TPE und Silikon: Wie Materialien eine Produktgruppe prägen

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Thermoplastische Elastomere haben sich seit ihrer Markteinführung innerhalb weniger Jahrzehnte von einem Werkstoff mit Nischencharakter zu einem der gebräuchlichsten Kunststoffe der Konsumgüterindustrie entwickelt. Zahnarztinstrumente, Fahrzeugdichtungen, Soft-Touch-Griffe an Alltagsgegenständen — überall dort, wo bei gleichzeitiger Anforderung an Flexibilität, Hautverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit die Wahl zwischen TPE und seinem bekannten Gegenspieler Silikon zu treffen ist, lohnt ein Vergleich.
Was TPE chemisch ist und wo es eingesetzt wird
Wie der Name schon sagt, bestehen die thermoplastischen Elastomere nach DIN EN ISO 18064:2015 aus zwei polymeren Phasen. Ein hartes, schmelzbares Segment sorgt für die benötigte Formfestigkeit. Ein weiches, elastisches Segment verleiht dem Werkstoff die gewünschte Gummianmutung. Beim Erwärmen wird das Material plastisch verformbar und lässt sich im Spritzguß oder durch Extrusion verarbeiten. Beim Abkühlen kehrt die Elastizität zurück. Diese reversiblen Vorgänge machen TPE thermisch recyclierbar, ein Vorzug gegenüber dem vulkanisierten Kautschuk, dessen Vernetzung chemisch irreversibel ist. Die Härtegrade schwanken erheblich, gemessen auf der Shore-Skala von weichen Shore 30A bis zu harten Sorten über Shore 75D hinaus. Für Produkte, bei denen eine hautähnliche Haptik erzielt werden soll, kommen Formulierungen zwischen Shore 10A und 25A zum Einsatz. Genau hier haben sich die Liebespuppen aus TPE als eigene Marktkategorie fest etabliert, denn die von TPE gebotene Haptik ist eine überzeugende Alternative zu Silikon, bei jedoch deutlich niedrigerem Einstiegspreis.
TPE und Silikon: Technische Nachteile und ihre praktischen Folgen
Platinvernetztes Silikon, wie es in hochpreisigen realistischen Figuren verwendet wird, ist ein duroplastisches Material. Die chemische Vernetzung, die während des Herstellungsprozesses stattfindet, ist irreversibel, einmal ausgehärtet, lässt sich das Material nicht mehr neu aufschmelzen. Das Resultat ist eine glatte, nicht poröse Oberfläche, die sich vollständig desinfizieren lässt, keinerlei Weichmacher abgibt und eine Lebensdauer von 5 bis 10 Jahren hat. Feine Hautstrukturen und Poren lassen sich sehr genau im Material abbilden, da Silikon beim Aushärten kaum schwindet.
TPE ist porös, was zwei völlig unterschiedliche Eigenschaften zur Folge hat: Zum einen speichert das Material Körperwärme besser, und es gibt beim Druck schneller nach, das macht die Haptik realistischer. Zum anderen aber schließt die Porosität eine vollständige Desinfektion aus, und das Material reagiert empfindlicher auf UV-Licht und Abfärbung von Textilien. Die Lebensdauer beträgt nur 2 bis 5 Jahre. Im Preisgefüge liegt TPE erheblich darunter: Qualitätsmodelle sind nach Aussage der einschlägigen Fachportale ab etwa 1.200 Euro erhältlich, vergleichbare Silikonmodelle ab etwa 1.800 Euro. Produktsicherheit, Pflege und Qualität
Produktsicherheit, Pflege und Qualitätsstandards
Die für Produkte mit direktem Hautkontakt maßgebenden Vorgaben bestehen in der Europäischen Union in der REACH-Verordnung (EG) Nr. 1907/2006. Ihre Anforderungen regeln, welche Substanz in welchen Konzentrationen im Endprodukt zulässig sind. Bei zertifizierter Ausführung gelten beide Materialien als hypoallergen. Seriöse Hersteller weisen in ihren Materialdatenblättern zu beiden Werkstoffen neben der Shore-Härte auch den Weichmacheranteil und die chemische Unbedenklichkeit ihres Materials aus.
Diesen Weichmachern ist bei TPE-Formulierungen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Sie sind es, die die gewünschte Weichheit erzeugen, können aber bei minderwertiger Rezeptur z. B. mit der Zeit aus der Oberfläche austreten und die Haptik leicht klebrig machen. Regelmäßiges Pudern mit hautverträglichem, parfümfreiem Puder ist die Standardpflegemaßnahme zur dauerhaften Erhaltung der Oberflächenqualität. Das wesentlich glattere Silikon hingegen verlangt umsäumenden Aufwand. Es kann mit milden Reinigungsmitteln gesäubert werden; Alkohol darf dabei nicht verwendet werden, da er das Material auf Dauer schädigt.
Die Entscheidung zwischen beiden Werkstoffen ist letztlich eine Frage der Prioritäten. Wer mehr Wert auf eine weichere, nachgiebigere Textur und einen niedrigeren Anschaffungspreis legt, kann sich für TPE entscheiden, wird dafür aber höheren Pflegeaufwand in Kauf nehmen müssen. Wer langlebige Detailtreue und geringen Wartungsaufwand priorisiert, wird zu Silikon greifen müssen, was er jedoch auch mit einem höheren Preis bezahlen muss. Bei der Kaufentscheidung sollten beide Materialien bei zertifiziertem Herstellungsverfahren die relevanten Sicherheitsstandards erfüllen. Dies sollte ein Mindestkriterium für eine Kaufentscheidung darstellen.





