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Eine weibliche Morgenlatte? Was Frauen noch nicht über sich wussten…

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Die beiden Norwegerinnen Nina Brochmann und Ellen Støkken Dahl haben ein Buch über das weibliche Geschlecht geschrieben. In „Viva la Vagina!“ (S. Fischer, 400 Seiten, 16,99 Euro) dreht sich alles um den weiblichen Körper, Sex und vor allem auch die Gesundheit. Was die Medizinstudentinnen bei den Recherchearbeiten am meisten überrascht hat und wieso ihr Buch nicht unbedingt etwas mit Feminismus zu tun hat, verraten sie der Nachrichtenagentur spot on news im Interview.

Was hat Sie bei der Recherche für Ihr Buch „Viva la Vagina! Alles über das weibliche Geschlecht“ am meisten überrascht?

Nina Brochmann & Ellen Støkken Dahl: Es gibt so viele aufregende und überraschende Fakten über den weiblichen Körper. Unser Favorit: Frauen haben Erektionen! Die meisten Menschen wissen über männliche Erektionen Bescheid. Das lernt man in vielen Ländern bereits in der Grundschule in Sexualkunde. Aber die meisten von uns wissen nur sehr wenig über das weibliche Geschlechtsorgan: die Klitoris. Der kleine Knopf vor der Vulva, den man Klitoris nennt, ist nur die Spitze des Eisbergs.

In Wirklichkeit ist die Klitoris ein großes Organ, das die äußeren weiblichen Genitalien unter der Oberfläche umgibt. Es hat eine ähnliche Anatomie wie der Penis und es besteht aus erektilem Gewebe, das auf die doppelte Größe anschwellen kann, wenn Frauen erregt sind. Frauen haben nächtliche und sogar morgendliche Erektionen. Soweit wir das verstanden haben, wird das auf Deutsch Morgenlatte genannt – ein sehr lustiger Name. Deshalb mögen wohl viele Frauen Sex am Vormittag.

Außerdem ist es faszinierend, dass Menschen zu den wenigen Säugetieren mit Perioden gehören. Die Leute denken, dass zum Beispiel Hunde Perioden haben, aber das stimmt nicht. Hunde bluten, wenn sie fruchtbar sind und einen Eisprung haben, während Frauen bluten, wenn es zu spät oder zu früh für die Befruchtung ist. Tatsächlich sind einige Primaten und eine Fledermausart die einzigen Lebewesen, die die Periode mit uns Menschen gemeinsam haben. Eine seltsame Bande.

Warum sollten junge Frauen oder Frauen allgemein ein Buch über ihre Vagina lesen?

Brochmann & Støkken Dahl: Frauen brauchen unser Buch, um besser zu verstehen, wie sie funktionieren. Unserer Meinung nach haben Frauen ein Recht auf diese Informationen. Unser Bildungssystem ist nicht gut für eine gesunde Sexualität. Viele Quellen im Internet verbreiten Mythen und Missverständnisse, die schädlich oder verwirrend sein können.

Wir wollen fundierte, wissenschaftliche Informationen über ein normales Sex-Leben, den weiblichen Körper, Empfängnisverhütung, Erregung und Verlangen sowie viele andere Themen anbieten. Wir wissen zum Beispiel, dass eine von zehn Frauen unter Endometriose leidet. Es ist verrückt, dass die meisten so wenig darüber wissen. Indem sie unser Buch lesen, können Frauen lernen, sich selbst zu verstehen.

Was sind die größten Mythen über die weiblichen Geschlechtsorgane?

Brochmann & Støkken Dahl: Die schlimmsten Mythen sind die über das Jungfernhäutchen. Die Vorstellung, dass Jungfrauen bluten sollen, wenn sie vaginalen Sex haben und die Idee, dass man sehen kann, ob eine Frau Jungfrau ist oder nicht, indem man ihre Genitalien untersucht, ist sowohl schädlich als auch falsch. Die Gesellschaft hat diesen Mythos lange benutzt, um Frauen zu kontrollieren.

In Wirklichkeit wird das Jungfernhäutchen nach dem Sex nicht zerstört, nur die Hälfte der Frauen blutet beim ersten Geschlechtsverkehr und die sogenannten Jungfräulichkeitskontrollen sind medizinisch ungültig. Wenn dieser Mythos zerstört wird, wird es schwerer, die weibliche Sexualität zu kontrollieren. Der einzige Weg, um herauszufinden, ob eine Frau Jungfrau ist oder nicht, ist, sie zu fragen.

Unser TEDx Talk „The Virginity Fraud“ befasst sich mit diesem Mythos. Das Video wurde bis jetzt etwa drei Millionen Mal angesehen und wir erhalten dazu fast täglich Nachrichten von Männern und Frauen weltweit. Es ist seltsam, zu wissen, dass die Medizin lange Zeit, über 100 Jahre über die Unwahrheit dieser Mythen Bescheid wusste, aber diese Information nicht an die Öffentlichkeit weitergegeben hat.

In einem deutschen Magazin wurde Ihr Buch als Empfehlung für „Feministinnen, die besseren Sex wollen“ angekündigt. Was halten Sie von dieser These in Bezug auf „Viva la Vagina“?

Brochmann & Støkken Dahl: Nun, wir bezeichnen uns selbst als Feministinnen, aber das tun nicht alle Frauen. Man muss sicherlich keine Feministin sein, um unser Buch zu lesen. Wir möchten allen Frauen medizinische Informationen an die Hand geben, Feministin oder nicht. Nur ein Kapitel in unserem Buch handelt von Sex. Wir schreiben viel mehr über gesunde weibliche Sexualität. Wir thematisieren auch Empfängnisverhütung, Krankheiten und normale Anatomie. Wir glauben daran, dass Wissen und Bildung allen Frauen dabei helfen könnte, ein besseres Leben zu führen, es geht also nicht nur um „Feministinnen“ und „Sex“.

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