"Glücksgefühle"-Festival: Weitere Künstler ziehen sich zurück

Nach dem Eklat um Alphaville ziehen sich weitere Künstler vom "Glücksgefühle"-Festival zurück. Jenny Elvers etwa erklärt, eine Teilnahme an der Veranstaltung sei für sie "vollkommen undenkbar".

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Jenny Elvers bleibt dem "Glücksgefühle"-Festival fern, DJ Felix Jaehn hingegen will die Bühne nutzen, um ein Zeichen zu setz…
Jenny Elvers bleibt dem "Glücksgefühle"-Festival fern, DJ Felix Jaehn hingegen will die Bühne nutzen, um ein Zeichen zu setzen. Foto: imago images/Eventpress / Eventpress Becher / imago/Panama Pictures / Christoph Hardt

Nach der Absage von Alphaville ziehen sich weitere Künstler vom "Glücksgefühle"-Festival zurück. Auch Jenny Elvers (54), die als Gast auf dem Hockenheimring erwartet wurde, erklärte auf Instagram, der Veranstaltung fernzubleiben. "Heute wäre ich zu Gast beim 'Glücksgefühle'-Festival gewesen. Wer mich kennt, weiß, wie sehr ich Festivals liebe", schrieb sie. Politisch äußere sie sich nur selten, stehe aber "aus tiefster Überzeugung für Meinungsfreiheit, Toleranz und Offenheit".

Jenny Elvers sagt Teilnahme am "Glücksgefühle"-Festival ab

Dann macht Elvers deutlich, warum sie dem Festival fernbleibt: "Für mich ist es vollkommen undenkbar, eine Veranstaltung zu besuchen, die im Vorfeld versucht hat, eine Band in ihrer Freiheit zu beschneiden und ihr vorzuschreiben, was sie auf der Bühne sagen darf und was nicht."

Elvers betonte weiter, Kunst sei für sie nie unpolitisch gewesen und werde es auch niemals sein. Die ursprüngliche Ausladung von Alphaville bezeichnete sie in ihrem Instagram-Beitrag vom Freitag als eine "Form von Zensur".

Streit um politische Äußerungen auf der Bühne

Hintergrund ist ein Streit zwischen Alphaville und den Veranstaltern des "Glücksgefühle"-Festivals. Bandleader Marian Gold (72) hatte am 2. September auf Instagram aus einer Nachricht der Veranstalter zitiert. Demnach dulde man auf der Bühne "keine politischen Themen oder Äußerungen jeglicher Art" und wolle deshalb "von einem Auftritt von Alphaville beim 'Glücksgefühle'-Festival Abstand nehmen".

Nach heftiger öffentlicher Kritik lud das Festival Alphaville am Donnerstag schließlich wieder ein. Die Band lehnte eine Rückkehr jedoch ab. Entschuldigung und Einladung nehme man zur Kenntnis, erklärte die Gruppe auf Instagram. Zugleich äußerte sie die Hoffnung, dass Veranstalter Markus Krampe (55) die Bedeutung von Rede- und Kunstfreiheit künftig "gebührend respektiere". Die Entschuldigung des Veranstalters reichte der Band nicht für eine Rückkehr.

"Ungeachtet dessen haben die vorangegangenen Äußerungen eine Atmosphäre geschaffen, in der wir von einem Auftritt absehen", schrieben Gold und seine Kollegen. Die Gage für das nicht stattfindende Konzert will die Band nach eigenen Angaben an eine gemeinnützige Organisation spenden. Welche das ist, teilte sie nicht mit.

Auch DJ Beauty & the Beats bleibt "Glücksgefühle"-Festival fern

Auch DJ Beauty & the Beats hat seine Teilnahme am "Glücksgefühle"-Festival abgesagt. In einem Statement auf Instagram begründete er seine Entscheidung mit deutlichen Worten: "Sich für unsere Demokratie, Vielfalt, Menschenrechte und gegen Rechtsextremismus auszusprechen, hat entgegen der Meinung des Festivals nämlich absolut nichts mit Politik zu tun, sondern ist einfach ganz normale Zivilcourage."

DJ Felix Jaehn tritt auf und möchte "Bühne nutzen"

Einen anderen Weg schlägt offenbar DJ Felix Jaehn (32) ein, der nach derzeitigem Stand am Samstag, dem 5. September, um 16 Uhr auf der sogenannten "Cloud 9 Stage" des "Glücksgefühle"-Festivals auftreten soll.

In einem Instagram-Beitrag äußerte sich Jaehn, der auch als Fee bekannt ist, kritisch über die jüngsten Entwicklungen rund um das "Glücksgefühle"-Festival.

"Ich bin immer noch schockiert darüber, dass Alphaville vom 'Glücksgefühle'-Festival ausgeladen wurde. Seit wann soll Kunst unpolitisch sein? Seit wann wird die Meinungsfreiheit von Künstler*innen durch Veranstaltende eingeschränkt? Seit wann kann ein Event unpolitisch sein?"

Weiter schrieb Jaehn: "Als queere Person werde auch ich mir niemals das Recht nehmen lassen, mich offen gegen eine Partei auszusprechen, die in Teilen gesichert rechtsextrem ist, die sich ganz offen auch gegen meine Existenz als non-binäre Person positioniert."

Jaehn sagt seinen Auftritt nicht ab, sondern kündigte an: "Ich werde die Bühne am Wochenende nutzen. Lasst uns zusammenhalten und laut sein!"

Auch Lukas Podolski äußert sich

Auch Mitveranstalter Lukas Podolski (41) reagierte auf den Eklat. "Wer mich kennt, weiß, wie ich ticke. Für mich zählt der Mensch, egal wo jemand herkommt oder woran er glaubt", schrieb der ehemalige Nationalspieler auf Instagram. Jeder dürfe seine Meinung sagen und "auch mal Kante zeigen" - "im Stadion genauso wie auf der Bühne".

Zugleich stellte sich Podolski hinter die Kehrtwende seines Festivalpartners Markus Krampe. "Ich finde es gut, dass Markus die Entscheidung nochmal überdacht und klar gesagt hat, dass es ein Fehler war. Fehler passieren. Wichtig ist doch, wie man damit umgeht."

Doch in der Kommentarspalte seines Instagram-Beitrags erhält der Ex-Kicker hierfür nicht nur Lob. "Der Drops ist gelutscht. Hättet ihr nicht massiv Gegenwind auf allen Kanälen bekommen, hättet ihr da überhaupt nichts eingesehen", heißt es etwa in der Antwort eines Users, die am frühen Freitagnachmittag schon mit weit über 700 Likes versehen worden ist.

Die Entwicklungen der vergangenen Tage

Krampe hatte die Ausladung von Alphaville zunächst verteidigt. Gegenüber "Bild" erklärte er, das Festival sei "komplett unpolitisch", unabhängig davon, um welche politische Richtung es gehe. Das Verhalten von Alphaville und Marian Gold bezeichnete er als "inakzeptabel".

Einen Tag später ruderte Krampe zurück. "Wie wir gehandelt haben, war in der Tat ein Fehler. Das tut mir leid", erklärte er gegenüber der Zeitung und betonte: "Meinungsfreiheit ist das höchste Gut, das wir in Deutschland haben, sie ist zu schützen." Gleichzeitig lud er Alphaville wieder zum Festival ein.

Die Band entschied sich jedoch gegen eine Rückkehr. Ihr Auftritt wäre für Freitag, den 4. September, geplant gewesen. Das "Glücksgefühle"-Festival läuft noch bis zum 6. September.

(lau/obr/spot)