Met Gala 2027: Wird sie um einige Wochen verschoben?
Die Met Gala 2027 soll den umstrittenen Designer John Galliano ehren. Der geplante Termin fällt ausgerechnet auf den israelischen Holocaust-Gedenktag. Jetzt erwägt das Museum offenbar eine Verschiebung, Spender drohen mit Rückzug.
Ein Monat ist vergangen, seit das Metropolitan Museum of Art sein Thema für die Met Gala 2027 verkündet hat, und die Empörung wird lauter statt leiser. Am 31. Juli hieß es, die Frühjahrsausstellung des Costume Institute trage den Titel "John Galliano: Horizons". Ausgerechnet Galliano, der vor 15 Jahren mit antisemitischen Äußerungen für Entsetzen gesorgt hatte.
Inzwischen denkt das Museum offenbar über eine Notbremse nach. Wie die "New York Times" berichtet, beraten Treuhänder und Vorstandsmitglieder des Met über eine Verschiebung des Galatermins. Geplant ist bislang der 3. Mai 2027 - traditionell findet die weltberühmte Gala in New York City am ersten Montag im Mai statt. In diesem Fall fällt der Termin jedoch auf Jom haScho'a, den Gedenktag für die Opfer des Holocaust.
Spender drohen mit Rückzug
In den letzten Tagen habe "der Widerstand gegen die Pläne des Museums, Galliano zu ehren, unter jüdischen Führungspersönlichkeiten in New York und darüber hinaus zugenommen", heißt es in dem Bericht. Und weiter: "Spender haben sich an die Verantwortlichen des Met gewandt und gedroht, ihre Spenden an das Museum zurückzuziehen, sollte die Ausstellung wie geplant stattfinden."
Auch aus der Stadtpolitik kommt Druck. Julie Menin, Sprecherin des New Yorker Stadtrats, hat einen offenen Brief an Anna Wintour und das Museum gerichtet. "Herr Gallianos lange Geschichte von Antisemitismus, Rassismus und antiasiatischer Hetze ist zutiefst beunruhigend", schrieb sie darin. "Sein Verhalten war wiederholt und schwerwiegend." In einer Zeit, in der die Stadt einen starken Anstieg von Hass erlebe, halte sie eine so prominente Ehrung für "völlig unangemessen".
Das Museum hält dagegen
Museumsdirektor Max Hollein meldete sich am Freitag zu Wort. "Das Metropolitan Museum of Art duldet keinerlei Antisemitismus, Rassismus oder Vorurteile", sagte er der "Times". Man stehe in engem Austausch mit jüdischen Vertretern und nehme die Bedenken ernst. Die Leitung arbeite an einem "durchdachten Plan für die Ausstellung und die Gala im nächsten Jahr", der den moralischen und ethischen Standards des Hauses entspreche.
Anna Wintour, seit Jahrzehnten Gastgeberin des Abends, verteidigte ihre Wahl mit Nachdruck. "Niemand hat eine Ausstellung dieser Größenordnung mehr verdient als John Galliano", erklärte sie bei der Bekanntgabe. "Er ist ein großartiger Designer, und seine Karriere wird nicht durch einen Moment definiert, mit dem er für den Rest seines Lebens leben muss." Die Schau werde "vor keiner Dunkelheit in Johns Vergangenheit zurückschrecken".
Galliano fiel tief - und kehrte zurück
Der Skandal ist auf Video festgehalten. Im Dezember 2010 pöbelte der betrunkene Dior-Chefdesigner in einem Pariser Café zwei Frauen an, die er für jüdisch hielt. "Ich liebe Hitler", sagte er. Dior trennte sich danach von ihm, ein französisches Gericht verurteilte ihn wegen antisemitischer und rassistischer Beleidigungen.
Galliano arbeitete jahrelang an seiner Rückkehr, entschuldigte sich und suchte das Gespräch mit jüdischen Vertretern. 2014 holte ihn Maison Margiela zurück, Kate Moss ließ sich von ihm ihr Hochzeitskleid entwerfen, 2023 erschien die Dokumentation "High & Low". In der Modewelt gilt er längst wieder als Genie.
Nach Yves Saint Laurent 1983 und Rei Kawakubo 2017 wäre John Galliano erst der dritte lebende Designer, dem das Met eine eigene Ausstellung widmet.
(ae/spot)