Die schlimmsten Wochen seiner Haft dürften für Boris Becker (54) erst einmal vorbei sein. Nach gut drei Wochen im berüchtigten Gefängnis von Wandsworth, in dem unter anderem auch Schwerverbrecher ihre Strafen absitzen, ist der wegen Insolvenzvergehen verurteilte Tennis-Star jetzt nach HMP Huntercombe verlegt worden.

"Willkommen in Huntercombe"

Hier soll es wesentlich lockerer zugehen, und die Haftbedingungen sind in erster Linie darauf ausgerichtet, den Insassen eine Resozialisierung zu ermöglichen. Sie können neue Fähigkeiten für die Zeit nach der Entlassung erlernen. Auf Twitter berichtet die Haftanstalt stolz von Gedicht-Wettbewerben und zeigt Bilder, die die Häftlinge gemalt haben. Mitarbeiter*innen backen Kuchen für einen guten Zweck. "Willkommen in Huntercombe" steht in mehreren Sprachen auf einem Schild, welches als Titelfoto auf dem Social-Media-Kanal dient. Hier ahnt man schon: Die Nationalitäten der Insassen sind bunt gemischt. Tatsächlich sitzen hier in erster Linie Männer mit ausländischer Staatsbürgerschaft ihre Strafen ab.

Boris Becker könnte abgeschoben werden

Die britische Presse sieht die Verlegung derweil als ein Zeichen dafür, was Boris Becker nach seiner Haftentlassung droht. Denn ausländische Häftlinge, deren Strafmaß 12 Monate übersteigt, können britischem Recht zufolge nach Verbüßen ihrer Strafe in ihre Heimat abgeschoben werden. Wie der 'Guardian' berichtet, ist Huntercombe bekannt dafür: Einer Untersuchung von 2017 zufolge mussten von 197 Entlassenen 185 das Vereinigte Königreich verlassen.

Ob es dazu im Fall des dreifachen Wimbledonsiegers wirklich kommt, bleibt indes abzuwarten. Zum einen kann Boris zunächst einmal gegen die Länge seiner Strafe in die Berufung gehen, zum anderen stehen ihm bei eventueller Deportation ebenfalls Rechtsmittel zur Verfügung. In den Zwischenzeit kann der berühmteste deutsche Häftling in England zumindest durchatmen: Die schlimmsten Haft-Wochen liegen hinter Boris Becker.

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