Faszinierend! "Star Trek" feiert 60. Geburtstag
"Lebe lang und in Frieden" - diesen vulkanischen Gruß hat sich auch die TV-Serie "Star Trek" zu Herzen genommen. Vor genau 60 Jahren begaben sich erstmals William Shatner alias Captain James T. Kirk und seine Crew der Enterprise auf Sternenreise.
Es ist das Jahr 1966. In Deutschland tritt Kurt Kiesinger die Bundeskanzler-Nachfolge von Ludwig Erhard an. In China beginnt die Kulturrevolution. England wird dank des berühmt-berüchtigten Wembley-Tors Weltmeister. Und in den USA begibt sich eine Bande unbekannter Schauspieler in "Star Trek" auf eine Reise durch die Galaxie. So wirklich will sich zu Beginn aber keiner für die Abenteuer von Captain Kirk, Mister Spock und Co. begeistern. Schnell wird klar, derartige Sci-Fi-Unterhaltung hat keine Zukunft im Fernsehen. Jetzt, genau 60 Jahre, über 900 Serien-Episoden sowie 14 Filme später, können wir dieser These nicht zustimmen.
Drehbuchautor, Fernsehproduzent und Serienschöpfer Gene Roddenberry (1921-1991) war seiner Zeit voraus, so viel kann in der Retrospektive gesagt werden. Vielleicht nicht die knapp 300 Jahre, die seine Serie "Raumschiff Enterprise" aus damaliger Sicht in der Zukunft spielte. Definitiv aber die drei Jahre, die es brauchte, ehe Neil Armstrong am 21. Juli 1969 den Mond betrat und mit seinem "großen Schritt für die Menschheit" auf der Erde einen regelrechten Begeisterungssturm für alles auslöste, das mit dem Weltraum zu tun hatte - so auch für "Star Trek".
Der späte Hype
Denn tatsächlich schienen die Abenteuer von William "Bill" Shatner als furchtlosem Raumschiff-Kapitän nach nur zweieinhalb Jahren ein jähes Ende gefunden zu haben. Die Crew der Enterprise versammelte zwar eine treue, aber sehr kleine Fangemeinschaft um sich und wurde nach nur drei Staffeln abgesetzt. Erst einige Jahre nach Armstrongs Mondreise, Anfang der 70er-Jahre, gab es die große Renaissance der originalen "Star Trek"-Folgen im Fernsehen, die der Show schließlich ihren heutigen Kultstatus verschaffen sollte.
Mit Ausnahme einer kurzlebigen Animations-Serie namens "Die Enterprise" dauerte es aber dennoch rund 20 Jahre, ehe eine neue Enterprise im TV wieder in Galaxien vordrang, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Von 1987 bis 1994 übernahm der bekannte Theaterschauspieler Patrick Stewart das Amt des Weltraum-Kapitäns in "Das nächste Jahrhundert". Dank deutlich höherem Produktionsbudget mauserte sich die neue "Star Trek"-Serie zu einer festen Größe im internationalen Fernsehen, 178 Folgen durfte die Crew auf Erkundungstour durchs All fliegen.
Treffen der Generationen
Doch auch Captain Kirk hatte in diesem Zeitraum nicht ausgedient - von 1979 in "Star Trek: Der Film" bis 1991 in "Star Trek VI: Das unentdeckte Land" hatte er das Kinopublikum fest im Griff. Erst 1994, mit "Treffen der Generationen", fand auch hier die Wachablösung statt, wobei Kirk im siebten Teil der Filmreihe ein besonderer Abschied spendiert wurde.
Nichts schien den doppelten Triumphzug im Fernsehen und im Kino aufhalten zu können. Auch die nächste Serie "Star Trek: Deep Space Nine" schaffte es auf sieben Staffeln und eine noch heute treue Fangemeinde. Der erste vollständig eigene Film der neuen Enterprise-Besatzung, "Der erste Kontakt", gilt bei vielen Anhängern - neben "Der Zorn des Khan" - sogar als bester Streifen der Reihe.
Mit Warp-Geschwindigkeit ins Mittelmaß?
Doch dann wurden sie sichtbar, die ersten Risse in der so stabil geglaubten Hülle der Enterprise. Die Serie "Voyager" konnte einen nicht mehr ganz so großen Teil der Fans ebenso wie deren Nachfolger "Star Trek: Enterprise" überzeugen, noch schlimmer traf dies bei den Film-Fortsetzungen "Der Aufstand" und "Nemesis" zu. Die Marke "Star Trek" schien nun doch ihren Zenit überschritten und die Grenzen des Film- und Fernsehuniversums erreicht zu haben. Aber Moment: Wie sieht es mit alternativen Universen aus?
Ausgerechnet J.J. Abrams, der sich mit seiner ambitionierten Serie "Lost" zuvor schon überhoben hatte, wurde als Retter engagiert - er sollte Erfolg haben. Für eine Neuauflage der Original-Charaktere Kirk, Spock und Konsorten ließ er sich kurzerhand eine alternative Zeitlinie einfallen und konnte die bekannten Recken so auf unbekannte Abenteuer schicken. Das Kinopublikum fand diese Idee klasse und strömte 2009 massenweise in die Kinos, um "Star Trek" zu sehen.
Zwei Fortsetzungen hat dieser Reboot nach sich gezogen, "Star Trek Into Darkness" und "Star Trek Beyond". Vor allem der neue Cast um Chris Pine, Zachary Quinto und Zoe Saldana wusste das Publikum zu überzeugen. Oder doch nicht? Ein vierter Teil befand sich zwar lange Zeit in Planung, gilt inzwischen, genau zehn Jahre nach "Star Trek Beyond", aber als endgültig im luftleeren Raum verschollen.
Die "Star Trek"-Gegenwart und -Zukunft
Ein Ende der beliebten Sci-Fi-Reihe ist auch nach 60 Jahren dennoch nicht in Sicht. Die Kinofilm-Lücke wurde von 2017 bis 2024 etwa mit der Serie "Star Trek: Discovery" geschlossen. In "Star Trek: Picard" (2020-2023) gaben sich neben Sir Patrick Stewart alte Recken aus gleich mehreren "Star Trek"-Produktionen die Ehre. Hinzu kommen "Star Trek: Starfleet Academy" und die zwei animierten Serien "Lower Decks" und "Prodigy", ebenso wie der per Streaming veröffentlichte Film "Section 31". Aktuell befindet sich die Crew von "Star Trek: Strange New Worlds" in ihrer vierten Staffel auf Erkundungstour durchs All, Staffel fünf wird für 2027 erwartet.
Die "Star Trek"-Reise geht also auch 60 Jahre nach dem ursprünglichen Aufbruch definitiv weiter. Und das wohl endlich auch wieder auf der Leinwand. Das Regie-Duo Jonathan Goldstein und John Francis Daley arbeitet an einem neuen Kinofilm, das wurde erst im April dieses Jahres noch einmal offiziell auf der CinemaCon bestätigt. Statt Kirk, Kirk 2.0 oder dem nimmermüden Picard soll sich dieser aber einem gänzlich neuen Kapitän widmen - es wäre das erste Mal in der "Star Trek"-Geschichte.
(stk/spot)