Der Schauspieler Michael Degen (†90) hinterlässt eine große Lücke. Regisseur Jo Baier, der Degens Lebensgeschichte 'Nicht alle waren Mörder – eine Kindheit in Berlin' verfilmte, erinnert sich an einen wahren Gentleman.

Vielseitiges Werk

Es war der Rowohlt-Verlag, der die Nachricht vom Tod des Künstlers verbreitete: "Wir trauern und verneigen uns vor einem Menschen und Künstler, der mit seiner Wärme und Begeisterung berührte und mitriss, und dessen vielseitiges Werk bleiben wird." Der Star war nicht nur als Darsteller bekannt, sondern auch als Autor. Der gebürtige Chemnitzer musste während der Nazi-Zeit mit seiner Mutter in Berlin untertauchen, der Vater starb in KZ. Nach dem Krieg übersiedelte er nach Israel, kehrte aber schnell wieder nach Deutschland zurück. Er wollte in seiner Muttersprache Theater spielen. Über seine Kindheit schrieb er 1999 ein Buch, das Jo Baier 2006 mit 'Nicht alle waren Mörder' verfilmten.

Michael Degen war ein Gentleman

Der Filmemacher war sehr beeindruckt von dem Autor: "Er war ein Gentleman im besten Sinne des Wortes", beschrieb er gegenüber der 'BR Kulturbühne' den Star. "Ein feiner Mensch mit feinen Manieren, sehr zurückhaltend, eher bescheiden, würde ich sagen, oder sehr bescheiden. Niemand, der auftrumpft, sich besonders wichtig macht oder sich aufspielt."

Michael Degen hat selbst noch kurz vor seinem Tod der 'Bild am Sonntag' zu seinem 90. Geburtstag ein Interview gegeben. "Altern ist kein Vergnügen. Aber die Alternative erscheint mir noch deutlich weniger verlockend", befand der Darsteller, der lange schon im Theater gespielt hatte, bevor er dann als Bendig Grünlich in der Fernsehverfilmung der 'Buddenbrooks' ein größeres Publikum fand und fortan zwischen Filmen wie 'Geschwister Oppermann' und leichterer Kost wie 'Klinik unter Palmen' wechselte. Für Kulturstaatsministerin Claudia Roth verliert Deutschland in Michael Degen einen "herausragenden Künstler und einen beeindruckenden Menschen".

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