Karneval ist ja nicht so sein Ding, aber dieser Rosenmontagszug der anderen Art gefiel Wolfgang Niedecken sehr.

Sänger Wolfgang Niedecken (70) fand es super, wie viele Kölner*innen gegen den Krieg in der Ukraine demonstrierten und somit dem in der Stadt so wichtigen Rosenmontagszug neues Gewicht gaben.

Kölner*innen beziehen Position

Angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine hatte man eigentlich auf den Umzug verzichtet, aber die Parade war auch immer ein Beispiel, den Mächtigen mit originellen Karnevalswagen den Spiegel vorzuhalten. Und so versammelten sich am Montag dann 250.000 Kölner*innen, um gegen den Krieg zu demonstrieren. "Da bin ich sehr stolz auf meine Stadt, muss ich wirklich sagen", freute sich Wolfgang Niedecken gegenüber dem 'WDR' und war auch gar nicht überrascht, dass so viele gekommen waren: "Wie ich meine Kölner kenne. Ich habe damit gerechnet, weil ich auch weiß: Die Kölner feiern, sie können aber auch Position beziehen."

Wolfgang Niedecken war begeistert

Schon im Vorfeld war der Musiker entzückt, dass man den Rosenmontagszug umfunktionieren wollte. "Noch vor ein paar Tagen hätte ich es für unmöglich gehalten, dass der Kölner Rosenmontagszug zur Solidaritätskundgebung mit der tapferen ukrainischen Bevölkerung beziehungsweise zu einer Friedensdemo gegen Putins aufgezwungenen Krieg würde", schrieb Wolfgang Niedecken auf der Facebookseite seiner Band BAP. Auch Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn, der normalerweise in Köln den Karneval organisiert, betonte in einem Statement. "Der Kölner Karneval kann mehr als feiern und schunkeln. Er lebt vor allem von der Solidarität und der Gemeinschaft, Werte wie Freiheit und Gleichheit sind unser oberstes Gut".

Zumindest ein traditioneller Karnevalswagen stand vor den Demonstrierenden. Er zeigte Präsident Putin, wie er mit Bausteinen versuchte, die ehemalige Sowjetunion wieder zum Leben zu erwecken. Im benachbarten Düsseldorf waren sie noch ein bisschen drastischer mit ihrem Karnevalswagen, der zeigte Putin, wie er die Ukraine aufspießte und sich in den Mund schob – darüber stand der Schriftzug "Erstick dran". Wolfgang Niedecken ist sicherlich nicht der Einzige, der sich als erklärter Karnevalsgegner plötzlich mit den Jecken identifizieren kann.

Bild: Henning Kaiser/picture-alliance/Cover Images