"24" wird 25: Wie Jack Bauer bis heute die TV-Landschaft prägt
"Ich bin Federal Agent Jack Bauer. Das ist der längste Tag meines Lebens": Von denen hatte "24"-Star Kiefer Sutherland noch so einige. Erstmals raunte er diesen Satz aber vor genau 25 Jahren.
Ein Rollenname wie Donnerhall: Jack Bauer (Kiefer Sutherland, 59). Als Hauptfigur der Serie "24" sucht Bauer nicht Frau, sondern Terroristen, Maulwürfe und Attentäter. Der Clou an dem Format: In Echtzeit geht darin der Agent der Anti-Terror-Einheit CTU an sein mitunter nicht zimperliches Werk. Jede der 24 Folgen umfasst also eine Stunde und eine Staffel folglich genau einen Tag im Leben der nimmermüden Ein-Mann-Armee. Am 6. November 2001 brach Bauers erster Arbeitstag im US-Fernsehen an - "24" wird 25.
Alles für die Echtzeit
Damit "24" seine ambitionierte Erzählstruktur ohne Rückblenden und Zeitsprünge konsequent durchziehen konnte, setzten die Macher auf einige Tricks. Darunter Splitscreens, um gleichzeitig stattfindende Handlungen zu zeigen, unzählige Telefonate zwischen den Hauptfiguren (nebst unverwechselbarem Klingelton) und die stressigste Zeitanzeige der TV-Geschichte, die sogar die Werbeunterbrechungen mit einrechnete. Zumindest während der Produktinformationen hatte Bauer also ein paar Minuten zum Durchschnaufen, real umfasste eine seiner Arbeitsstunden nur knapp 45 Minuten.
Es verwundert angesichts dieser damals brandneuen Prämisse nicht, dass das "24"-Schauen Eventcharakter erhielt. Zumal jede Folge - sprich Stunde - in der Regel mit einem fiesen Cliffhanger endete und die nächste Episode erst eine Woche später ausgestrahlt wurde. Binge-Watching war im Jahr 2001 noch nicht erfunden.
Traurige Aktualität
Apropos 2001: Nur rund zwei Monate vor der Erstausstrahlung von "24" hatte sich der verheerendste terroristische Akt in der Geschichte der USA zugetragen. 9/11 hatte direkte Auswirkungen auf die Serie: Die Premiere wurde um eine Woche verschoben, Teaser und Trailer rasch neutraler gestaltet und auch eine Szene, in der explizit zu sehen ist, wie ein Flugzeug von einer Attentäterin in die Luft gesprengt wird, herausgeschnitten.
Da die erste Staffel zum Zeitpunkt der Terroranschläge auf das World Trade Center bereits zu großen Teilen abgedreht war, wurden deren Konsequenzen erst in der zweiten Season von "24" überdeutlich. Wie ein popkulturelles Ventil für die kollektive Wut über die Attacke beschäftigte sich der zweite Tag im TV-Leben von Jack Bauer mit der Bedrohung einer Massenvernichtungswaffe auf US-Boden.
Eine Terrorgruppe namens "Second Wave" droht darin, innerhalb von 24 Stunden eine Atombombe in Los Angeles zu zünden. Doch Bauer rettet nicht nur L.A. und den Tag, sondern bringt auch die Drahtzieher, darunter den schwerreichen US-Erdölmagnaten Peter Kingsley, zur Strecke. Zumindest bei "24" handelt es sich am Ende also tatsächlich um einen "Inside Job".
Wenn Spannung zum Tagesgeschäft wird
Insgesamt kommt die Serie mit Jack Bauer auf acht vollwertige Staffeln und eine neunte, die allerdings nur noch aus zwölf Folgen besteht und dementsprechend mit der Grundausrichtung von "24" brach. 2017 folgte mit "24: Legacy" zudem eine zwölfteilige Spin-off-Serie, in der Kiefer Sutherland nicht mehr mitspielte.
Dass das Echtzeitkonzept auf Dauer an seine Grenzen stieß, hatte sich allerdings schon deutlich früher abgezeichnet. Kritiker monierten etwa, dass Jack Bauers Arbeitstag die Angewohnheit habe, spätestens gegen Stunde 16 qualitativ abzufallen und die Handlung künstlich in die Länge zu ziehen. Mit jeder weiteren Staffel wurde es außerdem immer unglaubwürdiger, dass Bauer erneut exakt 24 Stunden Zeit hat, um die Welt zu retten. Bruce Willis aka John McClane jammerte schon in der "Stirb langsam"-Fortsetzung: "Wie kann derselbe Mist demselben Kerl zweimal passieren?" - darüber kann Jack Bauer nur müde lächeln.
Noch weitaus schwerer wogen jedoch andere Kritikpunkte: "24" wurde vorgeworfen, die Anwendung von Folter zu verharmlosen, mitunter gar als legitimes und alternativloses Mittel zur Informationsbeschaffung zu glorifizieren. Bürgerrechtsorganisationen kritisierten zudem, die Serie bediene anti-islamische Stereotype. Thematisiert wurden die Folter-Vorwürfe erst in Staffel sieben, in der die Spezialeinheit CTU aufgelöst wird und Jack Bauer sich vor einem US-Senatsausschuss für seine Methoden rechtfertigen muss.
"24" als Vorreiter
Der Einfluss von "24" auf folgende Serien ist bis heute spürbar. Die Apple-TV-Serie "Hijack" mit Idris Elba borgte sich die Echtzeit-Dramatik, ebenso wie das jüngste Beispiel, die erfolgreiche Krankenhausserie "The Pitt".
Ohne dieses Gimmick, dafür inhaltlich ähnlich aufgebaut, kam 2011 die Serie "Homeland" heraus. Die Parallelen waren kein Zufall, hinter "Homeland" steckte in Person von Ko-Schöpfer Howard Gordon ein Mann, der schon bei "24" als Showrunner diente.
Die Frage aller Fragen: Sehen wir irgendwann nochmal 24 Stunden im Leben von Jack Bauer? Gordon hatte 2025 bereits angedeutet, dass eine weitere Staffel kommen soll. Erst im September dieses Jahres gab Sutherland diesbezüglich ein optimistisch klingendes Update: "Ich finde, es gibt da eine wirklich gute Idee. Die Figur fehlt mir einfach. Die Serie fehlt mir. [...] Ich kann also nur hoffen, dass es bald weitergeht - denn niemand möchte einen alten, womöglich hinkenden Jack Bauer sehen." Auch im echten Leben läuft Bauer also langsam die Zeit davon.
(stk/spot)