Das Auner Quartett spielt "Jenseits vom tanzenden Wien"

In vier Abenden im Musikverein holt das Ensemble ab 25. November verdrängte und ins Exil getriebene Komponisten zurück — mit Alexander Zemlinsky als Achse.

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Das Auner Quartett: Daniel Auner, Cristian Ruscior, Georg Wimmer, Konstantin Zelenin
Foto: Damián Posse Photography

Ab dem 25. November 2026 widmet das Auner Quartett im Wiener Musikverein einen vierteiligen Kammermusikzyklus jenen Komponistinnen und Komponisten, die aus dem Wiener Musikleben verdrängt wurden: zuerst von der Begeisterung des Publikums für die Tanzmusik der Familie Strauss, später vom zunehmenden Antisemitismus und schließlich vom NS-Regime, das ihre Werke als „entartet" diffamierte und sie ins Exil trieb.

„Was für ein kühnes, spannendes Projekt, in dem das bekannte Auner Quartett Neues erkunden und einen großen Bogen jenseits Wiener Klischees spannen will", sagt Peter Marboe, ehemaliger Wiener Kulturstadtrat und Vorsitzender des Alexander Zemlinsky Fonds.

Die Achse des Zyklus bildet Alexander Zemlinsky: An jedem der vier Abende erklingt ein Werk von ihm. Der Lehrer und Schwager Arnold Schönbergs musste 1938 fliehen und starb 1942, fast vergessen, im amerikanischen Exil. Um ihn gruppieren sich seine Zeitgenossen.

Eine wiederentdeckte Geigerin

Zu ihnen gehört die Geigerin und Komponistin Mary Dickenson-Auner (1880–1965). In Dublin geboren und an der Royal Academy of Music in London ausgebildet, spielte sie 1922 die österreichische Erstaufführung von Bartóks Erster Violinsonate. Als britischer Staatsbürgerin wurde ihr 1938 in Wien das Auftreten und Unterrichten untersagt. Fast alle ihre Streichquartette liegen nur handschriftlich vor und werden für diesen Zyklus erst wieder spielbar gemacht. Daniel Auner, über die Familie mit ihr verwandt, spielt dabei auf ihrer eigenen Violine.

Der Titel spielt auf den Walzer an, dessen Nachklang bis in die Werke der Verfemten reicht – bis zu Fritz Kreislers „Bekenntnis zu Wien", das der Exilant 1919 in New York schrieb.

Die vier Abende

25. November 2026, 20.00 Uhr – Irene Suchy liest aus „Mein Musikleben" von Mary Dickenson-Auner. Werke von Schubert, Dickenson-Auner, Brahms und Zemlinsky.

17. Februar 2027, 20.00 Uhr – Wolfgang Böck liest aus „Leutnant Gustl" von Arthur Schnitzler. Werke von Webern, Strauss, Zemlinsky und Berg.

17. März 2027, 19.30 Uhr – Thomas Hampson, Bariton, mit einem Bouquet von Liedern. Werke von Wolf, Schönberg und Zemlinsky.

22. Mai 2027, 20.00 Uhr – Christoph Wagner-Trenkwitz über Fritz Kreislers „Bekenntnis zu Wien". Werke von Strauss, Egon Wellesz, Zemlinsky und Kreisler.

Über das Auner Quartett

Das 2013 gegründete Auner Quartett – Daniel Auner, Cristian Ruscior, Georg Wimmer und Konstantin Zelenin – gewann 2018 den Eugène-Ysaÿe-Wettbewerb in Liège und war 2020/21 NASOM-Kulturbotschafter Österreichs. Seine CD „Versinkende Sonne" wurde zur Ö1-CD des Jahres 2022 gewählt. Primarius Daniel Auner spielt eine Guadagnini-Violine, eine Dauerleihgabe der Oesterreichischen Nationalbank. Veranstalter des Zyklus ist das Kammermusikforum Wien mit Unterstützung des Alexander Zemlinsky Fonds; alle Programme, Termine und Karten stehen unter aunerquartett.at.