Jannik Schümann feiert nach rund 25 Jahren sein Musical-Comeback
Für Jannik Schümann geht ein lang gehegter Traum in Erfüllung: Er kehrt auf die Musicalbühne zurück. Doch schon der Gedanke an seinen ersten Auftritt macht ihn nervös. "Ich bekomme sofort nasse Hände", gesteht er im Interview.
Jannik Schümann (33) kehrt nach mehr als zwei Jahrzehnten auf die Musicalbühne zurück. Ab Januar 2027 wird der Schauspieler an ausgewählten Terminen im Pop-Musical "& Julia" im Stage Palladium Theater in Stuttgart als William Shakespeare (1564-1616) zu sehen sein.
Seine Begeisterung für Musicals reicht weit zurück. Bereits mit neun Jahren stand Schümann als kleiner Amadé in "Mozart!" auf der Bühne. Die Rolle hatte er 2001 über eine Zeitungsannonce bekommen. "Ich durfte eintauchen in eine Welt, die mir bis dahin noch total fremd war und in die ich mich aber einfach wahnsinnig verliebt habe", erinnert er sich im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.
Sechs Jahre später wirkte er bei der Uraufführung von "Ich war noch niemals in New York" in Hamburg mit. Danach verlagerte sich seine Karriere zunehmend vor die Kamera. Bekannt wurde er unter anderem durch Filme wie "Dem Horizont so nah" und seine Rolle als Kaiser Franz Joseph I. in der RTL+-Serie "Sisi".
Die Musicalbühne ließ er jedoch nie aus den Augen. "Alle Menschen, die mich kennen, wissen tatsächlich, dass mein größter Lebenstraum ist, wieder auf einer Musicalbühne zu stehen", erzählt Schümann. Dass dieser Wunsch nun rund 25 Jahre nach seinen ersten Bühnenerfahrungen wahr wird, sei für ihn ein besonderer Moment: "Das ist wirklich für mich ein Full-Circle-Moment und ein großer Traum, der damit in Erfüllung geht."
Schümann nimmt seit mehr als zehn Monaten Gesangsunterricht
Für seine Rückkehr hat sich der Schauspieler einiges vorgenommen. Schließlich muss er bei "& Julia" nicht nur schauspielern, sondern auch singen und tanzen. "Das sind einfach drei Power-Fähigkeiten, nämlich Schauspiel, Gesang und Tanz, die vereint werden", erklärt er. Vor der Leistung professioneller Musicaldarsteller habe er deshalb großen Respekt.
Besonders der Gesang verlangt ihm einiges ab. "Ich bin es ja eigentlich 'nur' gewohnt zu spielen", sagt Schümann. Schon bei früheren Dreharbeiten sei es eine Herausforderung gewesen, Schauspiel und Tanz miteinander zu verbinden. Nun komme noch eine weitere Disziplin hinzu. Entsprechend intensiv fällt seine Vorbereitung aus: "Für 'Sisi' durfte ich Reiten und Fechten lernen, für 'Disco 76' habe ich Tanzen gelernt und jetzt für '& Julia' nehme ich seit mehr als zehn Monaten intensiv Gesangsunterricht, um singen zu lernen."
Dass er sich dafür auf ungewohntes Terrain begeben muss, schreckt ihn nicht ab. Im Gegenteil: "Ich liebe es, für meinen Job meine Komfortzone zu verlassen und mir neue Dinge anzueignen." Bis die Proben im Dezember beginnen, bleibt ihm noch etwas Zeit zur Vorbereitung.
William Shakespeare faszinierte Schümann schon in der Schule
Auch mit seiner neuen Rolle verbindet Schümann eine persönliche Geschichte. Der Schauspieler ist leidenschaftlicher Leser und betreibt seit mehr als einem Jahr den Buchclub-Podcast "Zwischen Kotti und Kapiteln". Seine Begeisterung für William Shakespeare begann allerdings schon deutlich früher.
"Ich bin seinen Werken schon in der Schule verfallen", erzählt er. Im Englisch-Leistungskurs beschäftigte er sich intensiv mit dem britischen Dramatiker und "in der Abiturprüfung kam 'King Lear' dran." Den berühmten Schriftsteller nun selbst verkörpern zu dürfen, sei deshalb ein weiterer erfüllter Traum.
In "& Julia" bekommt Shakespeare allerdings eine ungewöhnliche Rolle. Das Musical stellt die berühmte Liebesgeschichte von Romeo und Julia auf den Kopf und geht der Frage nach, was passiert wäre, wenn Julia nach Romeos Tod nicht ebenfalls gestorben wäre, sondern ihr Leben selbst in die Hand genommen hätte. Begleitet wird die Geschichte von bekannten Popsongs wie "...Baby One More Time" von Britney Spears, "It's My Life" von Bon Jovi und "Larger Than Life" von den Backstreet Boys.
Besonders gefällt Schümann die Entwicklung seiner Figur. Shakespeare werde zunächst als ausgesprochen selbstverliebt dargestellt, als jemand, der von seinem eigenen Genie überzeugt sei und keine Hilfe annehmen wolle. Erst durch seine Frau lerne er, andere Sichtweisen zuzulassen. "Er denkt eigentlich eher, er wäre der Größte", beschreibt Schümann seine Figur. Im Laufe der Geschichte müsse Shakespeare jedoch erkennen, dass auch andere Menschen gute Ideen haben können. Diese Wandlung vom selbstgefälligen Künstler zu einem Mann, der die Meinungen anderer akzeptiert, mache für ihn den besonderen Reiz der Rolle aus.
"Ich bekomme sofort nasse Hände, wenn ich daran denke"
So groß die Vorfreude auf seine Rückkehr ist, so nervös blickt Schümann seinem ersten Auftritt entgegen. Vor allem ein Moment beschäftigt ihn schon jetzt: "Ich kann es mir nicht ausmalen, wie es für mich sein wird, wenn ich auf der Bühne stehe und das Ensemble anfängt zu singen und ich weiß, gleich muss ich nach vorne treten und 'Larger Than Life' singen. Ich bekomme sofort nasse Hände, wenn ich daran denke."
Anders als bei Dreharbeiten gibt es im Musical schließlich keine zweite Chance, wenn etwas schiefgeht. "Vor der Kamera [könnte ich] immer theoretisch abbrechen und einen neuen Take bekommen", erklärt der Schauspieler. Auf der Bühne dagegen sei alles live und nicht wiederholbar. "Ich muss definitiv noch daran arbeiten, mit meiner Aufregung umzugehen."
Zusätzliche Nervosität dürfte auch der Besuch seiner Liebsten auslösen. Sein Verlobter Felix und seine Familie wollen sich die Auftritte in Stuttgart nicht entgehen lassen. "Ich glaube, ich bin noch aufgeregter, wenn sie im Publikum sitzen", gesteht Schümann. Die Unterstützung bedeutet ihm dennoch viel. Ein gemeinsames Familienwochenende in Stuttgart ist bereits geplant. Neben seinen Eltern und Brüdern werden auch seine Schwägerinnen sowie Nichten und Neffen anreisen.
Dass sich alle so sehr mit ihm freuen, hat einen einfachen Grund: Sie wissen, wie lange er auf diesen Moment hingearbeitet hat. "Alle, die mich kennen, wissen, dass es mein größter Traum ist, in einem Musical mitzuspielen", so Schümann.
Seine ersten Auftritte als William Shakespeare sind für den 28., 29. und 30. Januar sowie den 4., 5., 6., 19. und 20. Februar 2027 geplant. Das Pop-Musical "& Julia" läuft seit Oktober 2026 im Stage Palladium Theater in Stuttgart.
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