Videospiel-Verfilmung "Resident Evil" steht lachend von den Toten auf

Mit Zach Cregger übernimmt ein Regisseur die "Resident Evil"-Reihe, der sich in Windeseile einen Namen im Horrorgenre gemacht hat. Für seine Version der Videospiel-Adaption setzt er auf einen mutigen Kniff.

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Hat einen richtig, richtig miesen Tag erwischt: Krankenhaus-Kurier Bryan (Austin Abrams) in "Resident Evil".
Hat einen richtig, richtig miesen Tag erwischt: Krankenhaus-Kurier Bryan (Austin Abrams) in "Resident Evil". Foto: Courtesy of Sony Pictures

Mit der Erwartungshaltung der Zuschauer ist das so eine Sache. Vor allem, seit "Die letzten Jedi"-Regisseur Rian Johnson (52) mit seinem Motto "Subverting Expectations", also dem bewussten Untergraben besagter Erwartungen des Kinopublikums, kurzerhand die "Star Wars"-Fanseele spaltete. Wie weit darf man sich im Sinne der Innovation von der Vorlage entfernen, ohne dass die Anhänger ihre imaginären Mistgabeln zücken?

Zach Cregger (45) scheint mit seinem neuen Film diese Grenze aufs Neue ausloten zu wollen. Innerhalb von nur wenigen Jahren erarbeitete sich der einstige Comedyautor dank "Barbarian" und "Weapons" das Abzeichen als gewiefter Horror-Regisseur. Der perfekte Mann also, um den - zumindest auf der Leinwand - zuletzt arg ramponierten "Resident Evil"-Ruf aufzupolieren und der Filmreihe neues Leben einzuhauchen. Gelungen ist ihm das auch, sogar auf beachtliche Weise. Ausgerechnet die stimmungsvollen Trailer zu "Resident Evil" (Kinostart: 17. September) könnten sich im Nachgang aber für manch einen Fan wie Etikettenschwindel anfühlen.

Ein Tag zum Vergessen - darum geht es

Es gibt Tage, an denen wäre man besser im Bett geblieben - und dann gibt es noch den Tag von Krankenhaus-Kurier Bryan (Austin Abrams, 30). Nur noch eine letzte dubiose Lieferung (eine Leber, eine Niere, ein Gehirn?) durchs Schneegestöber und in die Klinik von Raccoon City bringen. Dann heim zur schwangeren Freundin düsen und sich um die gemeinsamen Finanzprobleme sorgen. Was soll schon schiefgehen?

So ziemlich alles, wie sich wenig später herausstellt. Auf der eisigen Straße kann er sein Auto kaum auf Spur halten. Dann rennt ihm mitten im Nirgendwo auch noch eine verwirrt wirkende Frau vor die Kühlerhaube. Ehe er sich versieht, wird er daraufhin von mutierten Hunden, mutierten Menschen und nicht zuletzt der eigenen Unfähigkeit von einem Schlamassel ins nächste getrieben. Wo ist nur dieser Überlebensinstinkt, wenn man ihn mal braucht?

Vom Survival-Game zur Action-Reihe

"Resident Evil". Selbst Nicht-Gamer kennen diesen Namen. Vor genau 30 Jahren kam der USK-18-Titel auf der Playstation (ja genau, der ersten) heraus. Das blutige Intro mit realen Laienschauspielern ist Kult. Ebenso wie die charmant ungelenke Synchro, die hanebüchene Story und der stete Munitions- und Inventarmangel.

Für die Leinwand nahm sich sechs Jahre später Regisseur Paul W. S. Anderson (61) der Geschichte über die diabolische Umbrella Corporation, die die Welt mit ihren unethischen Experimenten schnurstracks gen Zombie-Apokalypse führt, an. Mit der Gaming-Vorlage hatten die sechs Filme zwar wenig bis gar nichts gemein. Eine treue Fangemeinschaft konnte sich die zunehmend trashigere Umsetzung mit Milla Jovovich (50) in der Hauptrolle aber dennoch erarbeiten.

Horror mit Humor

So gesehen steht Creggers "Resident Evil" also sogar in Tradition zu den bisherigen Filmen. Denn auch er setzt in Person von Bryan auf eine komplett neue, unverbrauchte Hauptfigur. Austin Abrams, dem schon als Junkie in "Weapons" das Pech an den Hacken klebte, spielt den Kurier ebenso liebenswert wie unbeholfen. Bryan ist die Antithese zu Jovovichs Heldin, die selbst im größten Chaos jeden Untoten souverän zwischen die Augen trifft und Zombie-Köter mal eben per Roundhouse-Kick ins endgültige Jenseits schickt.

Was überrascht: Die Comedy, die durch Bryans teils himmelschreienden Survival-Dilettantismus entsteht, nimmt einen extrem hohen Anteil ein. Der neue "Resident Evil" ist nicht etwa ein Horrorstreifen, dessen beklemmende Atmosphäre hin und wieder durch komödiantische Einschübe gebrochen wird. Vielmehr gehen Horror und Humor nahezu gleichberechtigt durch die gesamten und erfrischend kurzweiligen 94 Minuten Laufzeit.

Und so ertappt sich das Publikum ein ums andere Mal dabei, mehr über das Gezeigte lauthals zu lachen, statt vor Angst in den Kinosessel zu rutschen. Durch seine selbstreferenzielle Metaebene ist die Neuauflage von "Resident Evil" folglich mehr "Cabin in the Woods" denn knallhartes Gore-Fest der Marke "Evil Dead".

Gerade mit Blick auf die Trailer wird das einige Fans überraschen, manche von ihnen wohl auch enttäuschen. Denn die Vorschauen zum Film erweckten sehr wohl den Eindruck, dass darin der düstere Horror-Aspekt klar im Mittelpunkt steht. Doch weit gefehlt und im Finale des Films übertreibt es Cregger ein wenig mit seinem Paradigmenwechsel: Die letzte Konfrontation erinnert geradezu an Slapstick.

Liebevolle Referenzen ans Original

Das Kunstblut fließt aber selbstredend dennoch in Strömen, keine Sorge. Köpfe platzen, Eingeweide baumeln, das volle Ekel-Programm. Nur eben: In ganz seltenen Fällen setzt "Resident Evil" in seinen Schockmomenten auf Tragik.

Dafür strotzt der Film nur so vor liebevollen Referenzen an das Videospiel-Original. Grüne Pflanzen, Türen wie Lade-Screens, eine prominent platzierte Schreibmaschine. Das wachsende Waffenarsenal plus dazugehörige Munitionssuche an den absurdesten Orten. Wirklich nie der passende Schlüssel für schier unzerstörbare Schlösser. An einer Stelle nimmt die Hauptfigur sogar ein Sprachmemo für die Nachwelt auf... Wer sich ab 1996 durchs Pixel-Herrenhaus und die zahlreichen Nachfolger kämpfte, weiß diese charmanten Easter Eggs zu schätzen.

Fazit:

"Resident Evil" von Zach Cregger ist eine reinrassige Horrorkomödie geworden. Ja, richtig gelesen. Anders als die Trailer suggerieren, setzt der Film zu gleichen Teilen auf Horror und Humor. Das ist nach sechs teils bierernsten, zuweilen unfreiwillig komischen "Resident Evil"-Filmen mit Milla Jovovich sowie dem 2021 erschienenen "Resident Evil: Welcome to Raccoon City" eine innovative, zugleich aber riskante Entscheidung. Wenn da mal nicht dem einen oder anderen Fan vor lauter Überraschung die Schrotflinten-Munition in den Gully purzelt.

(stk/spot)