Wolodymyr Selenskyj ehrt Sean Penn als "Nationale Legende der Ukraine"

In Los Angeles fehlte er bei den Oscars, in Kiew war er da: Sean Penn hat von Wolodymyr Selenskyj den Orden "Nationale Legende der Ukraine" erhalten. Ausgezeichnet wurden 18 Menschen.

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Wolodymyr Selenskyj überreicht Sean Penn (li.) seine Auszeichnung in Kiew.
Wolodymyr Selenskyj überreicht Sean Penn (li.) seine Auszeichnung in Kiew. Foto: ddp/abaca press

Der Hollywood-Schauspieler Sean Penn (66) gehört zu den 18 Persönlichkeiten, denen der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (48) den Orden "Nationale Legende der Ukraine" in Kiew verliehen hat. Das teilte das Präsidialamt auf seiner Webseite mit. Anlass war der 35. Jahrestag der wiedererlangten Unabhängigkeit.

"Wir haben unseren Staat, wir haben unsere Unabhängigkeit, wir haben unsere starken Kämpfer", sagte Selenskyj. Sein Dank gelte allen, die das Land verteidigten, ebenso den Freunden und Partnern im Ausland, die dafür sorgten, dass die Welt nicht vergesse, was in der Ukraine geschehe.

Ein Seitenhieb Richtung Hollywood

Bei Penn konnte sich der Präsident eine Anspielung nicht verkneifen. "Unsere ausländischen Partner sind heute hier. Sean Penn ist nicht zu den Oscars in Amerika gekommen, wie Sie sehen, aber zur 'Legende' ist er gekommen", sagte Selenskyj laut der staatlichen Nachrichtenagentur "Ukrinform".

Gemeint war die Oscarverleihung im März. Penn gewann den Preis als bester Nebendarsteller für "One Battle After Another", erschien aber nicht im Dolby Theatre. Stattdessen stieg er am Morgen darauf in Kiew aus einem Zug, wie die ukrainische Staatsbahn per Video dokumentierte. Sie überreichte ihm damals einen Ersatzpreis: einen "IronOscar" aus dem Metall eines von russischem Beschuss beschädigten Waggons.

Penn war schon bei Kriegsbeginn im Februar 2022 in Kiew, wo er einen Film über Selenskyj drehen wollte. Daraus wurde ein Dokumentarfilm über die Widerstandsfähigkeit der Ukrainer an sich. Eine seiner Oscar-Trophäen übergab er bei einem späteren Besuch dann dem Präsidenten.

Ein Koch, ein Ballon-d'Or-Gewinner, ein Dissident

Ebenfalls geehrt wurde José Andrés, Gründer der Hilfsorganisation World Central Kitchen und Botschafter der Spendenplattform United24. Seine Helfer standen dem Präsidialamt zufolge schon am zweiten Kriegstag an der ukrainisch-polnischen Grenze und versorgten später Menschen in Butscha, Irpin und Cherson.

Den Orden nahm auch Igor Belanow entgegen, 1986 als Europas bester Fußballer ausgezeichnet. Der frühere Stürmer von Dynamo Kiew meldete sich zu Kriegsbeginn bei der Territorialverteidigung. Posthum ging die Auszeichnung an Lewko Lukjanenko, der den Text der Unabhängigkeitserklärung vom 24. August 1991 verfasste und zuvor mehr als 25 Jahre in sowjetischer Haft und Verbannung verbracht hatte.

Auf der Liste stehen außerdem die Rockband Braty Hadjukiny, die Fernsehmoderatorin Alla Mazur sowie Soldaten und Sanitäter, darunter ein Kampfpilot mit mehr als 450 Einsätzen.

Die Operationsschwester Nadija Jarisch versorgte 2022 im Stahlwerk Asowstal Verwundete und verbrachte danach fünf Monate in russischer Gefangenschaft. Sie nutzte ihren Auftritt für einen Appell: Man wisse derzeit von 375 ukrainischen Staatsbürgern, die in russischen Folterkellern zu Tode gequält worden seien.

Den Orden gibt es seit 2021. Er geht an Menschen, die sich um die Unabhängigkeit, die Verteidigung des Landes, Wissenschaft, Kultur oder Sport verdient gemacht haben.

(dr/spot)