall. Wenn man sich mit der Geschichte und den realen Sturmfluten beschäftigt, sieht man die Landschaft noch einmal anders. Was im ersten Moment einfach nur wunderschön und weit wirkt, bekommt plötzlich eine andere Dimension. Man wird sich bewusst, dass diese Landschaft nicht nur idyllisch ist, sondern auch von einer enormen Naturgewalt geprägt wurde und wird.

***Bis heute heißt es, man könne bei windstillem Wetter die Kirchenglocken von Rungholt unter der Wasseroberfläche im Watt läuten hören. Haben Sie schon einmal solche unerklärlichen Erfahrungen gemacht?***

**Marlene Tanczik:** Ich lasse mich gern auf solche Mythen ein — vielleicht, weil es tief in uns verankert ist, uns Geschichten zu erzählen und für das Unkontrollierbare Erklärungen und Sinn zu suchen. Im Kern versuchen diese Mythen ja Antworten auf Fragen zu geben, die die Menschheit heute immer noch umtreiben. Und damit steckt vielleicht auch ein Stückchen Wahrheit in jeder Sage.

**Anton Spieker:** Nicht wirklich. Solche anscheinend übersinnlichen Dinge genieße ich eher mit Vorsicht. Gleichzeitig finde ich es faszinierend, warum sich solche Geschichten halten und warum wir Menschen überhaupt das Bedürfnis haben, an etwas Geheimnisvolles zu glauben. Bei Rungholt gefällt mir gerade dieses Spiel zwischen Realität und Legende, so wie es eben bei jeder guten Lüge einen wahren Kern gibt. Ob man die Glocken tatsächlich hören kann … daran glaube ich nicht, aber ich verstehe, warum die Vorstellung davon fasziniert.

## Warum jeder Film der Reihe von einem Mythos ausgeht

Produzentin Heike Voßler von der MOOVIE GmbH beschreibt das Prinzip der Reihe: Jeder Film gehe von einem typisch nordischen Mythos aus, der mit einem Kriminalfall ins Hier und Heute versetzt werde — bei „Tod an der Klippe“, jüngst Tagessieger in der Wiederholung, war es das Motiv der Meerjungfrau. Autorin Julia Drache lebt in Hamburg und hat ein Feriendomizil in der Nähe von Husum; über diese Nähe zum Drehort stieß sie auf die Rungholt-Sage.

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## Samstag, 26\. September, 20.15 Uhr in der ARD

*„Die Toten am Meer – Tod eines Pastors“ läuft am Samstag, 26\. September 2026, um 20.15 Uhr in der ARD. Regie führte Stephan Rick nach einem Drehbuch von Julia Drache, produziert hat die MOOVIE GmbH für die ARD Degeto; in Episodenrollen sind Uwe Rohde und Beat Marti zu sehen. Es ist der vierte Fall des Ermittlerduos der Kripo Husum.*