Lukas Graham: „Ich will als Vater präsenter sein“

Lukas Forchhammer veröffentlicht das fünfte Studioalbum mit seiner Band Lukas Graham.

Lukas Forchhammer veröffentlicht das fünfte Studioalbum mit seiner Band Lukas Graham. Foto: Frederik Barasinski

Die dänische Band Lukas Graham feiert die "Good Times". Drei Jahre nach dem letzten Album meldet sich die Gruppe, die mit Hits wie "7 Years" und "Mama Said" bekannt wurde, am 14. August mit ihrem neuen Werk zurück. Doch was bedeuten gute Zeiten eigentlich? "Früher hatten sie vor allem mit Bier und langen Nächten zu tun, heute mit meinen Kindern und frühen Morgen", sagt Sänger Lukas Forchhammer (37) im Interview mit spot on news.

Sänger arbeitete mit Freunden seines verstorbenen Vaters

Mit dem Album erfüllte sich er sich einen Kindheitstraum: die Folk-Platte aufnehmen, die er sich schon als Junge vorgestellt hatte. "Mein Vater war Ire und ein Großteil der Musik, die wir zu Hause gehört haben, als ich aufgewachsen bin, war Folk aus Irland, Schottland und Amerika", erzählt der Frontmann. Sein Vater starb 2012, er ist auf "Good Times" jedoch allgegenwärtig.

Forchhammer war für die Aufnahme der LP in New York und Nashville mit Musikern im Studio, die seinen Vater kannten und mit ihm befreundet waren. Auch in Dublin traf er Freunde seines Vaters. "Einige von ihnen haben gesagt, wie stolz er auf dieses Album wäre." Für den Sänger sei es ein "Full Circle Moment" gewesen, mit ihnen zusammenzuarbeiten.

Aber nicht nur sein Vater prägte das Album. Den Song "Before You Go" schrieb Forchhammer 2019 für seinen engen Freund Thomas, der inzwischen ebenfalls verstorben ist. "Ich habe ihm dieses Lied geschrieben, weil er es verdient hatte. Er war ein wirklich lebensfroher Mensch. Obwohl er krank war und im Sterben lag, war er einer der positivsten Menschen, die ich je getroffen habe", erzählt Forchhammer. Statt einem traurigen Lied wollte er ihm deshalb einen Song widmen, der das Leben feiert. Die Botschaft dahinter: "Können wir das Leben nicht einfach noch ein bisschen länger feiern, bevor wir uns verabschieden müssen?"

Er will ein besserer Vater werden

Auf "Second Chance" wiederum reflektiert Forchhammer sich und seine Vergangenheit. "Ich glaube, es fällt einem leichter, anderen Menschen im Leben eine zweite Chance zu geben als sich selbst", erklärt er. In dem Lied singe er davon, "mich selbst im Spiegel anzusehen, meine Misserfolge, meine Unzulänglichkeiten und meine Fehler zu akzeptieren und mir zu erlauben, besser und stärker und vielleicht auch klüger zurückzukommen – oder zumindest mit neuen Perspektiven auf die Fehler, die ich gemacht habe".

Die Erkenntnis spiegelt sich auch in seinem Familienleben wider. Der in der dänischen Freistadt Christiania geborene Musiker ist Vater von drei Töchtern. Sein Wunsch: "Ich will als Vater präsenter sein und mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen. Ich habe zu viel Zeit damit verbracht, auf meine Karriere fixiert zu sein und zu viel über mich selbst nachzudenken." Früher habe der Sänger selbst zu Hause oft über die Musik nachgedacht. Heute frage er sich auf dem Heimweg: "Wer möchte ich sein, wenn ich zur Tür hereinkomme? Will ich ein Vater sein, der den Kindern zuhört oder ein ständig tourender Musiker, der nur um sich selbst kreist?"

Lukas Graham touren mit Ed Sheeran

Vor Tourneen muss er sich von seiner Familie verabschieden. Sie nicht dabeizuhaben, beschreibt Forchhammer als Herausforderung. "Es ist wirklich schwer, denn wenn ich weg bin, bin ich auch physisch weg. Man kann zwar über Videoanrufe in Kontakt bleiben, aber das ist nicht dasselbe, wie mit seinen Kindern Zeit zu verbringen." Trotzdem sei er 2026 viel unterwegs. Von August bis November begleitet er Ed Sheeran auf dessen "Loop"-Tour in Nordamerika.

Die beiden Musiker kennen sich seit vielen Jahren. Bei einem gemeinsamen Abendessen habe der Brite ihn eingeladen, mit auf Tour zu kommen. "Er ist ein wirklich netter und bodenständiger Mensch und wir haben viele Gemeinsamkeiten. Unsere Kinder sind im gleichen Alter und wir haben beide irische Wurzeln." Weil sie beide viel reisen, würden sie sich häufig darüber austauschen, wie sich Familie und Beruf miteinander vereinbaren lassen.

Deshalb ist Deutschland für ihn besonders

Forchhammer sucht nach wie vor nach der richtigen Balance. Deshalb plane seine Band derzeit keine eigene Europatour. "Meine sechsjährige Tochter wird im August eingeschult und ich möchte die Bindung zu meiner Familie nicht aufs Spiel setzen", erklärt er.

Trotzdem hofft er, bald auch wieder in Deutschland auf der Bühne zu stehen. "Ich würde wirklich gerne wieder in Deutschland spielen, weil Deutschland das erste Land war, in dem wir außerhalb Skandinaviens getourt sind. Ich habe eine starke Verbindung zu Deutschland." Das Land werde "immer etwas Besonderes" für ihn bleiben, da es das erste abseits von Dänemark gewesen sei, in dem "Drunk in the Morning" ein Radio-Hit wurde.

(paf/spot)

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