Massive Attack erinnern sich an ’surreale Erfahrung‘ nach Festnahme in Singapur

Foto (c) Bang Showbiz // Massive Attack 3D – BST Hyde Park 2016 – Avalon
Massive Attack haben die „surreale Erfahrung“ geschildert, nach ihrem Konzert in Singapur mit ihrer gesamten Tour-Crew festgehalten und von den Behörden befragt worden zu sein.
Hintergrund war das Zeigen einer palästinensischen Flagge. Inzwischen wurde dem Duo die erneute Einreise in das Land untersagt. In einer ausführlichen Stellungnahme erklärten die ‚Teardrop‘-Interpreten, sie seien nach ihrem Auftritt im Star Theatre am 29. Juli „überrascht und enttäuscht“ gewesen, von der Polizei festgehalten worden zu sein. Nach Angaben der Bandmitglieder seien die Musiker getrennt voneinander befragt worden, ihre Hotelzimmer durchsucht und ihre Reisepässe vorübergehend eingezogen worden. Die Gruppe berichtete, dass große Teile des Publikums während des Konzerts zweimal „Free Palestine“-Rufe angestimmt hätten: einmal vor dem Auftritt der Band und erneut am Ende der Show. Massive Attack bezeichneten die Rufe als „organisch“ und erklärten, die Fans seien vermutlich darüber informiert gewesen, dass solche Äußerungen gegen Singapurs Zensurgesetze verstoßen könnten, hätten sich davon aber nicht abhalten lassen.
Die Musiker betonten, sie hätten nicht erwartet, dass allein das Hochhalten der Flagge eines souveränen Staates, der von 157 Ländern anerkannt werde, gegen eine Vorschrift verstoßen könnte. Rückblickend zeigten sich die beiden Bandmitglieder stolz auf den gemeinsamen Moment mit den Fans, die ihrer Meinung nach ein „moralisches Bedürfnis“ verspürt hätten, ihre Solidarität mit den Menschen in Palästina auszudrücken. Sie kritisierten, dass die Untätigkeit der internationalen Gemeinschaft dazu führe, dass normale Bürger persönliche Risiken eingingen. Die Situation sei „surreal“ gewesen und habe sie erneut daran erinnert, wie wichtig es sei, universelle Menschenrechte und Meinungsfreiheit zu verteidigen.
Die Band verwies zudem auf Großbritannien und erklärte, dort seien friedliche Demonstranten unter Terrorgesetzen festgenommen worden, weil sie handgeschriebene Schilder gegen einen Genozid getragen hätten. Zum Abschluss ihrer Stellungnahme bedankten sich Massive Attack bei den Menschen in Singapur für deren Unterstützung. Gleichzeitig forderten sie die Regierung auf, den UN-Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte zu ratifizieren. Bürger sollten ihre Überzeugungen „ohne Angst vor staatlicher Strafverfolgung“ ausdrücken können.
Die Polizei von Singapur und die Medienaufsichtsbehörde veröffentlichten am Samstag (1. August) eine eigene Erklärung. Darin bestätigten die Behörden, dass Robert „3D“ Del Naja und Grant „Daddy G“ Marshall wegen „Handlungen zur Unterstützung einer politischen Sache und des Entfaltens einer ausländischen Flagge“ untersucht worden seien. Nach Rücksprache mit der Generalstaatsanwaltschaft erhielten beide Männer eine „ernste Verwarnung“ wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das Gesetz zur Kontrolle ausländischer Symbole sowie gegen das Gesetz zur öffentlichen Ordnung. Die Behörden teilten außerdem mit, dass beiden Musikern die Wiedereinreise nach Singapur untersagt wurde. Künftige Anträge für Auftritte der Band würden nicht genehmigt. Die Polizei betonte, sie nehme Handlungen ernst, die möglicherweise den religiösen und ethnischen Zusammenhalt des Landes gefährden könnten. Del Naja war bereits im April in London während einer Demonstration gegen das Verbot der Aktivistengruppe Palestine Action festgenommen worden.





