Art Garfunkel wird 85: Die Bühne lässt ihn nicht los

Das Singen ist für Art Garfunkel alles. Nach Stimmproblemen kämpfte er sich 2014 zurück auf die Bühne. In diesem Jahr tourt er zum ersten Mal seit 2019 wieder. Was den Sänger auch mit 85 Jahren noch antreibt.

Teilen
Art Garfunkel feiert am 5. November seinen 85. Geburtstag.
Art Garfunkel feiert am 5. November seinen 85. Geburtstag. Foto: Al Seib/ABImages

Art Garfunkel, der seinen 85. Geburtstag feiert, wurde als Hauptstimme von Simon & Garfunkel bekannt. Lange hatte man ihn jedoch nicht auf der Bühne gehört. 2019 absolvierte er seine vorerst letzte Tour, 2025 trat er wieder vereinzelt als Solokünstler auf. Im Frühjahr 2026 kündigte er schließlich eine Tournee für dieses Jahr an. Was brachte den Sänger dazu, der Bühne noch eine Chance zu geben?

Stimmprobleme machten Auftritte unmöglich

Garfunkel kam nach seiner letzten Tour ins Grübeln, erzählte er dem "Guardian". Der Sänger fragte sich: "Was soll ich denn jetzt mit mir anfangen?" Ein Freund habe ihn dazu ermutigt, in einem kleinen Rahmen wieder aufzutreten. An drei Abenden für ein Publikum zu singen und Geschichten zu erzählen, gefiel ihm seiner Erzählung nach so gut, dass er wusste: "Ich werde das wieder machen." Denn neben seiner Frau liebe er das Singen am meisten.

Doch genau das konnte er jahrelang nicht. 2010 musste er eine Tour mit Paul Simon (85) wegen einer Stimmbandlähmung absagen. Auslöser war ein Vorfall in einem Restaurant: Er verschluckte sich an einem Stück Hummer. Auch das Rauchen habe seiner Stimme geschadet, sagte er im Interview mit dem "Rolling Stone". Die gemeinsame Tour wurde nie nachgeholt. Erst 2014 berichtete Garfunkel, seine Stimme habe sich zu 96 Prozent erholt. Im selben Jahr reiste er wieder mit seiner Musik durch die Welt.

Versöhnung mit Paul Simon nach fünf Jahrzehnten

Inzwischen ist Garfunkel allein unterwegs. 2024 machte er für "Father and Son" gemeinsame Sache mit Sohn Art Garfunkel Jr. (35), mit dem er 2018 und 2019 schon in Deutschland unterwegs war. Als Duo mit Paul Simon stand er zuletzt im April 2010 beim New Orleans Jazz and Heritage Festival auf der Bühne. Das Duo hatte sich jedoch bereits vier Jahrzehnte zuvor getrennt - kurz nachdem ihr Erfolgsalbum "Bridge Over Troubled Water" erschien. Als Grund nannte Simon Garfunkels beginnende Schauspielkarriere. 1970 feierte er sein Debüt in der Satire "Catch-22 - Der böse Trick".

In der Dokumentation "In Restless Dreams: The Music of Paul Simon" erinnerte sich Simon laut "The Independent" an die damaligen Pläne seines Partners. Garfunkel habe ihm gesagt: "Ich werde sechs Monate lang Filme drehen, dann komme ich zurück, du hast die Songs geschrieben, und wir nehmen das Album auf." Simon sei damit nicht einverstanden gewesen. Aus dem Konflikt entwickelte sich ein Bruch, der die beiden über Jahrzehnte auf Distanz hielt.

Noch 2016 erklärte Simon im "Rolling Stone"-Interview, dass sie nicht miteinander reden würden. Eine Reunion schloss er aus. Über 50 Jahre nach ihrem Zerwürfnis versöhnten sie sich schließlich. Im Oktober 2024 erzählte Garfunkel der "Sun" von einem Treffen. Sie hätten sich "zum ersten Mal seit Jahren" bei einem Lunch wiedergesehen. "Es war sehr, sehr herzlich und wunderbar", verriet er. Bei ihm seien Tränen geflossen, zudem hätten sie sich umarmt.

Wie geht es weiter?

Trotzdem geht das Duo, das Hits wie "The Sound of Silence" oder "Mrs. Robinson" schuf, weiterhin musikalisch getrennte Wege. Paul Simon war im Frühjahr in Europa und im Sommer in Nordamerika unterwegs, Art Garfunkel startete im Juni 2026 seine "What a Wonderful World - Celebration Concerts"-Tour. Damit habe er selbst nicht gerechnet. "Aber ich bin ein Sänger. Ich bin gut darin. Ich möchte lieber bekannt sein, als in Vergessenheit zu geraten", sagte er dem "People"-Magazin.

Der Künstler musste die Tour jedoch vorzeitig abbrechen, auch ein geplantes Konzert in Hamburg fiel aus. Wie er mitteilen ließ, wurde bei ihm eine Atemwegsinfektion diagnostiziert. Seine Fans bat er, sich nicht zu sorgen. "Ich brauche einfach nur etwas Zeit, um wieder das tun zu können, was ich am meisten liebe."

(paf/spot)