Schnurrbart ab! Horst Lichter packt über seinen irren TV-Streich aus
Für "Verstehen Sie Spaß?" legte Horst Lichter einen Auftritt hin, der die Moderatoren des "Sat.1-Frühstücksfernsehens" zunehmend an ihm zweifeln ließ. Im Interview blickt der "Bares für Rares"-Moderator auf den kuriosen TV-Streich zurück.
"Ganz schön crazy. Die Menschen werden glauben, dir sind die Sicherungen durchgebrannt." Mit diesem Satz traf Horst Lichters (64) Ehefrau Nada den Nagel auf den Kopf. Denn der Auftritt ihres Mannes im "Sat.1-Frühstücksfernsehen" vor einigen Tagen ließ nicht nur die Zuschauer staunen. Auch die Moderatoren Karen Heinrichs (52) und Matthias Killing (47) fragten sich zunehmend, was mit dem beliebten "Bares für Rares"-Moderator los war.
Lichter sprach von einem Neuanfang, ließ sich vor laufender Kamera einen Teil seines berühmten Schnurrbarts abschneiden und kehrte wenig später mit gefärbtem Bart, Nasenring, schwarzen Fingernägeln und Netzoutfit ins Studio zurück. Was Heinrich und Killing nicht wussten: Der vermeintliche Sinneswandel war Teil eines Streichs für "Verstehen Sie Spaß?" (10. Oktober, 20:15 Uhr, Das Erste).
Für Lichter selbst wurde die Aktion allerdings zunehmend zur Belastungsprobe. Die ehrliche Sorge der beiden Moderatoren ging ihm näher als erwartet - irgendwann fragte er sich sogar, wie er aus der Situation wieder herauskommen sollte. Im Interview blickt der 64-Jährige auf den kuriosen Morgen zurück.
Vom Schnurrbart bis zum Nasenring: Sie haben sich für den Streich einiges getraut. Wie schwer war es für Sie, ernst zu bleiben?
Horst Lichter: Es war für mich wahnsinnig anstrengend und tatsächlich sehr schwer, diese Rolle über so viele Stunden hinweg durchzuziehen. Natürlich hatte ich mich vorab eng mit dem Team von "Verstehen Sie Spaß?" abgestimmt, das übrigens erstklassige Arbeit geleistet hat. Die Verantwortlichen waren selbst überrascht, als ich sagte: "Wenn wir jemanden hereinlegen, dann richtig, und wir schneiden etwas vom Schnurrbart ab."
Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich meinen Schnurrbart ohnehin jedes Jahr Anfang August sehr kurz schneide. Ein Barbier hat mir einmal geraten, das regelmäßig zu tun, damit die Haare gesund bleiben. Deshalb war das Abschneiden für mich nicht so dramatisch. Das anschließende Einfärben war dagegen schon eine andere Geschichte. Ernst zu bleiben, fiel mir dabei gar nicht so schwer, aber die beiden Moderatoren haben mir während der ganzen Aktion unglaublich leidgetan.
Karen Heinrichs und Matthias Killing wollten Sie am Ende offenbar regelrecht vor sich selbst schützen. Hätten Sie mit so viel Fürsorge gerechnet?
Lichter: Nein, damit habe ich in dieser Form tatsächlich nicht gerechnet. Natürlich wusste ich, dass Karen Heinrichs und Matthias Killing sympathische und tolle Menschen sind. Privat kannte ich beide jedoch nicht gut genug, um einschätzen zu können, wie sie in einer solchen Situation reagieren würden. Umso beeindruckter war ich von ihrer Reaktion.
In der heutigen Medienwelt geht es oft darum, möglichst spektakuläre Schlagzeilen zu produzieren. Die beiden haben jedoch genau das Gegenteil getan. Sie haben große Menschlichkeit gezeigt und waren ehrlich besorgt. Davor habe ich allerhöchsten Respekt. Das war wirklich großartig und dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Ich werde es auch wieder gut machen.
Gab es etwas an diesem neuen Look, das Ihnen überraschend gut gefallen hat?
Lichter: Nein, ganz ehrlich: An diesem Look hat mir nichts gefallen. Überrascht war ich allerdings von den Schuhen. Normalerweise kann ich mit diesen sehr klobigen Modellen, die fast wie riesige Bärentatzen wirken, überhaupt nichts anfangen. Aber ich muss zugeben: Sie waren unglaublich bequem. Generell bin ich eher ein klassischer Typ. Mein Stil ist eher von der englischen Tradition geprägt. Ich bevorzuge einen schönen Lederschuh oder einen sportlichen Schuh, der nicht allzu wuchtig wirkt. Deshalb bleibe ich lieber bei meinen gewohnten Outfits. Die passen einfach besser zu mir und meinem persönlichen Geschmack.
Wie erleichtert waren Sie, als Barbara Schöneberger den Streich schließlich aufgelöst hat?
Lichter: Mir ist in diesem Moment ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. Ich glaube, man kann es sowohl sehen als auch hören. Ich habe vor Erleichterung regelrecht geschrien. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich nur noch: Wenn Barbara jetzt nicht gleich hereinkommt und den Streich auflöst, wie komme ich aus dieser Situation wieder heraus? Ich hatte schon Sorge, dass Matthias und Karen den Glauben an meine Person verlieren könnten und dass am Ende niemand mehr versteht, was hier eigentlich passiert ist. Als die Auflösung schließlich kam, war ich unfassbar erleichtert - etwa so, als wenn man seinen Führerschein bestanden hat.
Haben Karen Heinrichs und Matthias Killing Ihnen den Streich inzwischen verziehen?
Lichter: Persönlich habe ich bisher noch nicht mit den beiden telefoniert. Allerdings war am nächsten Tag Doc Esser in der Sendung, mit dem ich auch befreundet bin. Er rief mich an und erzählte, wie sehr die Aktion die beiden mitgenommen hat. Matthias hatte wohl Albträume davon. Ich hoffe also, dass sie mir verzeihen, und so, wie ich sie einschätze, werden sie es auch.
Ihr Schnurrbart gehört seit Jahrzehnten zu Ihnen. Könnten Sie sich tatsächlich vorstellen, sich eines Tages davon zu trennen?
Lichter: Ach, ganz ehrlich: Mein Schnurrbart macht nicht meine Persönlichkeit aus. Aber ich mag mein Aussehen so, wie es ist. Deshalb ist eine solche Verwandlung auch eher unwahrscheinlich. Natürlich bringt das Älterwerden die eine oder andere kleine Unzulänglichkeit mit sich, aber damit gehe ich ganz entspannt um. Deshalb lautet meine Antwort: Der Schnurrbart darf gerne bleiben, wie er ist.
Wie viel Aufwand steckt eigentlich hinter Ihrem berühmten Zwirbelbart?
Lichter: Tatsächlich hält sich der Aufwand in Grenzen. Wenn ich frei habe und keine offiziellen Termine anstehen, style ich meinen Schnurrbart in der Regel gar nicht. Dann trage ich die Haare sozusagen "offen" und kämme sie lediglich nach unten oder zur Seite. Morgens in der Garderobe am Set dauert das Styling meist nicht länger als fünf Minuten. Dann kommt etwas Creme in den Bart, die Haare werden in Form geföhnt, mit etwas Haarspray fixiert und anschließend noch einmal nachmodelliert. Das ist wirklich nicht viel Arbeit.
Und wie würde Ihre Frau Nada reagieren, wenn der Schnurrbart eines Tages tatsächlich plötzlich weg wäre?
Lichter: Ich hoffe sehr und bin auch fest davon überzeugt, dass für meine Frau vor allem die inneren Werte zählen und nicht ein äußeres Merkmal wie ein Schnurrbart oder eine Frisur. Wahrscheinlich würde sie eher mit mir schimpfen, wenn ich plötzlich anfangen würde, mich gehen zu lassen und nicht mehr auf mich zu achten.
Wer andere reinlegt, muss bekanntlich mit einer Retourkutsche rechnen. Fürchten Sie jetzt, selbst zum Opfer eines Streichs zu werden?
Lichter: Ich bin tatsächlich schon zweimal bei "Verstehen Sie Spaß?" hereingelegt worden. Deshalb weiß ich aus eigener Erfahrung, wie unglaublich gut das Team darin ist, Menschen zu verladen. Wenn sie sich irgendwann revanchieren sollten, dann vermutlich zu einem Moment und auf eine Art und Weise, mit der ich am wenigsten rechne.
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